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Kripo bleibt auch nach der Reform in der Sackgasse
Die Kriminalpolizisten fühlen sich von Polizeiführung und Politik im Stich gelassen.

Kripo bleibt auch nach der Reform in der Sackgasse

Foto: Marc Wilwert / LW-Archiv
Die Kriminalpolizisten fühlen sich von Polizeiführung und Politik im Stich gelassen.
Lokales 14.06.2019

Kripo bleibt auch nach der Reform in der Sackgasse

Zehn Monate nach Inkrafttreten der Polizeireform prangert die Personalvertretung der Kriminalbeamten einen folgenreichen Irrweg von Polizeiführung und Politik an.

(str) - Die Polizeireform hat keines der Probleme bei der Kriminalpolizei gelöst, denn bei der Reorganisation wurden lediglich einige Abteilungen zusammengelegt. Das stellt die Association du personnel de la police judiciaire (APPJ) zehn Monate nach der Reform bei ihrer alljährlichen Generalversammlung fest.


Die Kripo ist mit einem Exodus von erfahrenen Beamten konfrontiert. Doch die Politik setzt dem nur eine Scheinlösung entgegen.
Schwach, schwächer, Kripo
Dass die Kriminalpolizei die bestmögliche Ermittlungsarbeit abliefert, gilt als selbstverständlich. Doch warum verweigert man ihr dann die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen? Eine Frage, die für Kriminalbeamte trotz Polizeireform noch immer unbeantwortet bleibt.

Im Gegenteil: Der Versuch der Polizeidirektion, die sichtbare Präsenz in Uniform zu stärken, habe die Kriminalpolizei weiter geschwächt. Der Wechsel aus der Police administrative zur Police judiciaire werde nicht nur erschwert, sondern gar von der Direktion unterbunden – mit schwerwiegenden Folgen für den Personalbestand der Kripo, so die APPJ.

Rekrutierung ohne Ausbildung

Da die Kriminalpolizei nun der Zunahme von bedeutenden Kriminalermittlungen nicht mehr gewachsen ist, habe der Ressortminister entschieden, schnellstmöglich eine bestimmte Zahl von Ermittlern extern zu rekrutieren – ohne, dass diese neuen Ermittler eine Polizeiausbildung absolvieren müssten.

Ein Vorgehen, das laut APPJ Fragen in Bezug auf deren Kompetenzen, Befugnisse, Verantwortung und Einstellung als Beamte der oberen Staatslaufbahn aufwerfe. Die bisherigen Ermittler würden nämlich fast ausnahmslos der Inspektorenlaufbahn entstammen, hätten eine Polizeiausbildung absolviert und würden auch dementsprechende Berufserfahrung mit sich bringen.


Neuer Wind,
 aber gleiche 
harte Linie: Tanja Zwanck und Sacha Georges leiten 
seit vergangenem Monat die 
Geschicke der 
Polizeigewerkschaft APPJ.
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Der Artikel 59 aus dem Gesetzestext zur Polizeireform verfolgt nur ein einziges Ziel: die „Police judiciaire“ zu schwächen. Davon ist die neu gewählte Spitze der Polizeigewerkschaft „Association du personnel de la police judiciaire“ überzeugt.

Die Betreuung dieser neuen Rekruten und deren Aktionsradius seien bei dieser Entscheidung nicht in Betracht gezogen worden.

Eine externe Rekrutierung stelle man nicht in Frage, hält die Personalvertretung der Kripo-Beamten fest, allerdings nach richtigen Modalitäten und Bedingungen. Dazu gehöre auch die Einführung einer Kripo-Sektion in der Polizeischule, bei der die Polizeianwärter bereits von Beginn ihrer Ausbildung an auf ihre spätere Arbeit als Ermittler vorbereitet würden.

Niveau nicht weiter senken

Die Aufnahmekriterien zur Polizeischule weiter zu lockern, sei hingegen kontraproduktiv. Ein höheres Bildungsniveau sei für die der heutigen Zeit entsprechenden Herausforderungen an die Ermittler unabdingbar.

Die APPJ, die sich sowohl von der Polizeiführung als auch von der Politik im Stich gelassen fühlt, hofft nun, gemeinsam mit Ressortminister François Bausch eine Lösung für die Probleme der Kriminalpolizei zu finden.


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