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Kreditkartendiebstahl: Nur ein Blick über die Schulter
Shouldersurfing: Die Täter blickten ihren Opfern bei der Eingabe des PIN-Codes über die Schulter.

Kreditkartendiebstahl: Nur ein Blick über die Schulter

Foto: Lex Kleren
Shouldersurfing: Die Täter blickten ihren Opfern bei der Eingabe des PIN-Codes über die Schulter.
Lokales 16.01.2019

Kreditkartendiebstahl: Nur ein Blick über die Schulter

Steve REMESCH
Steve REMESCH
25 Fälle von Kreditkartendiebstahl, vorrangig in hauptstädtischen Bars, werden vier Männern vorgeworfen, die sich nun vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten müssen. Sie sollen mehr als 33.000 Euro erbeutet haben.

„Es ist klar, dass die Dunkelziffer um vieles höher liegt“, unterstrich der leitende Ermittler am Mittwoch gleich mehrfach zum Prozessauftakt in einem Verfahren um eine Serie von Kreditkartendiebstählen. „Wir bringen aber nur jene 25 Fälle vor, in denen wir handfeste belastende Elemente gegen die vier Angeklagten haben.“

Den vier Männern algerischer Herkunft wird vorgeworfen, in den Jahren 2016 und 2017 zunächst nur in ein und derselben Bar in der hauptstädtischen Rue de la Loge Kunden beim Bezahlen an der Theke über die Schulter geblickt zu haben – mit dem Ziel den PIN-Code der Bank- oder Kreditkarte auszuspähen.

"Shouldersurfing"

Im Polizeijargon wird dieses Vorgehen "Shouldersurfing" genannt. Gleich im Anschluss sollen die Beschuldigten dann die Kreditkarte gestohlen haben, um damit schnell möglichst viel Geld abzuheben.

In 25 Fällen, in denen die teils geständigen Täter beim Geldabheben oder bei der Zahlung von Überwachungskameras erfasst und dem Ermittler zufolge eindeutig identifiziert wurden, erbeuteten sie so eine Summe von insgesamt 33.627 Euro.

In allen Fällen, die im Prozess verhandelt werden, gelang es ihnen, jeweils hohe Geldsummen zu erbeuten – zwischen 500 und 3.850 Euro pro Diebstahl.

Akribische Ermittlungsarbeit

Um der Bande auf die Spur zu kommen, werteten die Ermittler in akribischer Kleinstarbeit eine Unmenge von Überwachungsbildern und Kreditkartendaten aus. Dann zeichnete sich aber zügig ein Schema ab. Die Täter trugen etwa, um eine Identifizierung zu erschweren, stets dieselbe auffällige schwarze Brille beim Geldabheben und tauschten ebenso wiederholt die gleichen Pullover, Jacken und Kopfbedeckungen – sodass die Zusammenhänge irgendwann offensichtlich wurden.

Zudem hatte sich nach einer Facebook-Fahndung der Polizei im Jahr 2017 auch ein Zeuge gemeldet, der die Männer auf Geldautomatenfotos identifizieren konnte.

Organisierte Kriminalität

Zweier mutmaßlicher Tatbeteiligter konnte die Polizei aber bislang nicht habhaft werden. Laut Auskunft der französischen Polizei gehört allerdings einer von diesen Männern einer großen algerischen Täterbande an, die der internationalen organisierten Kriminalität zugerechnet wird – und eben auch auf Kreditkartendiebstahl spezialisiert ist.

Der Prozess wird am Donnerstagnachmittag fortgesetzt.