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Liste mit 280 jüdischen Kindern an Nazi-Okkupanten überreicht
Während des Zweiten Weltkriegs hingen an vielen Plätzen von Luxemburg-Stadt Nazi-Symbole.

Liste mit 280 jüdischen Kindern an Nazi-Okkupanten überreicht

Foto: LW-Archiv
Während des Zweiten Weltkriegs hingen an vielen Plätzen von Luxemburg-Stadt Nazi-Symbole.
Lokales 2 Min. 22.02.2013

Liste mit 280 jüdischen Kindern an Nazi-Okkupanten überreicht

Nach mehr als 70 Jahren Schweigen, Verdrängen, Vertuschen und Vergessen sei es an der Zeit, eine Liste der jüdischen Primärschulkinder zu veröffentlichen, die von der Luxemburger Verwaltung in den ersten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkriegs erstellt und an den Nazi-Okkupanten überreicht wurde. Das sagt der Historiker Denis Scuto.

(mt) - Der Historiker Denis Scuto hat in einem Schreiben an RTL die Rolle Luxemburgs während des Zweiten Weltkriegs in ein neues Licht gerückt. Er spricht darin vom "Mythos der aktiven Auflehnung" Luxemburs gegen den Nazi-Okkupanten.

Historiker wie Paul Dostert, Emile Krier, Claude Wey und Lucien Blau hätten schon in den 70er Jahren aufgezeigt, dass die aktiven Resistenzler - genauso wie die aktiven Kollaborateure - in Luxemburg nur eine Minderheit gewesen seien.

Verbrechen der "Verwaltungskommission"?

Rezentere Studien, u.a. von Paul Cerf, Henri Wehenkel, Serge Hoffmann, Benoît Majerus und Vincent Artuso,  hätten sich dann mit der Rolle der "Verwaltungskommission" als stellvertretende Regierung Luxemburgs nach der Flucht ins Exil der Großherzogin und der tatsächlichen Regierung befasst. Diese Verwaltungskommission habe bis zu ihrer Auflösung im Dezember 1940 mit dem Nazi-Okkupanten kollaboriert. Ein Teil ihrer Arbeit sei die Umsetzung der antisemitischen Gesetze in Luxemburg gewesen. Eine aktive Rolle habe die Kommission insbesondere bei der Identifikation und Erfassung der jüdischen Bevölkerung Luxemburgs gespielt.

Diese Rolle - so Scuto - sei bereits vom Historiker Paul Dostert in seiner Doktorarbeit im Jahr 1985 hervorgehoben worden. Zitat daraus:

"Aus zwei Schreiben vom November 1940 spricht ein administrativer Ton der Zusammenarbeit, der den Eindruck erweckt, als ob die Verwaltungskommission gewisse Fragen in Bezug auf die Juden nichtluxemburgischer Nationalität von sich aus aufgeworfen und dadurch den Mechanismus der Erfassung erst in Gang gesetzt hätte. Die dann von ihr geforderten Handlangerdienste am Schreibtisch wurden akribisch genau geleistet."

Dies verleitet nun den Historiker Denis Scuto zu dieser Behauptung: "Es ist doch sehr verwunderlich, dass Paul Dostert, insbesondere in  seiner Funktion als Direktor des 2002 gegründeten "Centre de documentation et de recherche sur la Résistance" oder als eines der Mitglieder der "Commission spéciale pour l'étude des spoliations des biens juifs" während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 diese Frage nie mehr öffentlich thematisiert habe.

Listen erstellt mit viel Akribie

Paul Dostert habe in seiner Doktorarbeit eine Liste von fast 500 polnischen Juden erstellt, deren Namen von der Verwaltungskommission erfasst wurden und an den Chef der Zivilverwaltung weitergereicht wurden. Mit derselben Akribie sei im September 1940 eine Liste sämtlicher jüdischer Schulkinder erstellt worden.

Denis Scuto fragt: Wie ist es nur möglich, dass diese Kollaboration erst in einem offenen Brief des Historikers Serge Hoffmann an Premierminister Jean-Claude Juncker, erschienen im "Tageblatt" vom 19. September 2012, an die Öffentlichkeit gelangte? Darin wurde auch gefragt, ob Luxemburg sich nicht auch wie Belgien für sein Verhalten während des Zweiten Weltkriegs entschuldigen müsste.

  • Hier die Stellungnahme des Historikers Denis Scuto: