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Luxemburg: Bio-Obst verzweifelt gesucht
Lokales 2 Min. 05.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg: Bio-Obst verzweifelt gesucht

Die nationale Produktion reicht nicht aus, um die Nachfrage an Äpfeln zu erfüllen.

Luxemburg: Bio-Obst verzweifelt gesucht

Die nationale Produktion reicht nicht aus, um die Nachfrage an Äpfeln zu erfüllen.
Nadine Schartz
Lokales 2 Min. 05.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg: Bio-Obst verzweifelt gesucht

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Der Mouvement écologique kritisiert die Ausschreibung für ein Obst-Lieferprogramm an Schulen.

Ignoriert das Landwirtschaftsministerium regionale Obst- und Gemüseproduzenten bei Ausschreibungen für die Luxemburger Schulen? In einer Stellungnahme kritisiert der Mouvement écologique die Vorgehensweise des Ministeriums im Zuge einer aktuellen Ausschreibung. Es geht dabei um eine Lieferung von insgesamt 572.000 Kilogramm Schulobst für das Schuljahr 2019/2020.

Der Umweltverband kritisiert in erster Linie die Auflagen: So muss die gesamte Lieferung von einem einzigen Produzenten stammen, dieser hat nur einen Monat Zeit, um seine Angebote einzureichen. Laut Meco scheide damit von vornherein jeder kleinere luxemburgische oder zumindest regionale Produzent aus. Zudem sei mit Abstand der Preis ausschlaggebend für die Zuteilung. Bioprodukte sollten fünf Prozent der Lieferung ausmachen, obwohl das Umweltministerium einen Anteil von 20 Prozent der Anbaufläche für Biolandbau anstrebt.

Auch regionale Produkte

Auch die Qualitätsvorgaben sind laut Meco kritikwürdig, so dürften höchstens zehn Prozent der Äpfel Schönheitsfehler aufweisen. Die Verpackungen sollten zudem nicht wiederverwendbar sein. Jean-Claude Muller vom "Lëtzebuerger Landesuebstbauveräin" und selbst einer der größten Obst- und Gemüsebauern des Großherzogtums, will die Kritik nur zum Teil bestätigen. „Die luxemburgischen Produzenten sind von dieser Ausschreibung nicht ausgeschlossen und haben sich in den letzten Jahren auch aktiv daran beteiligt“, so Muller. „Die Auflagen sehen aber vor, dass der Zulieferer eine ganze Palette an Produkten liefern kann und zudem sämtliche Schulen in Luxemburg beliefern kann. Da kommt nur ein Großhändler in Frage“, so Muller.


Bio Landwirtschaft - Hühner - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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Allerdings sei dieser verpflichtet, dreimal pro Jahr auch bei luxemburgischen Produzenten einzukaufen. „Rund 10 Prozent der Gesamtmenge stammen denn auch aus nationaler Produktion, viel mehr könnten die Hersteller auch gar nicht liefern“, erklärt Muller. Zudem sei durch dieses Verfahren gesichert, dass das Obst aus heimischer Produktion überhaupt in den Schulen angeboten würde. Laut Muller sei die Bereitschaft der Großkunden, wie Altersheimen oder Maisons relais, regionale Produkte zu bestellen, durchaus vorhanden. Das größte Hindernis seien allerdings übertrieben strenge Normen. „Wenn in einer Maison relais eine Milchpackung geöffnet wird, muss der Rest abends weggeschüttet werden. Eine Lagerung über Nacht im Kühlschrank wäre bereits illegal.“ Laut Muller würden solche Vorschriften das Vergeuden von Lebensmitteln fördern.

Schneider weist Kritik zurück

Das Landwirtschaftsministerium seinerseits bedauert, dass die Umweltlobbyisten ihre Kritik per Presseschreiben äußern. Man sei jederzeit bereit, über solche Anliegen zu diskutieren. Da es sich aber um ein europäisches Programm handele, das zudem bezuschusst wird, müssten auch die Auflagen des Lastenheftes berücksichtigt werden.

Zudem habe ein Unternehmen gefunden werden müssen, welches die insgesamt 360 Schulen auch beliefern kann. Insgesamt werden laut Landwirtschaftsministerium drei Lieferumfänge über luxemburgische Hersteller abgewickelt, dazu gehören Äpfel, Birnen und Karotten. Was die Biovorgaben betrifft, so müssen fünf Prozent des Gesamtvolumens aus biologischem Landbau stammen. Man sei gerne bereit, diesen Anteil zu erhöhen, allerdings sei die nationale Produktion dafür noch zu begrenzt. So betrug der Anteil der verteilten Biofrüchte vergangenes Schuljahr insgesamt 35 Prozent, diese mussten jedoch zum Teil importiert werden.


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