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Lebensmittel aus dem Großherzogtum: Warum in die Ferne schweifen? Regional ist "in"!
Lokales 3 Min. 10.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Lebensmittel aus dem Großherzogtum: Warum in die Ferne schweifen? Regional ist "in"!

Obst, Gemüse, Fleisch und Wein: Dass es diese Produkte „aus der Region“ gibt, dürfte jedem klar sein. Doch ist die Liste der Artikel, die hierzulande produziert werden, viel länger, als viele es annehmen.

Lebensmittel aus dem Großherzogtum: Warum in die Ferne schweifen? Regional ist "in"!

Obst, Gemüse, Fleisch und Wein: Dass es diese Produkte „aus der Region“ gibt, dürfte jedem klar sein. Doch ist die Liste der Artikel, die hierzulande produziert werden, viel länger, als viele es annehmen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 10.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Lebensmittel aus dem Großherzogtum: Warum in die Ferne schweifen? Regional ist "in"!

Woher stammen wohl die Karotten, die es gestern beim Abendessen gab? Woher der Salat vom Mittagstisch? Und der Apfel aus der Pause? Oftmals kommt unser Essen aus weiter Ferne, obwohl es auch „Made in Luxembourg“ verfügbar wäre. Doch das Interesse für die Herkunft unserer Produkte scheint zu wachsen.

(DL) - Bohnen aus Kenia, Erdbeeren aus Spanien, Steak aus Argentinien und Mineralwasser aus Italien: In Zeiten der Globalisierung stammen die Lebensmittel auf unseren Tellern bzw. in unseren Gläsern nicht selten aus aller Welt. Dabei wird auch hierzulande eine breite Vielfalt an Esswaren produziert: Gemüse, Käse, Fleisch, Honig, Bier, Nudeln, Rapsöl, oder Senf – das sind nur einige Produktbeispiele, die es „Made in Luxembourg“ gibt.

„Wir produzieren hierzulande sehr viele interessanten Dinge – doch viele wissen das überhaupt nicht“, erklärt Ghislaine Soisson von der „Chambre d'Agriculture“. Aus genau diesem Grund hat die Landwirtschaftskammer im Jahr 2009 die Initiative „Sou schmaacht Lëtzebuerg“ initiiert. Privatleute sowie Professionelle erfahren dank dieser Sensibilisierungskampagne, welche regionalen Produkte es gibt – und in welchen Restaurants und Kantinen Wert auf Produkte von Luxemburger Herkunft gelegt wird.

Regionales Kantinenessen

Vor allem bei den Kollektivrestaurants – z. B. in Schulen, Alters- und Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder Firmen, sei die Initiative auf reges Interesse gestoßen. 42 Strukturen und 37 Restaurants haben inzwischen eine entsprechende Konvention unterzeichnet. In diesem Abkommen sind diverse Kriterien festgehalten, die die betreffende Einrichtung bzw. das Lokal erfüllen muss.

So gilt für Restaurants, dass je zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und ein Nachtisch (oder aber ein Menü) aus überwiegend luxemburgischen Zutaten angeboten werden müssen, genau wie ein Sekt und drei Weine aus Luxemburg, ein nicht-alkoholisches Getränk, eine Teesorte sowie zwei Sorten Schnaps. Verbraucher und Gewerbe finden zudem eine Liste mit Produzenten aus Luxemburg – und den Lebensmitteln, die sie anbieten.

Trend Frischmarkt

Vielen von ihnen begegnet man auch auf den hiesigen Frischmärkten, die quer durch das Land stattfinden – und aktuell wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen. Niki Kirsch ist Präsident des „Lëtzebuerger Maarteverband“ (LMV) und bestätigt, dass die Anfragen für neue Märkte sich häufen. Viele Gemeinden würden sich bewusst werden, dass ein Markt erheblich zum Stadt- oder Dorfleben beiträgt. Und: „Der Vorteil, wenn man auf dem Markt einkauft, besteht einerseits darin, dass man zusammenkommt, sich miteinander unterhält, Klatsch und Tratsch austauscht. Auf der anderen Seite haben Kunden die Gelegenheit, mit dem Produzenten ins Gespräch zu kommen.“ 

Frischmärkte liegen im Trend. Immer mehr Gemeinden möchten ihren Bürgern einen eigenen, kleinen Markt bieten.
Frischmärkte liegen im Trend. Immer mehr Gemeinden möchten ihren Bürgern einen eigenen, kleinen Markt bieten.
Foto: Lex Kleren

Die Marktbesucher seien denn auch sehr interessiert, würden sich nach Herkunft und Haltbarkeitsdauer der Produkte erkundigen. Der LMV-Präsident ist selbst seit vielen Jahren auf dem Markt präsent: Familie Kirsch baut in ihrer Gärtnerei bereits in vierter Generation Gemüse an. Niki Kirsch macht jedoch darauf aufmerksam, dass aktuell nur ein Prozent des bei uns verzehrten Gemüses aus nationaler Produktion stamme. Die Gemüseproduktion sei keine einfache Sparte – und mit viel Arbeit verbunden. Trotzdem könnte man es laut Kirsch zumindest beim Feldgemüse ohne größere Investitionen auf 30 Prozent schaffen.

Eine Frage der Gewohnheit

Stattdessen würden aktuell also 99 Prozent des hierzulande gegessenen Gemüses importiert – zum Beispiel Bohnen aus Kenia. Dies, obwohl auch in Luxemburg während sechs bis sieben Monaten im Jahr welche verfügbar seien. „Die Kunden sind so erzogen worden, dass immer alles da ist“, erklärt Kirsch. „Dabei haben wir doch so viele andere Sachen!“

Wie der Gemüseproduzent berichtet, wachsen in seiner Gärtnerei allein 50 bis 55 Sorten Küchenkräuter. Man versuche, die Menschen aufzuklären, damit sie regional und saisonal einkaufen. Daraus, dass luxemburgisches Gemüse – aufgrund der hohen Löhne – etwas mehr kostet, macht er indes keinen Hehl: „Dessen müssen sich die Kunden bewusst sein.“ 

Neue (Geschäfts)modelle

Abgesehen von den Märkten, die dem „Lëtzebuerger Maarteverband“ angehören, sind viele Gemeinden aktuell dabei, ihre eigenen, kleinen Märkte ins Leben zu rufen. Dass regional „in“ ist, wird aber noch an anderer Stelle deutlich. So gewinnen originelle (Geschäfts)modelle, mittels derer regionale Produkte an Mann und Frau gebracht werden, an Bedeutung. Verschiedene Initiativen und Betriebe bieten beispielsweise „Gemüseabonnements“ an: Wer sich abonniert, wird regelmäßig mit einem Korb, der eine Auswahl an regionalem und saisonalem Gemüse enthält, beliefert.

Auch Gemeinschaftsgärten, wo Bürger Obst und Gemüse selbst anbauen und ernten können, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dann gibt es noch das Beispiel
„100 % Luxembourg“ in Grevenmacher, ein Projekt der Initiative „Leader Miselerland“. Dieser Laden hat sich auf Produkte aus dem Großherzogtum spezialisiert und bietet über 250 verschiedene Artikel an.

Angekommen ist der Trend aber längst auch in (einigen) Supermärkten. Bei Cactus beispielsweise gibt es seit 2009 das 
Label „Aus der Regioun, fir d'Regioun“, erklärt Sprecherin Karin Pütz. Über Partnerschaften mit den einheimischen Produzenten sollen diese unterstützt und deren Produkte gefördert werden. Bei den Verbrauchern komme diese Entwicklung gut an: „Der Kunde beschreitet diesen Weg 
mit uns – und kauft immer mehr lokale Produkte.“


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