Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kreativfabrik dehnt sich aus
Lokales 5 5 Min. 30.09.2018

Kreativfabrik dehnt sich aus

Kreative Köpfe gibt es in der Kreativfabrik 1535° im Überfluss.

Kreativfabrik dehnt sich aus

Kreative Köpfe gibt es in der Kreativfabrik 1535° im Überfluss.
Foto: Alain Piron
Lokales 5 5 Min. 30.09.2018

Kreativfabrik dehnt sich aus

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
In Differdingen folgt auf A nicht B, sondern C. Zumindest, was die Inbetriebnahme der früheren Werkshallen auf dem Gelände der Kreativfabrik 1535° anbelangt. Das Gebäude C, das morgen eingeweiht wird, ist bereits gut gefüllt. Auch ein Tonstudio findet man dort vor.

„Wir sind vor drei Wochen eingezogen“, erzählt Damiano Picci von der Firma Sonic Invasion. Hinter ihm stehen ein riesiges Mischpult und mehrere Bildschirme. Mit seinen drei Partnern hat er eine der zahlreichen Arbeitszellen im Gebäude C der Differdinger Kreativfabrik kurzerhand zu einem kleinen Musikstudio umfunktioniert. Inklusive Teppich und Kunststoffzellen im Deckenbereich.

Die Mitarbeiter von Sonic Invasion haben kurzerhand ein Musikstudio in ihrem Büro in der Kreativfabrik 
aufgebaut.
Die Mitarbeiter von Sonic Invasion haben kurzerhand ein Musikstudio in ihrem Büro in der Kreativfabrik 
aufgebaut.
Foto: Alain Piron

„Wir arbeiten mit luxemburgischen Künstlern zusammen“, erklärt er. „Wir wollten einen Ort, wo Leute verstehen, was wir tun“. Sprich, wo es nicht nur rein um Produktion gehe, sondern, wo auch Kunst mit Technik verbunden werden könne. „Die Kreativfabrik hatte alle diese Eigenschaften“. Und da noch keine ähnliche Firma im 1535° ansässig war, erhielten die vier Partner den Zuschlag für die Miete.

Wo Innenarchitekt auf Animationsspezialist trifft

In den Gängen der früheren Werkshalle können sie Do Demuth antreffen. Die Innenarchitektin arbeitet nun seit etwa einem Jahr im gleichen Stockwerk. „Vorher arbeitete ich zu Hause, aber dort fiel mir die Decke auf dem Kopf“, erzählt sie. Ein Arbeitskollege, der in der Kreativfabrik arbeitet, habe ihr davon erzählt. Nun teilt sie hier ihr Büro mit einer anderen Architektin.

Innenarchitektin Do Demuth arbeitet seit etwa einem Jahr in der Kreativfabrik.
Innenarchitektin Do Demuth arbeitet seit etwa einem Jahr in der Kreativfabrik.
Foto: Alain Piron

Noch weiter, am Ende des Flurs, sind die Büros von Doghouse Films. Etwa 20 Personen sitzen hinter großen Bildschirmen und arbeiten an Animationsfilmen. Sie bitten um Diskretion. Die Animationen auf ihren Bildschirmen dürfen nicht vorzeitig in einer Zeitung veröffentlicht werden.

Über 500 Personen in 55 Firmen

„Heute arbeiten über 500 Leute hier“, sagt Tania Brugnoni, Leiterin des 1535°. Sie ist stolz darauf, dass ein solch breites Spektrum an Berufstätigen sich in Differdingen niedergelassen hat. Es stelle etwa acht Prozent des gesamten kreativen Sektors in Luxemburg dar.

Ein Sektor, für den vor allzu langer Zeit kein Ministerium zuständig war, betont sie. Mittlerweile gibt es ein Cluster, in dem auch die Differdinger Kreativfabrik vertreten ist. Letztere habe maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Kreativwirtschaft als solche heute anerkannt wird, ist Tania Brugnoni überzeugt.

Tania Brugnoni leitet das 1535°.
Tania Brugnoni leitet das 1535°.
Foto: Alain Piron

"Jetzt ist alles einfacher"

Seit 2017 besteht eine Konvention mit dem Wirtschaftsministerium. Dadurch erhält der 1535° neun Millionen Euro über drei Jahre verteilt. „Aber zuvor hat die Stadt Differdingen 14 Millionen aus eigener Tasche investiert“, unterstreicht Bürgermeister Roberto Traversini. Jetzt sei vieles einfacher, weil die Kreativfabrik sich zur Success Story entwickelt habe. „Aber davor mussten wir immer den Gemeinderat davon überzeugen, hier investieren zu können“.

Der Rocade sei Dank

2015 wurde das A-Gebäude eingeweiht. „Wir hatten erkannt, dass es eine Nachfrage im kreativen Beeich gab, wussten aber nicht, wie groß sie war“, so Tania Brugnoni rückblickend. So sind heute die Arbeitszellen in den beiden Gebäuden A und C fast komplett ausgelastet.

Dass die Stadt Differdingen überhaupt die Gebäulichkeiten nutzen konnte, war auch Glückssache. „Durch die neue Rocade wurden diese drei Hallen vom Stahlwerk abgetrennt. Sonst würden wir heute nicht hier sitzen“, so Roberto Traversini.

Probenräume und ein Tonstudio

Ein Tonstudio wurde installiert. Jetzt muss noch ein Betreiber gefunden werden.
Ein Tonstudio wurde installiert. Jetzt muss noch ein Betreiber gefunden werden.
Foto: Alain Piron

Das Konzept für das C-Gebäude ist dasselbe geblieben, wenn auch mit einigen Anpassungen. „Wir haben gesehen, dass wir etwas mit Musik tun mussten“, sagt Tania Brugnoni. „Wir haben 122 Kulturzentren im Land, aber Probensäle zu finden, das ist schwer“. So kam die Idee, kleine Probenräume, neun insgesamt, zu errichten.

Neun Proberäume wurden errichtet.
Neun Proberäume wurden errichtet.
Foto: Alain Piron



1535, Differdange, 03.09, Probesaal, Tonstudio, Musik,
Tout pour la musique avec le «Sonotron»
Le nouveau projet du centre 1535° de Differdange va être lancé prochainement...

Diese können je nach Bedarf gemietet werden. Zusätzlich wurde auch ein professionelles Tonstudio gebaut. Ein Betreiber wird dieses leiten. Demnächst soll eine Ausschreibung erfolgen. „Ausschlaggebend wird nicht der Mietpreis, sondern das Konzept sein“, sagt Roberto Traversini. Ziel ist, dass alle, ob professionell oder Amateur, es mieten können.

Die richtige Akustik mit den Mauern und Stahlträgern der Werkshalle zu vereinen, ist eine kleine Herausforderung. So, dass vor Ort noch gearbeitet wird und die Vermietung der Probenräume voraussichtlich erst Anfang 2019 beginnen kann.

Der nächste Schritt

Damit wird die Entwicklung der Kreativfabrik aber noch nicht abgeschlossen sein. Denn zwischen den Gebäuden A und C liegt noch die Halle B. Erste Ideen gibt es bereits. Hier könnte eventuell ein großer Probenraum entstehen. Daneben könnten Räumlichkeiten für Kunsthandwerk und ein Conceptstore entstehen.

In der Halle B könnte ein großer Proberaum entstehen.
In der Halle B könnte ein großer Proberaum entstehen.
Foto: Alain Piron

Die große nächste Herausforderung wird laut Roberto Traversini aber nicht dieser Umbau, sondern die bessere Integrierung des 1535° in die Stadt. Eine Idee besteht darin, Teile der Kreativfabrik in leer stehende Geschäfte im Stadtzentrum umzuziehen.

„Aber wir wollen auch nicht die Nabelschnur zum 1535 abschneiden“, sagt er. Die Stärke des 1535° liege ja gerade im Austausch. Weshalb ein Konzept noch ausgereift werden muss. Aber an Kreativität mangelt es dem 1535° bekanntlich nicht. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Dicke Luft um 1535°
Die Opposition im Differdinger Gemeinderat will mehr Einblick in die Verwaltung der Kreativfabrik. Von Intransparenz ist die Rede.
So richtig werde ihr kein Einblick in das 1535° gewährt, findet die Opposition.
Esch/Alzette: Ökodorf im Aufbau
Eine kaputte Jeanshose war der Auslöser. Nun plant Georges Kieffer an einem Ökodorf in Esch/Alzette. Entstehen sollen unter anderem eine Kleiderfabrik und ein Restaurant, die nach den Prinzipien der zirkulären Wirtschaft betrieben werden.
Georges Kieffer von Benu Village - Photo : Pierre Matgé
Großherzog Henri: Ein echter Verkaufsschlager
Großherzog Henri eilt häufig von einer Pflicht zur nächsten. Am Donnerstagnachmittag standen gleich mehrere Termine auf seiner Agenda, darunter ein Rundgang durch die Ausstellung "Lëtzebuerg an den Eischte Weltkrich" und ein Besuch im Creative Hub 1535°.
15.6. Differdange / Grand Duc Henri besucht 1535 Creative Hub Foto:Guy Jallay
Differdingen: Kreativfabrik produziert neues Stadtbild
Der portugiesische Premierminister António Costa war bei seinem Besuch in Luxemburg auch in der Kreativfabrik 1535° zu Gast. Ihm dürften die Vorzüge des 1535° aufgezählt werden. Doch sind diese auch bis ins Stadtzentrum zu spüren?
Impakt von 1535 auf Stadt Differdingen, Differdange, le 30 Mars 2017. Photo: Chris Karaba