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Kostbares Nass besser schützen
Der Schutz der Flächen rund um die Brunnen ist für Staat und Gemeinden eine große Aufgabe.

Kostbares Nass besser schützen

Foto: Guy Jallay
Der Schutz der Flächen rund um die Brunnen ist für Staat und Gemeinden eine große Aufgabe.
Lokales 3 Min. 22.03.2019

Kostbares Nass besser schützen

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Wegen steigender Einwohnerzahlen braucht Luxemburg immer mehr Trinkwasser. Umweltministerin Dieschbourg erinnert an die Bedeutung der Wasserschutzgebiete.

Dass sauberes Trinkwasser in jeder gewünschten Menge aus dem Hahn kommt, ist für die meisten Luxemburger eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem ist es für die Gemeinden und Wassersyndikate eine Herausforderung, die geforderte Qualität zu liefern.

In Luxemburg sind nämlich eine ganze Reihe von Quellen und Brunnen außer Betrieb, weil das aus ihnen geförderte Wasser nicht den Ansprüchen genügt – da es zum Beispiel mit Bakterien oder Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet ist. „Wenn diese Quellen wieder ans Netz gehen könnten, würde das Wasser daraus 75 000 Einwohner versorgen“, erinnerte Umweltministerin Carole Dieschbourg am Freitag, dem Weltwassertag der Vereinten Nationen. In luftiger Höhe von 50 Metern über dem Erdboden skizzierte die Ministerin im Berdorfer Aquatower die Bedeutung der Wasserschutzgebiete.

Rund die Hälfte des Trinkwassers in Luxemburg stammt aus dem Obersauer-Stausee, während die andere Hälfte aus Grundwasser gewonnen wird. Besonders in einem breiten Streifen von Steinfort bis ins Müllerthal, wo der Untergrund aus Sandstein besteht, kommt das Trinkwasser hauptsächlich aus Quellen und Brunnen.

Die Ministerin wies auf die Bemühungen hin, die Flächen rund um die Brunnen zu Wasserschutzgebieten zu erklären. So seien 80 Prozent der Gebiete bereits geschützt oder die Prozedur sei angelaufen. Bei acht geplanten Wasserschutzgebieten beginne die Prozedur noch in diesem Frühjahr.

Von den 208 Quadratkilometern Wasserschutzgebieten in Luxemburg liegt die Hälfte in Wäldern, gut 40 Prozent erstrecken sich auf Wiesen und Äcker und knapp zehn Prozent auf bebautes Gebiet.

Vor fünf Jahren hatte ein landwirtschaftlicher Betriebsunfall die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Wasserschutz gelenkt: 2014 war das Unkrautvernichtungsmittel Metazachlor aus einem Anhänger im belgischen Grenzgebiet in einen Bach gelaufen und war von dort aus in den Stausee gelangt.

Mehrere Pestizide verboten

Anschließend kam bei flächendeckenden Messungen heraus, dass der Gebrauch des Herbizids im ganzen Land problematisch war. Rückstände von Metazachlor waren in 60 Prozent der Quellen nachweisbar. „Wir haben reagiert und die Verwendung von mehreren Pflanzenschutzmitteln in Luxemburg verboten, entweder ganz oder in Wasserschutzgebieten“, sagte Umweltministerin Dieschbourg. Bei Metazachlor, das vorwiegend im Rapsanbau zum Einsatz kommt, bezieht sich das Verbot nur auf Wasserschutzgebiete und den Bereich rund um den Stausee. „Ein Unfall kann immer geschehen, aber wichtiger ist es, die Grundbelastung zu reduzieren“, meinte Dieschbourg.


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Um den Wasserschutz weiter zu festigen, baut das Ministerium auf freiwillige Kooperationen mit den Landwirten. Diese erhalten dadurch Rat und Hilfe zum Quellenschutz und bekommen mehr Flexibilität bei der Bearbeitung der Flächen.

Dieschbourg machte außerdem auf eine wenig bekannte Gefahr für das Trinkwasser aufmerksam, nämlich die Tanks von Ölheizungen. Bei Überschwemmungen oder einem Leck könnte das Öl austreten und ins Grundwasser gelangen. Das Umweltministerium will deshalb eine zusätzliche Prämie für Hausbesitzer einführen, die ihre Heizung von Öl auf eine umweltfreundlichere Energieform umstellen.



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