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Landesverband protestiert: Widerstand beim Gleisabbau
Die Gleise der alten Bahnlinie Kleinbettingen-Steinfort werden abgebaut. Das schmeckt dem Landesverband nicht. Seine Mitglieder wollen heute vor Ort protestieren. Minister Bausch erklärt, warum hier eine Zugverbindung seines Erachtens nach keinen Sinn ergibt.

Landesverband protestiert: Widerstand beim Gleisabbau

Foto: Guy Jallay
Die Gleise der alten Bahnlinie Kleinbettingen-Steinfort werden abgebaut. Das schmeckt dem Landesverband nicht. Seine Mitglieder wollen heute vor Ort protestieren. Minister Bausch erklärt, warum hier eine Zugverbindung seines Erachtens nach keinen Sinn ergibt.
Lokales 3 Min. 24.10.2017

Landesverband protestiert: Widerstand beim Gleisabbau

Luc EWEN
Luc EWEN
Minister François Bausch erklärt, warum es sich nicht rechnet die Zugstrecke Kleinbettingen-Steinfort neu zu beleben.

von Luc Ewen

Er ist ein Überrest, ein stummer Zeuge der alten Attertlinie. Heute dient er als Abstellgleis. Gemeint ist der Gleisabschnitt, der ab dem Bahnhof Kleinbettingen Richtung Steinfort ins Nirgendwo führt. Besagte Attertlinie beförderte noch in den 1960er-Jahren Passagiere ins Eischtal und weiter, doch das ist lange her.

Da noch Gleise zwischen Steinfort und Kleinbettingen liegen, nutzte die Eisenbahngesellschaft CFL diese noch bis vor Kurzem zum Rangieren oder, wie bereits erwähnt, als Abstellgleis. Jetzt soll hier ein Radweg entstehen. Die noch vorhandene Eisenbahninfrastruktur brachte jedoch schon so manchen auf den Gedanken, die Linie könnte reaktiviert werden.

Dies um den „Park and Ride“-Parkplatz in Steinfort – derjenige, an dem das sogenannte „Containerdorf“ geplant ist – an die Zuglinie von Arlon (B) nach Luxemburg-Stadt anzubinden.

Würde die Linie reaktiviert, würde die Route d'Arlon entlastet, so die Gewerkschaftler. Der Minister sieht dies anders und will Parkplätze für Pendler an Hauptlinien statt innerorts entlang neuer Nebenlinien.
Würde die Linie reaktiviert, würde die Route d'Arlon entlastet, so die Gewerkschaftler. Der Minister sieht dies anders und will Parkplätze für Pendler an Hauptlinien statt innerorts entlang neuer Nebenlinien.
Foto: Lex Kleren

Schon im vergangenen Jahr hatte der Steinforter Bürgermeister Jean-Marie Wirth dem LW gesagt, entsprechende Studien seien von der CFL durchgeführt worden. Dabei habe sich allerdings herausgestellt, dass die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei. Dies bestätigt nun auch Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch  und erklärt, warum. „Niemand kann mir vorwerfen, dass ich das Eisenbahnnetz nicht ausbauen wollte, aber wenn wir das machen, dann so, dass es auch Sinn ergibt“, beginnt der Minister seine Ausführungen.

Es gebe viele solcher alten Gleisstränge, die als Stumpfgleis an den großen Linien dranhängen. Bausch erinnert an Diekirch, Düdelingen oder auch Bissen. In Düdelingen mache eine Zuganbindung Sinn, da es sich hier um eine der größten Städte des Landes handelt und dementsprechend Nachfrage besteht. Diekirch sei, auch wenn beschlossen ist, die Strecke aufrechtzuerhalten, schon grenzwertig, was das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen angeht. Steinfort dagegen mache einfach keinen Sinn.

Neue Zughaltestelle mit „Park and Ride“ in Windhof vorstellbar

Technisch gesehen gebe es laut Bausch zwei Möglichkeiten, wenn man die Linie nach Steinfort reaktivieren wollte. Entweder man schafft eine Direktverbindung mit der Hauptstadt. Gemeint ist solch eine, wie sie jetzt von Düdelingen aus durch eine Umsteigeverbindung ersetzt wird. Das sei aber technisch sehr schwierig und stünde im Gegensatz zu den aktuellen Bemühungen, einen stabilen Fahrplan mit wenig Verspätungen zu garantieren. Dies auch, weil dann noch mehr Züge aufeinander abgestimmt werden müssten.

Alternativ könnte auch ein Shuttlezug zwischen Steinfort und Kleinbettingen (ähnlich dem zwischen Esch/Alzette und Audun-le-Tiche) funktionieren. Dann müssten Nutzer des Steinforter „Park and Ride“ aber in Kleinbettingen umsteigen. „Da macht es weitaus mehr Sinn, wir schaffen Auffangparkplätze entlang der großen Linien, statt an den Stumpfgleisen“, so der Minister. Sonst müssten Grenzgänger ja bis in die Orte hineinfahren und würden dort noch mehr Verkehr verursachen.

Es sei sinnvoller, ab Steinfort Busverbindungen anzubieten. Bausch erinnert auch an die Pläne, Auffangparkplätze für Pendler im benachbarten Grenzgebiet und in Nähe von Windhof zu schaffen. Hier könnte eine neue Bahnhaltestelle an der Hauptlinie Brüssel - Luxemburg entstehen.

Eine andere Debatte, nämlich die über die Nutzung des Geländes am Auffangparkplatz in Steinfort für eine Auffangstruktur zugunsten von Flüchtlingen, ist gerade wieder aktuell geworden. Der gleiche Ort also, an dem die Zugverbindung enden würde. Dazu befragt, warum beide Debatten jetzt gleichzeitig aufgegriffen werden, meint der Minister, da gebe es wohl keinen Zusammenhang.

Vielmehr sehe die neue Führung des Landesverbands sich derzeit offenbar gezwungen, von sich reden zu machen. Da dränge sich die augenscheinlich sympathische Idee, die Bahnlinie wieder zum Leben zu erwecken, ja förmlich auf. Nur gebe die Idee einfach nichts her, was verkehrsplanerisch Sinn mache.

Landesverband hält Entscheidung für „verkehrspolitisch falsch“

Der Landesverband und die „Aktioun Öffentlechen Transport“ sehen dies anders. Für heute ist eine Protestaktion am Bahnhof von Kleinbettingen geplant. Gefordert wird, dass der Entschluss, die Gleise abzubauen, rückgängig gemacht wird.

Der Vorteil für Pendler sei laut Landesverband klar erkennbar, da sie so mit dem Zug bis zur neuen Haltestelle Kirchberg und dann dank der neuen Standseilbahn auf die Tram umsteigen könnten. Dies auch, weil durch die neue Umsteigeplattform an der Place de l'Etoile in Luxemburg die direkte Busverbindung nach Kirchberg infrage gestellt sei.  

Die Gewerkschaftler erhoffen sich von der neuen, alten Zugstrecke auch, dass die Anwohner der Route d'Arlon dann weniger Busverkehr ertragen müssten.

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