Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Löschenhaus“ in Echternach: Als die Planierraupe anrückte
Lokales 17.05.2017 Aus unserem online-Archiv

„Löschenhaus“ in Echternach: Als die Planierraupe anrückte

Das „Löschenhaus“ musste weichen, damit der See im Freizeitgebiet angelegt werden konnte. Am 17. Mai 1977 begann die Planierraupe mit dem Abriss des Barockgebäudes.

„Löschenhaus“ in Echternach: Als die Planierraupe anrückte

Das „Löschenhaus“ musste weichen, damit der See im Freizeitgebiet angelegt werden konnte. Am 17. Mai 1977 begann die Planierraupe mit dem Abriss des Barockgebäudes.
Foto: Lé Sibenaler / LW-Archiv
Lokales 17.05.2017 Aus unserem online-Archiv

„Löschenhaus“ in Echternach: Als die Planierraupe anrückte

Anne-Aymone SCHMITZ
Anne-Aymone SCHMITZ
Die Mönche aus der Benediktinerabtei zogen sich einst im Sommer in ihre Ferienresidenz im Ort genannt „in den Löschen“ zurück. Heute vor 40 Jahren wurde das Barockgebäude abgerissen.

(asc) - Die Sauerstadt Echternach ist bis weit über die Grenzen Luxemburgs bekannt für die Abtei, die im siebten Jahrhundert vom Wandermönch Willibrord gegründet wurde und das Skriptorium, in dem die Mönche reich geschmückte Werke wie den „Codex Aureus“ und den „Codex Epternacensis“ anfertigten. Die Benediktinermönche lebten und arbeiteten bis ins Jahr 1764 in dem Benediktinerkloster.

Während des Abrisses des „Löschenhaus“ wird der See bereits mit Wasser gefüllt.
Während des Abrisses des „Löschenhaus“ wird der See bereits mit Wasser gefüllt.
Foto: E. Seyler / LW-Archiv

Damit die Mönche sich außerhalb der Klostermauern erholen konnten, ließ Abt Philipp de la Neuforge eine Sommerresidenz im Ort genannt „in den Löschen“ am Standort des heutigen Sees errichten. Im Mai 1676 erwarb er dafür ein Grundstück in diesem Ortsbereich.

„Das Gebäude wurde im Stil des Barocks gebaut. Charakteristisch für diese Architektur sind die betonte Mittelachse und die zwei Ecktürme an den beiden Enden des Gebäudes“, erklärt Georges Calteux, der einstige Direktor des Denkmalschutzamtes. Dieselbe Architektur findet man beispielsweise noch bei anderen Echternacher Bauten wie dem Prälatenflügel des Lyzeums und dem Bauernhof Melick wieder.

Schicksal wurde besiegelt

Während der künstliche See schon langsam mit Wasser gefüllt wird, rückt am 17. Mai 1977 – also heute vor 40 Jahren – im Morgengrauen die Planierraupe an. Gegen 4.30 Uhr wurde mit dem Abriss des historischen, 300 Jahre alten Gebäudes begonnen. Auch die Proteste von Echternacher Bürgern nützten nichts mehr.

Das „Löschenhaus“ musste weichen, damit der See im Freizeitgebiet angelegt werden konnte. Am 17. Mai 1977 begann die Planierraupe mit dem Abriss des Barockgebäudes.
Das „Löschenhaus“ musste weichen, damit der See im Freizeitgebiet angelegt werden konnte. Am 17. Mai 1977 begann die Planierraupe mit dem Abriss des Barockgebäudes.
Foto: Lé Sibenaler / LW-Archiv)

Der damalige Bürgermeister Robert Schaffner hatte zuvor mit den DP-LSAP-Mehrheitsparteien im Gemeinderat der Sauerstadt das Schicksal des Gebäudes besiegelt und für dessen Abriss sowie den späteren Wiederaufbau an einem anderen Ort gestimmt. „Und dies obschon sich die Unesco-Kommission gegen den Abriss ausgesprochen und das Kulturministerium Gelder für die Renovierung des Hauses eingeplant hatte.

Der Echternacher Verschönerungsverein hatte den Ausbau der alten Ferienresidenz der Mönche vorgeschlagen. Im alten Gebäude hätte ein Konzertsaal für das Echternacher Festival eingerichtet werden können. Nach den damaligen Plänen der Vereinigung hätten das Barockgebäude und der Anbau auf einer Insel erhalten bleiben und rund herum der See angelegt werden können“, erinnert sich Georges Calteux.

Ein Eckturm und ein Teil der Mittelachse sind 
bereits abgerissen.
Ein Eckturm und ein Teil der Mittelachse sind 
bereits abgerissen.
Foto: Jean Weyrich/LW-Archiv

Zum Wiederaufbau der Residenz kam es nie. Die Steine seien verschollen. Heute wisse niemand, ob und wo Überreste aufbewahrt wurden, so Georges Calteux.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zwischen Fluss und Weinberg
Dörfer wie etwa Wellenstein oder Bech-Kleinmacher haben ihren besonderen Charme. Dazu tragen nicht nur die typischen engen Gassen, sondern auch die Winzerhäuser mit ihrer individuellen Architektur bei.
Die engen Gassen wie hier in Wellenstein tragen zum Charme von Winzerdörfern bei.
Zeitzeugen: Die Luxemburger Tudors
Der Ort Rosport ist nicht nur für sein Mineralwasser bekannt, sondern auch durch niemand Geringeren als Henri Tudor mit dem britischen Adel verbunden. Ohne den Akkumulatoren-Erfinder königlichen Geblüts gäbe es heute vielleicht keine Smartphones, Tablets oder Elektroautos.
Das Tudor-Museum in Rosport führt näher in die Geschichte des emsigen Unternehmers ein.