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Luxemburg und die Schlepper
Lokales 2 Min. 21.02.2019

Luxemburg und die Schlepper

Von den Machenschaften krimineller Schlepperbanden hört und liest man in Luxemburg meist nur aus 
Auslandsberichten. Die Arme des Menschenschmuggels reichen bisweilen aber auch ins Großherzogtum, wie der laufende Prozess gegen Armando P. am Bezirksgericht in Diekirch zeigt.

Luxemburg und die Schlepper

Von den Machenschaften krimineller Schlepperbanden hört und liest man in Luxemburg meist nur aus 
Auslandsberichten. Die Arme des Menschenschmuggels reichen bisweilen aber auch ins Großherzogtum, wie der laufende Prozess gegen Armando P. am Bezirksgericht in Diekirch zeigt.
Foto: Nico Muller
Lokales 2 Min. 21.02.2019

Luxemburg und die Schlepper

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Dass die weit verzweigten Arme des internationalen Menschenschmuggels mitunter auch bis ins Großherzogtum reichen, zeigt sich zurzeit am Bezirksgericht Diekirch.

Mit dem bestürzenden Schicksal von 71 Migranten, die an einer Autobahn in Österreich in einem Kühllastwagen erstickt waren, rückte das verbrecherische Handeln von Schlepperbanden, die verzweifelte Menschen gegen Geld illegal über die Landesgrenzen bringen, im Sommer 2015 inmitten der Flüchtlingskrise auf einen Schlag ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Dass die weitverzweigten Arme des internationalen Menschenschmuggels mitunter auch bis ins Großherzogtum reichen, zeigt sich zurzeit am Bezirksgericht Diekirch, wo sich seit Donnerstagmorgen ein zur Tatzeit in Echternach wohnhafter Mann wegen der Beteiligung an Schlepperaktivitäten verantworten muss.

Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2015 und März 2017 in mindestens elf Fällen die logistischen Mittel zur Einschleusung von Migranten durch den Eurotunnel bei Calais nach Großbritannien organisiert zu haben.

In Möbeln und Holzplattenstapel versteckt

Konkret soll der Angeklagte Armando P. bei der in Luxemburg erfolgten Anmietung der Transporter sowie bei der Anheuerung der Fahrer als Auftraggeber gewirkt haben, wie die zuständigen Ermittler der Police judiciare darlegten, deren Ausführungen vor Gericht einen ebenso erhellenden wie erschreckenden Einblick in die Vorgehensweise der Schleuser eröffneten.

Mal als Beifahrer mit gestohlenen Ausweisen, mal im Frachtraum in Möbelstücken oder ausgehöhlten Holzplattenstapeln versteckt, wurden in manchen Fällen bis zu 15 Menschen pro Fahrt an die französische Kanalküste verbracht, um sie von dort aus nach England zu schleusen.

Die vorrangig aus Albanien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran stammenden Migranten seien dabei wohl meist bei Zwischenstopps in Belgien oder Frankreich zugestiegen, so die Ermittler, dies scheinbar mal mit, mal ohne Wissen der Fahrer.

Fahrer belasten Angeklagten als Auftraggeber

Bei Letzteren habe es sich in der Regel um portugiesische Staatsbürger gehandelt, die vom Beschuldigten zunächst im Dunstkreis eines unlauteren Taxi-Unternehmens in Luxemburg-Stadt, später dann in den Drogenmilieus in Portugal selbst angeheuert wurden.

Meist mittellose Menschen, die das Risiko der illegalen Fahrten um des Geldes oder anderer Gegenleistungen willen ohne viel Fragens auf sich genommen hätten. Da einige der Transporte bei Kontrollen durch die französischen Behörden aufflogen, geriet Armando P. durch die Aussagen mehrerer festgenommener Fahrer jedoch allmählich ins Visier der Ermittler, die in der Folge eine immer schwerer wiegende Indizienlast gegen den Beschuldigten sammeln konnten.

"Konspirative Bargeldtransfers"

So habe Armando P. nicht nur nachweislich in Kontakt mit den angeheuerten Fahrern gestanden, sondern auch mit anderen, an den Schleuseraktivitäten beteiligten Personen. Zudem seien bei ihm aus verdächtigen Quellen auch regelmäßig konspirative Bargeldtransfers eingegangen, so die Beamten der Police judiciaire.

Beteuerungen des Angeklagten, er habe lediglich Transportfahrzeuge organisiert, ohne aber von den damit durchgeführten Schleuseraktivitäten gewusst zu haben, erschienen in diesem Lichte denn auch mehr als zweifelhaft, so die Ermittler. Der Prozess gegen Armando P. wird am Freitag mit weiteren Anhörungen fortgesetzt.


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