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Krebs bei Kindern: 27 neue Patienten im Jahr 2019
Lokales 7 4 Min. 11.02.2020

Krebs bei Kindern: 27 neue Patienten im Jahr 2019

An einer Wand am Haupteingang der Stiftung Kriibskrank Kanner in Strassen sind Bilder des Maskottchen Poldi zu finden.

Krebs bei Kindern: 27 neue Patienten im Jahr 2019

An einer Wand am Haupteingang der Stiftung Kriibskrank Kanner in Strassen sind Bilder des Maskottchen Poldi zu finden.
Chris Karaba
Lokales 7 4 Min. 11.02.2020

Krebs bei Kindern: 27 neue Patienten im Jahr 2019

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Wie die Fondatioun Kriibskrank Kanner am Dienstag mitteilte, gab es im vergangenen Jahr 27 neue Krebsdiagnosen bei Kindern - 18 davon sind Luxemburger, neun Minderjährige kommen aus der Großregion.

"Jede neue Diagnose ist eine Diagnose zu viel. Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, stellt dies das komplette Leben einer Familie auf den Kopf. Unsere Stiftung ist hier, um betroffene Familien in ihrem schweren Alltag zu unterstützen", versichert Anne Goeres, Leiterin der Fondatioun Kriibskrank Kanner, einer Stiftung, die zu 100 Prozent von privaten Spenden finanziert wird.


Diagnose Krebs: Wie erzähle ich es meinen Kindern?
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Seit 31 Jahren setzt sich die Luxemburger Kinderkrebsstiftung für Betroffene ein. "Und es hat sich viel verändert seither. Unser Team ist größer geworden: Heute besteht es aus 19 Mitarbeitern, eingeteilt in zwei Bereiche - Verwaltung und Soziales. Wir haben mehr Therapeuten - insgesamt zwei Psychologen, einen Neuropsychologen, einen Sozialarbeiter, zwei Sozialpädagogen und einen Kunsttherapeuten", erklärt Veerle Dierick, Leiterin des Verwaltungsbereichs.

Mehr als 200 Familien unterstützt

Und ein solches Team ist denn auch nötig, um alle betroffenen Kinder sowie deren Angehörigen zu betreuen: Insgesamt 225 Familien - 136 davon aus Luxemburg, 19 aus Belgien, fünf aus Deutschland und 65 aus Frankreich - wurden laut Anne Goeres im Jahr 2019 von der Stiftung unterstützt


Lokales, Zwillinge mit seltener Krankheit Temoignage vun der famill, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
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"Uns geht es an allererster Stelle darum, die Eltern finanziell zu entlasten: Arzt- und Medizinkosten sowie Krankenhausaufenthalte können sehr teuer werden. Auf einen Schlag können den Familien Rechnungen von bis zu 15.000 Euro oder mehr vorgelegt werden. Indem wir diese übernehmen, ohne, dass die Familie vorauszahlen muss, nehmen wir ihnen eine große Last von den Schultern ab", meint die Leiterin der Stiftung. 

Anne Goeres, Leiterin der Stiftung Kriibskrank Kanner.
Anne Goeres, Leiterin der Stiftung Kriibskrank Kanner.
Foto: Chris Karaba

Von den 225 betreuten Minderjährigen waren 82 Prozent, also 184 Kinder, an Krebs erkrankt; 2018 waren es noch 165. Die restlichen Kinder (41) leiden an einer seltenen Krankheit, die tödlich enden kann. Laut Anne Goeres gab es im Jahr 2019 insgesamt 27 neue Fälle von Kinderkrebs (18 Luxemburger und neun Betroffene aus der Großregion). Europaweit sind es geschätzt 35.000 neue Fälle im Jahr. Fünf Kinder aus Luxemburg und drei aus den Nachbarländern erhielten 2019 die Diagnose einer seltenen Krankheit. Zu bedauern seien aber vor allem die zwei Todesfälle im vergangenen Jahr, so Goeres. 

"Zwar ist die Forschung schon weit vorangeschritten und Kinderkrebs-Experten zufolge zu circa 90 Prozent heilbar, dennoch sterben jährlich europaweit noch bis zu 6.000 Kinder an den Folgen der Erkrankung. Das ist, als würden täglich zwei Schulbusse crashen, ohne dass es Überlebende gibt. Eine grausame Vorstellung", sagt die Anne Goeres und betont, dass es auch weiterhin wichtig sei, die Wissenschaft im Bereich der Krebsforschung zu unterstützen. 

Spenden sammeln und investieren

Um auch künftig die Forschungen in Sachen Kinderkrebs voranzutreiben, hat sich die Fondatioun Kriibskrank Kanner mit der Stiftung Imagine for Margo aus Paris und Kick Cancer aus Belgien zusammengetan. "Gemeinsam haben wir einen Appel à projets für die Kinderkrebs-Forschung lanciert. Im Mai entscheidet eine Jury, welche Projekte den größten Wert und somit den meisten Einfluss auf die Gesundheit der kleinen Patienten haben. Diese Forschungsprojekte werden dann von uns finanziell unterstützt", so Anne Goeres. 


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Das Geld für Forschung nimmt die Stiftung, die zu 100 Prozent aus Privatspenden finanziert wird, aus ihrer Kasse."Rund zwei Millionen Euro werden der Fondatioun jedes Jahr gespendet. Davon fließt fast eine Million Euro in die Behandlung der erkrankten Kinder. Nur ein sehr geringer Prozentsatz des Geldes wird für die Verwaltung des Personals und der Stiftung genutzt. Den Rest investieren wir in die Forschung", meint Anne Goeres. 

Sie erklärt, dass Aktionen wie der "Lëtz Go Gold"-Lauf, der am 26. September 2020 zum dritten Mal stattfinden wird, sehr wichtig sind, um weitere Spenden zu sammeln. "Wir erhoffen uns, dass der solidarische Lauf in diesem Jahr circa 300.000 Euro einbringt. Denn jeder Läufer, außer Minderjährige oder Studenten, - und wir rechnen mit circa 1.000 Teilnehmern - muss mindestens 200 Euro Spendengeld mitbringen, um am Rennen teilzunehmen", erklärt   Veerle Dierick.

Neue Räumlichkeiten

Seit vergangenem Sommer, also pünktlich zum 30. Jubiläum der Stiftung,  ist das Team der Fondatioun Kriibskrank Kanner nach mehreren Monaten Umbauarbeiten zurück in die frisch renovierten Räumlichkeiten des Hauses Nummer 168 an der Rue des Romains in Strassen gezogen. 



Fondatioun Kriibskrank Kanner: Zum Geburtstag ein neues Logo
Die Fondatioun Kriibskrank Kanner feiert ihr 30. Jubiläum und freut sich gleich über zwei große Veränderungen: den Umbau ihres Sitzes in Strassen und die Einführung eines neuen, offiziellen Logos.

"Der Umbau des Sitzes der Stiftung dauerte bis Ende Juni und wurde von der Fondation André et Henriette Losch finanziert. Bis dahin mussten einige von uns  vorübergehend umziehen. Nun sind unsere Büros, Therapie- und Beratungssäle wieder unter einem Dach vereint. Die Architekten haben eine hervorragende Leistung vollbracht. Das Innere des Gebäudes wurde so umstrukturiert, dass wir nun mehr Platz zum Arbeiten und die betreuten Kinder und Familien mehr Privatsphäre haben", erklärt Anne Goeres. 

Im zweiten Stock gibt es nun eine große Küche, in der die Kinder speisen können. Bunte und kindgerecht dekorierte Zimmer im ersten Stock dienen als Beratungs-, Therapie- und Aktivitätsräume. Am Eingang vorbei im Erdgeschoss befinden sich nun die Open-Space-Büros der Mitarbeiter der Stiftung. 


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