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Französischer Tankrabatt könnte Luxemburg schmerzen
Lokales 3 Min. 28.07.2022
Treibstoffpreise

Französischer Tankrabatt könnte Luxemburg schmerzen

Kunden französischer Tankstellen profitieren ab dem 1. September von zusätzlichen Hilfen.
Treibstoffpreise

Französischer Tankrabatt könnte Luxemburg schmerzen

Kunden französischer Tankstellen profitieren ab dem 1. September von zusätzlichen Hilfen.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Lokales 3 Min. 28.07.2022
Treibstoffpreise

Französischer Tankrabatt könnte Luxemburg schmerzen

Pascal MITTELBERGER
Pascal MITTELBERGER
Ab September gewährt Frankreich eine Tanksubvention von 30 Cent. TotalEnergies legt sogar noch einen drauf – aber nicht in Luxemburg.

1,50 Euro pro Liter Benzin: Der Preis, der 2018 in Frankreich für großen Unmut sorgte und die Gründung der „Gilets jaunes“-Bewegung zur Folge hatte, wird heute von vielen Einwohnern des Hexagons wie eine Erlösung empfunden. Denn genau dieser Preis könnte ab dem 1. September an den Zapfsäulen der Tankstellen in Frankreich stehen.

Als die französischen Abgeordneten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch den zweiten Teil der Maßnahmen zur Stützung der Kaufkraft verabschiedeten, bestätigten sie einen Rabatt von 30 Cent pro Liter Kraftstoff im September und Oktober sowie 10 Cent im November und Dezember. Dieser staatliche Rabatt liegt derzeit und bis zum 31. August bei 18 Cent.

Bis zu 50 Cent an bestimmten Tankstellen

Diese Unterstützung wird im Herbst an TotalEnergies-Tankstellen sogar bis zu 50 Cent betragen. Der französische Ölkonzern, der gerade Rekordgewinne für das erste Halbjahr 2022 angekündigt hat, will seinen Kunden zwischen dem 1. September und dem 1. November einen Rabatt von 20 Cent gewähren. Zu diesem Rabatt kommen zusätzlich die 30 Cent der staatlichen Maßnahmen zur Förderung der Kaufkraft hinzu. Frankreich könnte sich im September und Oktober also als neues Eldorado für Verkehrsteilnehmer erweisen – das dürfte auch in der Großregion Folgen haben.

In Luxemburg beläuft sich die staatliche Rückerstattung nämlich auf 7,5 Cent. Sie wurde gerade um einen Monat bis zum 31. August verlängert. In Belgien beträgt die Beihilfe bis zum Jahresende 17,5 Cent. Dort wird allerdings ein Sperrklinkeneffekt greifen, sobald die Preise wieder auf 1,70 Euro pro Liter sinken. Das heißt, der Verbrauchsteuersatz wird wieder schrittweise angehoben, wenn der Preis die angegebene Marke von 1,70 Euro pro Liter erreicht. 

In Deutschland schließlich beträgt der Satz 30 Cent auf einen Liter Super-95 und Super-98 sowie 14 Cent auf einen Liter Diesel. Diese Steuer trat am 1. Juni in Kraft und ist derzeit nicht befristet.

In Luxemburg, wo die Einnahmen aus dem Tanktourismus seit dem Beginn des Jahres und dem Anstieg der Kraftstoffpreise erheblich geschrumpft sind, löst die Ankündigung der neuen französischen Staatshilfe Angstschweiß aus. 

„Es ist ein ähnlicher Rückgang der Verkaufsmengen zu befürchten, wie wir ihn in den vergangenen Monaten an der französischen Grenze und an der deutschen Grenze gesehen haben. Im Mai und Juni sind die Mengen dort um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen“, erklärte Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des luxemburgischen Groupement Pétrolier, gegenüber L'essentiel. Er befürchtet sogar die Schließung von Tankstellen.

TotalEnergies in Frankreich großzügig, in Luxemburg nicht

Ein weiterer schwerer Schlag für das Großherzogtum: Der von TotalEnergies versprochene Rabatt soll nur an den Tankstellen des Konzerns in Frankreich, nicht aber in Luxemburg gewährt werden.


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Auf politischer Seite sorgt diese Nachricht aus Frankreich und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die luxemburgische Wirtschaft zwangsläufig für Reaktionen. Gilles Roth, Ko-Vorsitzender der CSV-Fraktion in der Chamber, fordert, dass der Kraftstoffrabatt von 7,5 Cent bereits jetzt über den 31. August hinaus verlängert wird. „Was für 60 Millionen Franzosen möglich ist, muss auch für 650.000 Luxemburger möglich sein“, sagt er im Radiosender 100,7, der auch die Äußerungen anderer Oppositionsparteien aufgegriffen hat.

So fordert die ADR als glühende Verfechterin des Tanktourismus einen noch niedrigeren Verbrauchsteuersatz, damit die luxemburgischen Tankstellen attraktiv bleiben. Die Piratenpartei und Déi Gréng hingegen äußern sich zurückhaltend oder sprechen sich sogar gegen das Prinzip dieser Beihilfen an der Zapfsäule an sich aus.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf wort.lu/fr

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