Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Lukrative Altkleidersammlungen: Jagd auf wertvolles Rohmaterial
Lokales 4 Min. 12.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Lukrative Altkleidersammlungen: Jagd auf wertvolles Rohmaterial

In den Sortierwerken der „Boer Groep“, ein spezialisiertes multinationales Unternehmen für Textilrecycling, werden die Altkleider sortiert, die u. a. von „Kolping Luxemburg“ gesammelt wurden.

Lukrative Altkleidersammlungen: Jagd auf wertvolles Rohmaterial

In den Sortierwerken der „Boer Groep“, ein spezialisiertes multinationales Unternehmen für Textilrecycling, werden die Altkleider sortiert, die u. a. von „Kolping Luxemburg“ gesammelt wurden.
Foto: Boer Groep
Lokales 4 Min. 12.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Lukrative Altkleidersammlungen: Jagd auf wertvolles Rohmaterial

Altkleider sind in: Damit sind nicht nur Vintage- und Secondhandkleider gemeint, sondern auch abgetragene Kleider, denen in Beton, Dämmstoffen und Autositzen ein zweites Leben eingehaucht wird. Der im Laufe der Jahre gestiegene Kilopreis macht Gebrauchtkleidung zu einer begehrten Ware.

(rr) - Altkleider sind in: Damit sind nicht nur Vintage- und Secondhandkleider gemeint, sondern auch abgetragene Kleider, denen in Beton, Dämmstoffen und Autositzen ein zweites Leben eingehaucht wird. Der im Laufe der Jahre gestiegene Kilopreis macht Gebrauchtkleidung zu einer begehrten Ware.

Die Vereinigungen „Aide aux enfants handicapés du Grand-Duché de Luxembourg“ und „Kolping Luxemburg“ waren im Jahre 1974 die ersten, die eine Altkleidersammlung durchführten, nachdem die Lumpensammler ihre Tätigkeiten eingestellt hatten. Äußerst erfolgreich, wie sich rasch herausstellte. Mittlerweile teilen sie sich diesen lukrativen Markt mit privaten und kommunalen Konkurrenten. Der Kilopreis liegt derzeit zwischen 0,40 und 0,50 Cent.

Pro Jahr sammelt die „Aide aux enfants handicapés du Grand-Duché de Luxembourg“ (AEHGD) circa 1.600 Tonnen Altkleider in den Containern und bei der Tür- zu-Tür-Sammlung ein. Bei letztgenannter werden 220 bis 230 Tonnen zusammengetragen.

Hervorragende Qualität

Luxemburgische Ware ist fast immer von hervorragender Qualität. Ein Großteil der von der AEHGD gesammelten Textilien wird als Kleidung wiederverwertet. Firmen aus Italien, Polen, Frankreich und der Ukraine kaufen die Ware auf, sortieren sie in ihren Anlagen und lassen sie reinigen. Viele Kleider und Schuhe erhalten in Secondhandläden eine zweite Chance. Textilien, die nicht mehr zu gebrauchen sind, werden weiterverarbeitet, beispielsweise in Beton, Autositzen und Dämmstoffen.

Der Erlös aus dem Verkauf und die Spenden sind beträchtlich. Im vergangenen Jahr konnte die AEHGD insgesamt 500.000 Euro an etliche soziale Einrichtungen weiterleiten. Für dieses Jahr rechnen die Verantwortlichen mit dem gleichen Betrag.

Altkleider sind für die einen unbrauchbar, für andere eine Ware mit Wert.
Altkleider sind für die einen unbrauchbar, für andere eine Ware mit Wert.
Foto: Gerry Huberty

„Kolping Luxemburg“ erzielt mit der „Aktioun Aalt Gezai“ den gleichen Erlös mit etwa 2.000 Tonnen jährlich. Die Aktion schafft nicht nur Arbeitsplätze für sozial schwache Menschen, sondern ermöglicht zudem die Finanzierung von sozialen Projekten in Luxemburg und im Ausland (Lateinamerika, Asien, Afrika). Vom Erlös gehen zwei Drittel an das „Jongenheem“, ein Drittel wird für Projekte in Luxemburg und in der Dritten Welt genutzt. Kamen 2014 insgesamt 400.000 Euro zusammen, so rechnet Präsidentin Marie-Jeanne Brauch-Klein in diesem Jahr aufgrund der Krisenherde in der Ukraine und in einigen afrikanischen Ländern mit weniger Einnahmen: „Die Menschen werden weniger Geld für gebrauchte Kleider ausgeben.“

Die von „Kolping Luxemburg“ gesammelten Gebrauchtkleider werden zu einem Sortierwerk der „Boer Groep“ transportiert. Etwa die Hälfte der Textilien, welche dieses multinationale Unternehmen einsammelt – es unterhält sieben Sortierwerke in Deutschland, den Niederlanden und Belgien –, werden durch ein sorgfältiges Auswahlverfahren für die Wiederverwertung als Kleidung vorbereitet.

Weltweites zweites Leben

Nachdem das Textil durch die Sortierung gelaufen ist, stehen dem Kunden eine Auswahl von rund 300 verschiedenen Produkten in zwei bis fünf unterschiedlichen Qualitäten zur Auswahl. Die Kleidung wird entsprechend der Qualität in Plastiksäcke verpackt oder in Ballen gepresst. Danach werden sie auf Container verladen, auf dem Weg in ein weltweites zweites Leben.

Ein weiterer Akteur in Luxemburg ist „Texaid“, ein Zusammenschluss von „Kolping Luxemburg“, „Aide aux Enfants Handicapés“, Rotem Kreuz und Caritas Luxemburg. Laut Robert Urbé, Präsident von „Texaid“, wurden im vergangenen Jahr 160 Tonnen in den Texaid–Containern gesammelt. Zudem organisiert jede dieser Organisationen eigene Sammlungen. Das Rote Kreuz und Caritas sortieren die Kleider und verteilen sie in ihren Kleiderstuben und Fairness-Centern an sozial schwache Bürger, teils gratis, teils gegen eine kleine Unkostenbeteiligung. „Kolping Luxemburg“ und die „Aide aux Enfants Handicapés“ verkaufen ihren Anteil an Händler im Ausland. Mit dem Erlös unterstützen sie Projekte im In- und Ausland.

Was das Rote Kreuz anbelangt, so sei erwähnt, dass die Freiwilligen der Kleiderstuben Kleider einsammeln, um sie kostenlos an Bedürftige oder Geringverdiener weiterzugeben. Die Empfänger werden von Sozialarbeitern dieses Bereichs oder vom Familienministerium zu den Dienststellen vermittelt. Diese Dienststellen sind rein ehrenamtlicher Natur und auf Kleiderspenden von Privatpersonen und Firmen angewiesen.

Konkurrenz von kommunaler Seite

Der Reinerlös aus Verkäufen von Altkleidung durch das Kolpingwerk oder die „Aide aux enfants handicapés du Grand-Duché de Luxembourg“ wird ausschließlich für soziale Werke verwendet. Alles andere als erfreut ist Georges Weis, langjähriger Präsident der AEHGD, deshalb über die Konkurrenz des „Syndicat intercommunal pour l'hygiène publique du canton de Capellen“ (Sica): „Das Syndikat ist nicht aus karitativen, sondern aus kommerziellen Gründen in diesem Sektor tätig.“

Marcel Schmit, Präsident des Sica, betont, dass der Erlös aus dem Kleiderverkauf an die acht Mitgliedsgemeinden und somit indirekt an die Bürger weitergereicht werde. Er weist auch darauf hin, dass das Syndikat zwei behinderte Arbeiter beschäftigt.

Ein Dorn im Auge aller Akteure sind die Container, die illegal aufgestellt wurden. Laut Justizsprecher Henri Eippers wurden am Juni 2014 im Rahmen einer Kontrolle durch die Umweltverwaltung anonyme Container bei Supermärkten in Bartringen, Foetz und Strassen gefunden. Der entsprechende Bericht ging am 1. Juli 2014 bei der Staatsanwaltschaft Luxemburg ein. In einer ersten Etappe konnte kein Urheber formell beschuldigt werden. Am 8. Dezember 2014 wurde dann eine deutsche Firma inflagranti erwischt, als sie Container aufstellte. Nicht ausgeschlossen wird, dass noch andere Unternehmen hinzukommen.

Für die Kollekte und den Transport von Altkleidern und Schuhen (die als Abfall angesehen werden) bedarf es einer ministeriellen Genehmigung. Artikel 47 des Abfallgesetzes sieht Haftstrafen zwischen acht Tagen und sechs Monaten und eine Geldstrafe von 251 bis 100.000 Euro vor. Fakultativ ist zudem die Beschlagnahmung vorgesehen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

In Gasperich: Sortierzentrum für Kleidung eingeweiht
Die Großzügigkeit der Bevölkerung hat Caritas und Rotes Kreuz vor neue Herausforderungen gestellt. Eine Halle in Gasperich ermöglicht nun eine professionellere Herangehensweise in puncto Sammeln und Sortieren von gebrauchten Kleidern und Schuhen.
In der Halle in der Rue Hogenberg in Gasperich werden die Waren sortiert, ehe sie verteilt werden.