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Lösung für Bypass Hellingen in Sicht
Lokales 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Lösung für Bypass Hellingen in Sicht

Das interessierte Publikum stellte bei der Informationsversammlung in Hellingen viele Fragen.

Lösung für Bypass Hellingen in Sicht

Das interessierte Publikum stellte bei der Informationsversammlung in Hellingen viele Fragen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Lösung für Bypass Hellingen in Sicht

Die jahrelange Hängepartie um den Autobahn-Bypass in Hellingen könnte noch im Lauf dieses Jahres zu Ende gehen. Das erklärte Minister Claude Wiseler, als er dieser Tage auf Einladung der CSV-Sektion Frisingen in Hellingen zu Gast war.

Von Nathalie Rovatti

Die jahrelange Hängepartie um den Autobahn-Bypass in Hellingen könnte noch im Lauf dieses Jahres zu Ende gehen. Das erklärte Minister Claude Wiseler, als er dieser Tage auf Einladung der CSV-Sektion Frisingen in Hellingen zu Gast war, um in einer öffentlichen Informationsversammlung die Mobilitätspolitik der Regierung vorzustellen, aber auch um dem Publikum Rede und Antwort zu stehen, was die Infrastrukturen in der Gemeinde Frisingen angeht.

Zur Erinnerung: Weil eine Familie aus Hellingen ihre Ländereien nicht für den Bau der Autobahn hergeben wollte, musste zu Beginn der 2000er-Jahre ein 1,4 Kilometer langer Bypass samt Verteilerkreis gebaut werden, als provisorischer Anschluss an das Bettemburger Kreuz. Die damals vom Staat eingeleitete Enteignungsprozedur zieht sich schon jahrelang hin. Die letzte juristische Verlängerung geht auf das Jahr 2009 zurück, als die Prozedur vom Gericht verworfen wurde, weil 2001 ein Reglement nicht richtig im Memorial veröffentlicht worden war.

In Hellingen erklärte Claude Wiseler dem aufmerksamen Publikum, dass damals versäumt wurde, die Anlagen (annexes) der von der Enteignung betroffenen Parzellen zu publizieren. „Die Verfassung war erst kurz zuvor in diese Richtung gehend umgeändert worden. Bis dahin war es nicht notwendig, die Anlagen mit zu veröffentlichen“, so Claude Wiseler. Das wurde inzwischen nachgeholt. „Ich kann derzeit nur sagen, wie der juristische Stand der Dinge ist. Wir sind zuversichtlich, dass ein Urteil noch in diesem Jahr gesprochen wird.

Die Straßenbauverwaltung ist bereit, sofort mit den Arbeiten zu beginnen und das noch am gleichen Tag, an dem wir in den Besitz der Ländereien kommen“, so Claude Wiseler. Kopfzerbrechen bereitete den Anwesenden auch eine mögliche Ausdehnung der Erdaushubdeponie in Hellingen, direkt gelegen am Verteilerkreis. Es liege tatsächlich ein Antrag vor, diese Deponie zu vergrößern, allerdings zur Seite Bettemburg/Düdelingen hin, wo noch Aufnahmekapazitäten bestünden. Nach Hellingen/Frisingen hin könnte das Areal aus Platzgründen ohnehin nicht erweitert werden, erklärte der Minister.

Zusammenhängende Mobilitätsstrategie

Ausgebaut werden soll auch der CR 161 durch die Industriezone „Dudelange-Burange“ in Richtung Logistikcenter auf dem ehemaligen WSA-Gelände in Düdelingen. „Wir brauchen dieses Logistikzentrum für den Gütertransport via Schiene nach Frankreich“, meinte Claude Wiseler, erklärte aber zugleich, dass es eine Bestrebung sei, den Lkw-Verkehr in den Ortschaften so weit wie möglich einzuschränken. Um das gewährleisten zu können, müsse der CR 161 ausgebaut werden, um so einen direkten Anschluss der Autobahn an das WSA-Gelände sicherzustellen. Der Lastwagenverkehr auf der N 13 soll dann komplett verboten werden.

Claude Wiseler erläuterte auch die langfristige Verkehrspolitik der Regierung, die er als „zusammenhängende Mobilitätsstrategie“ bezeichnete. „Die Mobilitätsprobleme in Luxemburg sind eigentlich gering, nimmt man die Stoßzeiten aus. Die Staus und Unfälle ereignen sich vornehmlich in den Spitzenstunden“, so Wiseler, der meinte, nur der öffentliche Transport könne hier langfristig Entlastung bringen. Was die Straßenbauprojekte angehe, seien deren eine ganze Reihe in den letzten zwei Jahren aus Spargründen zurückgestellt worden.

„Nur was wirklich notwendig ist, wird im Moment auch gebaut. Dazu gehören beispielsweise die zuletzt viel diskutierte Umgehungsstraße von Niederkerschen, aber auch die „contournements“ Olm-Kehlen und Nordstadt“, meinte der Minister. Um einen Ausbau der gesamten Autobahn auf zwei mal drei Spuren käme man früher oder später nicht herum. An der „Aire de Berchem“ sollen die Arbeiten im Hinblick auf eine solche Verbreiterung bereits 2012 beginnen. In puncto Schienennetz müssten national die Strecken Petingen-Luxemburg und Bettemburg-Luxemburg, sowie international die Strecke Luxemburg-Brüssel effizienter gestaltet werden, um mehr Reisende aufnehmen zu können. „So wie sich die Lage derzeit darstellt, können nicht mehr Fahrgäste die Züge nutzen, da die Kapazitäten erschöpft sind. Hier muss aufgestockt werden“.

Eine Lanze für die Tram

Nicht gebaut wird die Linie Esch-Luxemburg. „1,6 Milliarden Euro sind zu teuer für einen Zeitgewinn von nur wenigen Minuten“, argumentierte der Redner. Um mehr Menschen mit dem Bus transportieren zu können, genüge es nicht, neue Fahrzeuge anzuschaffen. Das würde nur mit einer kompletten Reorganisation des Buskonzepts zu bewerkstelligen sein, meinte Wiseler. Gemeint sind u. a. zusätzliche Busspuren und sogenannte Bushöfe an zentralen Punkten, wo ein schnelles Aus- und Umsteigen gewährleistet ist. Neue P&R-Auffangparkplätze sind in Leudelingen, Belval und Düdelingen geplant.

Eine Lanze brach der Minister für die Tram. „Wir brauchen ein Transportmittel, das in der Hauptstadt möglichst schnell viele Menschen auf komfortable Weise befördern kann. Das kann in meinen Augen nur die Tram sein“, meinte Wiseler. Vorgesehen ist in einer ersten Etappe eine Verbindung Bahnhof-Zentrum-Luxepo, später soll die Tram überall dort halten, wo sich große Gebäude mit vielen Angestellten befinden. In Kirchberg werden Claude Wiseler zufolge in zehn bis 15 Jahren 30 000 Menschen arbeite, im „Ban de Gasperich“ sollen es deren 15 000 sein.