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Kultur rückt bei "Esch 2022" in den Hintergrund
Damit die Partitur beim Kulturjahr 2022 stimmt, wird ein "Comité de suivi" eingesetzt, der sich um das Tagesgeschäft kümmern soll.

Kultur rückt bei "Esch 2022" in den Hintergrund

Foto: Lucien Wolff
Damit die Partitur beim Kulturjahr 2022 stimmt, wird ein "Comité de suivi" eingesetzt, der sich um das Tagesgeschäft kümmern soll.
Lokales 4 Min. 29.03.2018

Kultur rückt bei "Esch 2022" in den Hintergrund

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Als am Mittwoch das Kandidaturschreiben von „Esch 2022“ von den Koordinatoren Janina Strötgen und Andreas Wagner vorgestellt wurde, ging es nur am Rande um Kultur. Diese stand im Schatten der Kritik des Escher Bürgermeisters Georges Mischo an Strötgen und Wagner.

Eigentlich hätte die Kultur im Vordergrund der Informationsversammlung vom Mittwochabend im Escher Theater stehen müssen. Doch nach der harschen Kritik des Escher Bürgermeisters Georges Mischo in einem „Tageblatt“-Interview an die zwei Koordinatoren, Janina Strötgen und Andreas Wagner, war diese in den Hintergrund geraten.

Im Zeitungsartikel hatte Mischo, der auch Präsident der Vereinigung „Esch 2022“ ist, in Bezug auf die zwei Koordinatoren gesagt, er komme sich manchmal vor, als müsse er mit „Schülern“ sprechen. Er hatte auch auf ein „fünfstelliges Defizit“ aus dem Jahr 2017 hingewiesen.


Georges Mischo in Esch/Alzette.
Mischo mit Kritik an "Esch 2022"-Koordinatoren
Der Escher Bürgermeister Georges Mischo vergleicht im Tageblatt-Interview die beiden "Esch 2022"-Koordinatoren mit "Schülern", denen alles gesagt werden müsse. Dies im Vorfeld einer großen Informationsversammlung die am Mittwochabend in Esch stattfinden soll.

Rückendeckung für die Koordinatoren

Während der Informationsversammlung sagte Georges Mischo zu diesen Vorwürfen, dass zuvor mit den Koordinatoren ausdiskutiert wurde. Die beiden Bürgermeister Roberto Traversini (Differdingen) und Dan Biancalana (Düdelingen), beide ebenfalls Mitglieder bei „Esch 2022“, stärkten ihrerseits aber den zwei Koordinatoren den Rücken öffentlich, womit sie Applaus im Theatersaal ernteten.

Zuvor hatten Janina Strötgen und Andreas Wagner die Projekte vorgestellt, die im Bidbook, dem Kandidaturschreiben für das Kulturjahr, angeführt werden (das Bidbook kann im  Internet nachgelesen werden).

Diese reichen von einem internationalen Theaterfestival über ein Kunstprojekt in einer Mine in Lasauvage bis hin zu einem Filmprojekt. Erhoffen tun sich Andreas Wagner und Janina Strötgen, auf Industriegebäude, wie die Gebläsehalle in Belval, zurückgreifen zu können.

Gründung einer Kunsthochschule angestrebt


Klarheit schaffen
Die heftige Kritik des Escher Bürgermeisters Georges Mischo an den beiden Koordinatoren von "Esch 2022" hat so manchen überrascht. Nun muss Klarheit in der Angelegenheit geschaffen werden.

Als langfristige Vision stehe die Gründung einer Kunsthochschule im Süden des Landes, so Wagner. Das Konzept, auf dem das Kulturjahr fuße, ist das des „Remix“. Im Süden befinde sich eine große Menge an verschiedenen Kulturen, dies in einer Epoche des Wandels.

„Wo, wenn nicht im Süden, ist es möglich, Antworten auf brennende europäische Fragen zu bekommen?“, erklärte Janina Strötgen die europäische Komponente des Projektes. Auch ging sie kurz auf die Thematik ein, die für jede Gemeinde ausgewählt wurde.

Skepsis aus Kayl

Eine Programmvorstellung, die ihn nicht vom Hocker riss, meinte danach der Kayler Gemeinderat Romain Becker (DP). Es brauche Konkreteres, um auch die Einwohner vom Kulturjahr zu überzeugen, sagte er.

Roberto Traversini versicherte, dass noch Hunderte Projekte dazu kämen. „Wenn es dich jetzt nicht vom Hocker reißt, dann liegst du spätestens 2022 unter dem Tisch“, sagte er an die Adresse von Romain Becker.

Welche Rolle für ProSud?

Auch stellte Becker die Frage, welche Rolle das Gemeindesyndikat ProSud bei „Esch 2022“ spielen werde, das er als „Gespenst“ bezeichnete. Bekanntlich ist in Kayl die Diskussion um einen Austritt aus dem Gemeindesyndikat neu entflammt. Darauf antwortete Roberto Traversini, der seit kurzem auch ProSud-Präsident ist, dass das Syndikat sich aus „Esch 2022“ etwas heraushalten wird.

Dies, um zu verhindern, Energien doppelt einzusetzen, und weil die Verantwortung für das Kulturjahr bei der Vereinigung „Esch 2022“ liegt.

 Ungewissheit für Koordinatoren

Die Frage des Escher Ratsmitglieds, Marc Baum (Déi Lénk), wie es weiter um Janina Strötgen und Andreas Wagner bestellt sei, blieb aber offen. Beide haben einen Vertrag bis Ende Juni. Georges Mischo erklärte, dass der Verwaltungsrat von „Esch 2022“ darüber befinden müsse, ob ihr Auftrag verlängert wird. Notfalls durch eine Abstimmung. Wann diese stattfinden könnte, wurde nicht mitgeteilt.


Janina Stroetgen
et Andreas Wagner 
sont à l'œuvre.
Unterstützung für Strötgen und Wagner
Nachdem die beiden Koordinatoren für "Esch 2022" stark von Georges Mischo kritisiert worden waren, haben sich am Mittwochabend der Differdinger und der Düdelinger Bürgermeister für eine weitere Zusammenarbeit ausgesprochen.

Roberto Traversini und Dan Biancalana bekundeten, wie erwähnt, ihre Unterstützung für das Duo Strötgen-Wagner.

Doch zählt die Vereinigung 20 Mitglieder. Darunter sechs Vertreter von Ministerien und fünf Gemeindepolitiker aus dem Süden. Sechs, wenn man den Generalkoordinator des Kulturjahres 2007, Robert Garcia, dazurechnet. Er wurde als Vertreter der zivilen Gesellschaft in die Vereinigung aufgenommen, wurde im Oktober aber auch im Gemeinderat von Düdelingen für Déi Gréng gewählt.

Neben drei weiteren Vertretern der Zivilgesellschaft sind auch zwei Repräsentanten aus Frankreich sowie ein Vertreter jeweils für die Universität und ArcelorMittal mit im Boot. Schließlich ist noch der Leiter der Escher Kulturdienststelle Mitglied von „Esch 2022“.

Wahlausgang schwer voraussehbar

Angesichts dieser bunt gefärbten Zusammensetzung ist es schwer voraussehbar, wie eine eventuelle Abstimmung über die Koordinatoren ausfallen könnte. Georges Mischo versicherte jedenfalls, dass er die Entscheidung der Vereinigung respektieren werde. „Ich habe nie gesagt, dass die Verträge der Koordinatoren nicht verlängert werden sollen“, betonte er.

Aber, als Kammerpräsident und „Esch 2022 Ambassadeur“ Mars Di Bartolomeo (LSAP) während der Informationsversammlung Georges Mischo fragte, wie er zu einer Vertragsverlängerung von Strötgen und Wagner stehe, antwortete der Escher Bürgermeister nicht.

"Comité de suivi" soll sich um Tagesgeschäft kümmern

In diesem Zusammenhang kritisierte die Escher Rätin Line Wies (Déi Lénk), dass zu wenige Kulturschaffende in der Vereinigung vertreten seien. Darauf antwortete Roberto Traversini, dass es nicht Aufgabe der Vereinigung sei, die Projekte umzusetzen. Dafür würden Arbeitsgruppen eingesetzt. Die Vereinigung trage aber die politische Verantwortung. Eingangs hatte Georges Mischo noch erklärt, dass die Vereinigung eine Arbeitsgruppe „ad hoc“ ins Leben gerufen habe, die sich um das Finanzielle und das Administrative kümmern soll.

Aus dieser Gruppe soll später ein „Comité de suivi“ werden, das sich um das Tagesgeschäft kümmern wird. „Esch 2022 wird nicht vermasselt“, betonte Georges Mischo noch. „Hier zweifelt keiner an dem Projekt“.


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