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Kurzer Auftritt für „Paten”
Lokales 2 Min. 25.10.2017 Aus unserem online-Archiv
„G33”-Prozess vor dem Berufungsgericht

Kurzer Auftritt für „Paten”

Der Prozess um das nigerianische Drogennetzwerk wird voraussichtlich bis Mitte November dauern.
„G33”-Prozess vor dem Berufungsgericht

Kurzer Auftritt für „Paten”

Der Prozess um das nigerianische Drogennetzwerk wird voraussichtlich bis Mitte November dauern.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 25.10.2017 Aus unserem online-Archiv
„G33”-Prozess vor dem Berufungsgericht

Kurzer Auftritt für „Paten”

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Nach knapp 10 Minuten konnte der mutmaßliche Drahtzieher des nigerianischen Drogennetzwerks wieder auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Richter wollten nichts mehr von ihm hören.

(str) - Joseph E., der mutmaßliche „Pate” des nigerianischen Drogennetzwerks aus dem „G33” in Wasserbillig, hatte am Montag kaum auf die Fragen des vorsitzenden Richters des Appellationshofes geantwortet. Joseph E. schweifte jedes Mal schnell ab, um sich seiner Selbstdarstellung als Wohltäter und Opfer von Polizei und Justiz zu widmen.

Am Mittwoch sollte sich das Gericht weiter mit Joseph E. befassen. Doch gleich zu Beginn der Sitzung stellte Richter Michel Reiffers klar, dass er keine weiteren Fragen an den Beschuldigten habe. Dieser könne nun auf Fragen der Anwälte antworten.

Der „Guantanamo-Block” in Schrassig

Und lediglich sein eigener Anwalt hatte Fragen zu stellen. Dabei ging es um Details aus dem Ermittlungsdossier, zu denen Joseph E. Präzisionen geben sollte. Doch auch hier holte der mutmaßliche „Pate” wieder weitaus. Er sprach beispielsweise davon, dass man ihn habe zwingen wollen, ein Geständnis zu unterzeichnen. Dass man ihn mit der Unterbringung in einem Verlies gedroht habe und er dann auch in den „Guantanamo-Block Echo” in Schrassig verfrachtet habe. 

Als er dann wieder auf seine Bücher zu sprechen kam, schnitt ihm der Richter kurzerhand ins Wort und meinte barsch: „Sie haben auf die Frage geantwortet. Nächste Frage bitte.” Knapp zehn Minuten nach dem Sitzungsauftakt hatte der Verteidiger von Joseph E. alle Fragen gestellt. Der Angeklagte wurde aufgefordert, wieder auf der Anklagebank Platz zu nehmen.

Streitpunkt: kriminelle Vereinigung

Im Anschluss begannen die Verteidiger der 21 Angeklagten mit ihren Plädoyers. Dabei zeigte sich schnell, dass die bisher zu Wort gekommenen Anwälte vor allem mit einem Punkt im Urteil nicht einverstanden sind: dem strafverschärfenden Tatumstand der kriminellen Vereinigung.

Unisono argumentierten die Verteidiger, dass es anhand der Lebensumstände der Drogendealer, der letztendlich geringen nachgewiesenen verkauften Drogenmengen und der fehlenden Gewinne deutlich sei, dass es diesen Männern nicht um  Bereicherung gegangen sei, sondern ums Überleben.

Zudem hätten die Dealer allesamt auf eigene Faust gearbeitet und seien nicht Teil eines Netzwerks mit einer klaren Hierarchie. Als Beweis führte einer der Verteidiger an, die Dealer hätten alle in den gleichen Straßen mit Drogen gehandelt und so wie es ihnen gerade gepasst hätte, mit nachweislich ganz unterschiedlichen Preisen und Waren von ebenso unterschiedlicher Qualität.

Andere Prozesse, andere Urteile

Ein anderer Verteidiger hob hervor, dass auch andere sogenannte „Streetboys”, die ebenfalls im „G33” übernachtet hätten und von der Polizei auf frischer Tat beim Drogenhandel erwischt wurden, zu wesentlich geringeren Strafen verurteilt worden seien. Obwohl sie das gleiche getan hätten, als die 18 in diesem Prozess angeklagten Straßenverkäufer, seien sie eben nicht als Mitglied einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen worden. Dabei müsse doch gleiches Recht für alle Menschen gelten.

Zudem bedauerten die Anwälte, dass das Gericht in erster Instanz global die Aussagen der Beschuldigten als unglaubwürdig abgestuft und die Plädoyers der Anwälte ignoriert hätte. Die Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft seien schlicht ins Urteil übernommen worden.

Ob die Berufungsrichter das ebenso sehen, bleibt abzuwarten. Der Prozess wird am Montag mit weiteren Plädoyers fortgesetzt.


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