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Künstler Tun Tonnar wegen Beleidigung vor Gericht
Lokales 2 Min. 28.03.2019

Künstler Tun Tonnar wegen Beleidigung vor Gericht

Das Urteil ergeht am 8. Mai.

Künstler Tun Tonnar wegen Beleidigung vor Gericht

Das Urteil ergeht am 8. Mai.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 28.03.2019

Künstler Tun Tonnar wegen Beleidigung vor Gericht

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Der Musiker und Sohn des Künstlers Serge Tonnar musste sich am Donnerstag wegen eines seiner Lieder vor Gericht verantworten.

Rap-Musiker gelten nicht gerade als zimperlich. In ihren Liedern geben sie gerne an, beleidigen andere und fluchen, was das Zeug hält – alles im Namen der Kunst. Das kann einem gefallen, muss es aber nicht. Es bleibt eben eine Frage des Geschmacks.

Joe Thein, der Parteipräsident von Déi Konservativ, Fred Keup, ADR-Kandidat bei den Kammerwahlen 2018 und führendes Mitglied der Vereinigung Nee2015/Wee2050 und der mehrfach wegen fremdenfeindlicher Äußerungen und Aufrufs zum Hass verurteilte Dan Schmitz sehen das allerdings anders – zumindest, was ein Lied aus der Feder von Tun Tonnar betrifft. 

Denn ihnen ist das Werk „FCK LXB“ (ausgesprochen: Féck Lëtzebuerg) des jungen Mannes, der unter dem Künstlernamen Turnup Tun auftritt, ein Dorn im Auge. In dem Lied, das vier Tage vor den Parlamentswahlen im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, finden sie nämlich jeweils namentlich mit dem vorangestellten Imperativ „Féck den ...“ Erwähnung.

Mit Kunstfreiheit hat das nichts zu tun – finden zumindest die Genannten und reichten eine Klage ein. Am Donnerstag musste Tun Tonnar sich nun in drei Fällen wegen Beleidigung verantworten. Zahlreiche, hauptsächlich junge Zuschauer kamen zum Prozess, um ihn zu unterstützen.

Ein Lied gegen Rassismus

Tun Tonnar, der Sohn des Künstlers Serge Tonnar, war sich keiner Schuld bewusst. Er habe mit seinem Lied niemanden beleidigen wollen. Es handele sich um ein Kunstwerk, mit dem er auf rassistische Tendenzen in Luxemburg aufmerksam machen wollte, die sich hauptsächlich im Internet zeigen würden. Die politischen Werte von Dan Schmitz, Joe Thein und Fred Keup würden eben für jene Probleme stehen, beziehungsweise Menschen mit fremdenfeindlichen Überzeugungen anziehen. 

Demnach habe er sie auch nicht als Privatperson beleidigen, sondern sich nur von ihren politischen Ideen distanzieren wollen. Zudem sei jener Imperativ zwar vielleicht etwas roh, im jugendlichen Sprachgebrauch aber geläufig und längst keine heftige Beleidigung mehr. Der Ausdruck sei eher mit einem „Klibber mech“ gleichzusetzen. 

Tonnars Anwalt betonte indes, dass ein harter Sprachgebrauch in der Rap-Musik durchaus üblich ist und somit einen kulturellen Hintergrund hat. Das Verb komme zudem 33 Mal im Lied vor und sei somit als Stilmittel zu verstehen. 

Anklage fordert Geldstrafe

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zeigte sich von diesen Ausführungen wenig überzeugt. Sie sah die Tatvorwürfe als gegeben an und forderte eine Geldstrafe von 1.500 Euro. Man könne nicht Respekt und Toleranz predigen und dann selbst andere Personen beleidigen.

Dan Schmitz, Freud Keup und Joe Thein traten indes als Zivilkläger auf. Sie fühlten sich durch das Lied klar geschädigt. Keup und Thein forderten deshalb ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro, Schmitz von 10.000.

Das Urteil ergeht am 8. Mai.


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