Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bauern enttäuscht über Getreideernte in Luxemburg
Lokales 4 Min. 13.09.2021
Landwirtschaft

Bauern enttäuscht über Getreideernte in Luxemburg

Die Getreideernte 2021 enttäuschte in Bezug auf die Qualität und die Quantität.
Landwirtschaft

Bauern enttäuscht über Getreideernte in Luxemburg

Die Getreideernte 2021 enttäuschte in Bezug auf die Qualität und die Quantität.
Foto: Jp Schmit
Lokales 4 Min. 13.09.2021
Landwirtschaft

Bauern enttäuscht über Getreideernte in Luxemburg

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
Am Anfang des Jahres sah es so aus, als wenn die Ernte 2021 sehr gut ausfallen würde. Dann kam der Regen und die Feldfrüchte mussten leiden.

„Weder die Quantität noch die Qualität der diesjährigen Getreideernte ist zufriedenstellend“, meinte Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LASP) gestern bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Karschnatzes. „2021 ist aber auch kein Katastrophenjahr.“ 

Die landwirtschaftliche Anbaufläche des Großherzogtums beträgt rund 132 000 Hektar. Das sind knapp 51 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Die Hälfte dieser Fläche dient dem Anbau von Getreide und Futterpflanzen. „Die Landwirte arbeiten das ganze Jahr über“, sagte der Minister. „Beim Karschnatz sehen sie, was diese Anstrengung eingebracht hat.“ 

Die Bilanz der diesjährigen Ernte fällt durchwachsen aus. Weil die Getreideernte wegen des vielen Regens ständig unterbrochen werden musste, ist sie auch noch nicht vollständig abgeschlossen. Dennoch lassen sich Aussagen treffen.

 Starkregen im Juli 

Am Anfang des Jahres waren die Erwartungen sehr hoch, die Bestände kamen gut aus dem Winter. Das Wetter war gut und die Aussaat verlief ohne Probleme. „Ende Juni waren die Ertragserwartungen noch hoch“, sagte Klaus Palzkill, Direktoriumsmitglied von de Verband / Versis. „Es sah aus, als ob es ein Rekordjahr werden würde“, erklärte Romain Schneider. Dann kam der Juli. 

Der Starkregen hatte katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Auf einer Fläche von 820 Hektar wurden Kulturen beschädigt. „Die Auswirkungen des Unwetters haben einige Existenzen bedroht“, erklärt Schneider. Insgesamt seien die Schäden aber überschaubar gewesen, betonte der Minister. Er zeigte sich erfreut, dass bei den Unwettern keine Personen zu Schaden kamen. „Bis auf ein Nutztier sind keine weiteren Tiere an den Überschwemmungen verendet.“ 

  Katastrophenschutz   

Die Erfahrung aus dem Hochwasser zeige auch, welche Bedeutung die Landwirte für den Katastrophenschutz haben. „Bei den Überschwemmungen waren die Bauern mit ihren Traktoren im Einsatz, um die Rettungsdienste zu unterstützen“, sagte Romain Schneider. Nun gelte es, die Landwirte mit ihren Schäden nicht alleine zu lassen. 

Insgesamt 153 Anfragen für eine finanzielle Hilfe in einem Volumen von 1,7 Millionen Euro sind beim Landwirtschaftsministerium eingegangen. Diese betreffen nur die direkten Schäden des Unwetters, nicht die weiteren Auswirkungen für die Ernte. 

 Brotgetreide 

 Was das heimische Brotgetreide und die Mehlproduktion betrifft, sind Ertragsverluste von etwa zehn Prozent zu verzeichnen. Dennoch sei die Qualität zufriedenstellend. „Wir mussten nur fünf Lastwagenladungen ablehnen“, so Jean Muller, der Geschäftsführer der Mühle in Kleinbettingen. 

 Weniger optimistisch zeigten sich die Hersteller von Saatgut. „Die Qualität der Ernte ist wetterbedingt nicht besonders gut“, erklärte Steve Turmes, Direktor der Saatgutgenossenschaft LSG. Durch die feuchte Witterung sei der Krankheitsdruck groß gewesen und das Saatgut müsse zum Erhalt der Keimfähigkeit gebeizt werden. „Seit Langem wieder mussten wir das Getreide trocknen, ehe wir es weiterverarbeiten konnten.“ 

Die Verunkrautung verminderte auch die Qualität. Einer der Gründe ist wohl nicht nur das schlechte Wetter, sondern auch die Tatsache, dass das Unkrautmittel Glyphosat in Luxemburg verboten wurde.  „Wir mussten einige Chargen zweimal reinigen, um sie vom Unkraut zu befreien“, so Steve Turmes. Der Anteil der Lieferungen, die nicht als Saatgut zu verwenden waren und als Tierfutter endeten, sei in diesem Jahr besonders hoch gewesen. 

 Minderwertige Qualität 

Günter Mertes, der Geschäftsführer der Bauernkooperative Bako, die lokale Feldfrüchte zu Futtermittel weiterverarbeitet, wurde auch oft mit minderwertiger Qualität konfrontiert. „Die Frucht muss oft getrocknet und gereinigt werden“, sagte er. Zudem sei das Hektolitergewicht nicht besonders hoch. 

Klaus Palzkill wusste Erstaunliches über die Situation auf den internationalen Märkten zu berichten. Eine knappe Marktversorgung und eine größere Nachfrage haben die Getreidepreise auf dem Weltmarkt ansteigen lassen. „Trotz der Anfang des Jahres erwarteten Rekordernte sind die Preise weiter gestiegen“, so Palzkill. Das sei schon ungewöhnlich. 

Der Preis für 100 Kilo Weizen sei von 18 auf 25 Euro gestiegen, der für die gleiche Menge Raps von 38 Euro auf 57 Euro. „Eine solche Entwicklung habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, so Palzkill. Als Erklärung führte er mehrere Gründe an. „Die Brände in Russland und die Rekordhitze in Nordamerika haben zu Ernteausfällen und in der Folge zu steigenden Preisen geführt.“ 

Geringes Angebot und hohe Nachfrage

In normalen Jahren würde viel kanadischer Raps nach Europa geliefert werden. „In den USA ist die Nachfrage nach Pflanzenöl zur Biodieselherstellung in diesem Jahr besonders groß und der kanadische Raps wird in die USA geliefert.“ Nun fehlt er in Europa. 

Die Preisentwicklung habe dazu geführt, dass auch Futtermittel teurer wurden. „Landwirte, die Fleisch oder Milch herstellen, müssen das Kraftfutter teuer bezahlen“, erklärte Klaus Palzkill. Für Schweinebauern ist das ein Problem. „Wegen der hohen Futtermittelpreise und der niedrigen Fleischpreise ist die Schweinezucht in Luxemburg aktuell kein lukratives Geschäft.“ 

 Schweinebauern in Not 

Die hohen Erzeugerpreise können die schlechte Getreideernte nur teilweise kompensieren. „Die Landwirte stehen schlechter da als im vergangenen Jahr“, meinte Klaus Palzkill. Es gibt aber auch Lichtblicke: Zwei Getreidearten haben den verregneten Sommer besser überstanden als der Weizen. Hafer und Dinkel konnten durch verminderte Krankheitsanfälligkeit überzeugen, heißt es vonseiten des Landwirtschaftsministeriums. 

Der viele Regen hatte auch positive Auswirkungen. Das Gras, die Grundlage für die Herstellung von Heu, ist in diesem Jahr besonders gut gewachsen. Im vergangenen Jahr war dies wegen der andauernden Trockenheit nicht der Fall. 2021 konnten die Wiesen sogar mehrmals gemäht werden und die Heulager wieder aufgefüllt werden. Beim Futter- und Energiemais steht die Ernte indes noch an, sie findet in diesem Jahr viel später statt. Die Maispflanzen fanden gute Bedingungen vor und die Ernte sei vielversprechend, so Minister Romain Schneider.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Eine Ernte mit teils starken Ertragsverlusten und eine von der Corona-Krise überschattete Marktlage: Der Agrarsektor zog am Donnerstag in Colmar-Berg eine enttäuschende Bilanz der Getreidesaison.
Getreideerntebilanz
Das trockene Wetter der vergangenen Monate hat einen negativen Einfluss auf die Erträge der Getreideernte. Dennoch konnte bei der Winterernte eine durchgehend gute Qualität festgestellt werden.
Durchschnittliche Produktionskosten von 1 100 Euro pro Hektar stehen bei der Getreideernte Einnahmen von rund 700 Euro gegenüber.
In etwa zwei Wochen wird die Getreideernte wohl eingefahren sein. Eine erste Bilanz zeigt, dass die Qualität ganz zufriedenstellend sei. Mit der geernteten Menge sehe es dagegen anders aus.
Im Norden des Landes wird bis vermutlich Mitte des Monats noch emsig gedroschen.