Luxemburg erlebt Welle der Solidarität
Luxemburg erlebt Welle der Solidarität
Um zu vermeiden, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, sollten ältere Menschen oder Personen, die eine Vorerkrankung haben, möglichst zu Hause bleiben. Infizierte Menschen oder diejenigen die sich in Quarantäne befinden ebenfalls. Der Einkauf oder der Gang in die Apotheke erledigen sich allerdings nicht von alleine. Und auch Haustiere brauchen Ausgang. Die schulfreie Zeit bringt zudem die Eltern in Schwierigkeit, die sich nicht freinehmen können, um bei ihren Kindern zu bleiben.
In den vergangenen Tagen haben sich landesweit mehrere Initiativen gebildet, um diesen Menschen zu helfen. Vielerorts sind es junge Leute, deren Schulunterricht derzeit ausfällt, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen. So auch viele Pfadfinder der Lëtzebuerger Guiden an Scouten (LGS) und der Fédération Nationale des Eclaireurs et Eclaireuses du Luxembourg (FNEL), die nun jeden Tag mehr als eine gute Tat ausführen wollen. „Wir haben bereits am Freitag angefangen, Gruppen auf die Beine zu stellen“, erklärt Philippe Berscheid von der FNEL. So hatten sich über das Wochenende 29 Gruppen zusammengefunden, die einen Großteil des Landes abdecken. Bis Montagvormittag waren 20 Aufträge eingegangen. Menschen, die Hilfe benötigen, können sich weiterhin unter der Nummer 27 400 496 bei der Zentrale der FNEL melden und bekommen innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung von der regionalen Gruppe.
Auch bei den LGS haben sich regionale Gruppen zusammengesetzt. Die jeweiligen Kontaktdaten sind auf der Webseite der LGS einsehbar. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich jedoch auch unter der Nummer 26 94 84 in der Zentrale melden. „Es ist wichtig, dass wir Pfadfinder uns einsetzen und helfen“, erklärt Basile Dell.
Frische Lebensmittel ins Haus
Bei der betroffenen Bevölkerung ist das Angebot willkommen. „Einen Online-Lieferservice zu finden, ist nicht einfach“, erklärt etwa eine Einwohnerin der Hauptstadt. Sie und ihr Ehemann sind über 65 Jahre alt. Eigentlich sind sie es gewohnt, ihre Einkäufe alleine zu tätigen. Nun wollen sie dies wegen der Ansteckungsgefahr und einem möglichen schweren Krankheitsverlauf jedoch vermeiden. „Wir brauchen vor allem frische Lebensmittel. Diese werden uns nun nach Hause geliefert.“
Auch die Betreiber der Plattform GoldenMe, die dazu beitragen soll, Einsamkeit bei älteren Menschen zu bekämpfen, wollen Unterstützung anbieten. „Am besten ist die Hilfe in der Nachbarschaft“, sagt Studentin Mara Kroth, die die Plattform 2018 zusammen mit Johannes Heuschkel auf die Beine gestellt hat. Auf der Facebook-Seite von GoldenMe ist ein Formular verfügbar, das Menschen die helfen wollen, in ihrer Nachbarschaft verteilen können.
Zudem wurde eine Facebook-Gruppe (Quarantine Support Luxembourg by GoldenMe) gegründet. „Wir stehen mit Service Senior in Esch/Alzette und Differdingen in Kontakt. Dort sagt man uns, wo und welche Hilfe gebraucht wird“, sagt Mara Kroth. Eine Ausweitung des Angebots soll in den kommenden Tagen folgen.
Hilfe von den Gemeinden
Doch auch viele Gemeinden haben sich organisiert, um ihren Einwohnern zur Seite zu stehen. In einigen Kommunen werden Angebote und Nachfragen gesammelt und zueinander geführt. In anderen Gemeinden, wie etwa Mamer (Tel. 31 00 31 41) und Bad Mondorf (Tel. 23 60 55 1, zwischen 8 und 12 Uhr; Repas sur roues: 621 993 978), übernehmen Mitarbeiter einige Aufgaben. „Wir erledigen den Gang in die Apotheke und den Einkauf von nötigen Einkaufsmitteln oder fertigen Gerichten“, erklärt Gilles Roth, Bürgermeister der Gemeinde Mamer. Anders als bei privaten Initiativen ermöglicht die Organisation über die Gemeinde eine einfache Abrechnung: Die Gemeinde streckt das Geld vor, die Einkäufe werden anschließend gemeinsam mit den Taxen verrechnet. So können sie zu einem späteren Zeitpunkt bei der Gemeinde beglichen werden.
Bei anderen Initiativen muss der Bezahlvorgang noch bestimmt werden. Denn wohl ist der Dienst an den Bürger kostenlos, für Lebensmittel oder Medikamente fallen jedoch Kosten an. „Wir haben unseren Mitgliedern gesagt, dass es möglichst unkompliziert ablaufen soll“, erklärt Basile Dell von den LGS.
Eines haben unterdessen alle Initiativen gemeinsam: Sie sollen die empfindlichen Bürger schützen und sie keinem weiteren Risiko aussetzen. Deshalb sind sich alle bewusst, dass die Vorsichts- und Hygienemaßnahmen respektiert werden müssen. Um eine Infizierung zu vermeiden, sollte der physische Kontakt zwischen Helfern und Betroffenen demnach auf ein Minimum reduziert werden.
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