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Lebensmittel in der Biogasanlage: Die Geschichte hinter den Äpfeln
Berge von Äpfeln in Urspelt

Lebensmittel in der Biogasanlage: Die Geschichte hinter den Äpfeln

Foto: Alice Enders
Berge von Äpfeln in Urspelt
Lokales 10.10.2016

Lebensmittel in der Biogasanlage: Die Geschichte hinter den Äpfeln

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Warum landen in Urspelt 300 Tonnen makelloser Äpfel in der Biogasanlage? Eine Nachfrage beim Betreiber und ein Blick hinter die Kulissen.

(jag) - Wahre Apfelberge sind am Wochenende in einem Feld in Urspelt aufgetaucht: Viele Passanten zeigten sich geschockt, als sie hörten, dass die Lebensmittel - in eigentlich noch sehr gutem Zustand - in der lokalen Biogasanlage verarbeitet werden sollen. In Zwischenzeit hat das große Sammeln begonnen: Selbst aus der Clerfer Abtei hatten sich am Samstag einige Mönche auf den Weg gemacht, um die Lebensmittel einzusammeln.

Laurent Weiler, Lehrer für Wirtschaft im Wiltzer Lycée zeigte sich entsetzt: Zusammen mit einigen Schülern hatte er eine Mini-Gesellschaft gegründet um Apfelschorle herzustellen. Das Projekt hatte Schwierigkeiten, weil Äpfel dieses Jahr Mangelware sind. Weiler meldete sich beim Betreiber der Biogasanlage in Urspelt: kein Problem, man könne sich dort bedienen.

Erlaubnis vom Umweltamt

Erny Kremer betreibt die KSM Biogas in Urspelt. Die Genehmigung, die vom Umweltamt ausgestellt wurde, erlaubt auch das Verarbeiten von Obst-und Gemüseabfällen. Mais wird dort allerdings nicht vergärt.

"Es ist eher selten, dass wir solche Produkte hier annehmen. Meistens werden Grasschnitt und Gülle angenommen," so Erny Kremer. "Die 300 Tonnen Äpfel wurden aus Belgien angeliefert, ich habe nur den Transportpreis bezahlt. Würde ich sie nicht in der Biogasanlage verwerten, würden sie zerstört werden. Ähnliches passiert auch schon mal zur Erntezeit von Gemüse. Von den riesigen Mengen aus den Niederlanden und Belgien findet dann manchmal Überschüssiges den Weg nach Luxemburg." 

Der Konsument ist schuld

Die Äpfel sind zwar absolut genießbar, aus irgendeinem Grund gelangten sie aber nicht auf den Markt. "Es kann eine falsche Lagerung sein, ein Brand in einer Halle oder ganz einfach das Kaliber, das nicht den Lebensmittelregeln entspricht. Dann wird die Ware unverkäuflich. So ist das heute auf dem Lebensmittelmarkt", so Kremer.

Weil gerade Apfelsaison ist, kann es aber auch ganz einfach an Überproduktion oder  Absatzschwierigkeiten liegen. Die EU-Sanktionen gegenüber Russland spielen auf diesem Markt ebenfalls eine Rolle.

Der Schuldige sind aber auch wir selber: Die Gier nach immer billigeren und makellosen Lebensmitteln führt letztendlich zu solchen Exzessen. 


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