Kopstal: Bürgermeister soll Polizisten gedroht haben

Romain Adam bestreitet Vorwürfe

Mit einer Polizeikontrolle spätnachts in Kopstal fing alles an.
Mit einer Polizeikontrolle spätnachts in Kopstal fing alles an.
Foto: Marc Wilwert

(str) - Unschöne Szenen haben sich offenbar am Samstag vor einer Woche in einem Restaurant in Kopstal abgespielt. Als Polizisten zu später Stunde eine Gaststätte kontrollierten, soll es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister Romain Adam gekommen sein. Dabei habe der Amtsträger den Polizeibeamten gedroht und sie beleidigt. Die Staatsanwaltschaft befasst sich nun mit einem Polizeibericht, in dem Adam des Amtsmissbrauchs und der Beamtenbeleidigung bezichtigt wird. Gegenüber wort.lu bestreitet Romain Adam den Sachverhalt.

Der Vorfall geht auf die frühen Morgenstunden am Sonntag, dem 12. Februar zurück. Die gesetzliche Schließstunde war längst überschritten, als zwei Polizisten an einem bekannten Restaurant mit Schweizer Küche vorbei fuhren. Während drinnen offensichtlich noch lautstark gefeiert wurde, standen vor der Tür zahlreiche kreuz und quer am Fahrbahnrand abgestellte Autos.

Die Beamten entschieden sich, nach dem Rechten zu sehen. Sie betraten das Restaurant und fragten nach der „Nuit Blanche“-Genehmigung. Diese würde es dem Speiselokal erlauben, zu solch später Stunde geöffnet zu sein. Den aufmerksamen Polizisten entging dabei nicht, wie der örtliche Bürgermeister und der Geschäftsführer in der Küche verschwanden. Die Ordnungshüter zählten über 50 Gäste, dann wurde ihnen das geforderte Dokument vorgelegt – und das Schreiben hatte es in sich.

„Nuit-Blanche“-Erlaubnis erst bei Kontrolle verfasst

Entgegen der üblichen Prozedur, wurde den Beamten kein offizielles Schriftstück der Gemeinde Kopstal vorgelegt, sondern ein per Hand beschriebenes Blatt Papier mit zahlreichen Schreibfehlern und dem Briefkopf des Restaurants. Für die Polizisten bestand kein Zweifel daran, dass das Schreiben, das eine Schließstunde um 3 Uhr morgens erlaubt, erst nach Beginn der Kontrolle verfasst wurde.

Bürgermeister Adam bestätigt das im Gespräch mit wort.lu. „Ich hatte die Erlaubnis bereits Stunden zuvor mündlich erteilt“, erklärt der 49-Jährige. „Als die Polizisten dann vorsprachen, habe ich sie zu Papier gebracht.“

Die Beamten akzeptierten diese mehr als ungewöhnliche Vorgehensweise nicht. Kurzerhand wurde das Papier beschlagnahmt, dem Restaurantbetreiber ein Anzeige wegen der überschrittenen Sperrstunde und dem Bürgermeister ein Strafverfahren wegen Amtsmissbrauchs angekündigt. Offenbar war Romain Adam den Beamten gegenüber bereits zuvor nicht sonderlich freundlich gesinnt. Wie es heißt, habe er dann aber begonnen die Beamten vor den versammelten Gästen zu beschimpfen und zu beleidigen.

Adam: "Keine Drohung"

Wie die Polizeikräfte in ihrem Bericht schreiben, soll der 49-Jährige betont haben, er sei der Bürgermeister und somit habe er auch das Sagen über die Polizisten. Die Beamten sollten schleunigst verschwinden, sonst würde er den Generalstaatsanwalt persönlich einschalten.

Adam bestreitet diese Darstellung des Vorfalls. „Ich habe den Polizisten zu keinem Zeitpunkt gedroht“, sagt er. „Ich habe den Beamten erklärt, dass ich die Erlaubnis Stunden zuvor erteilt habe und, dass wenn ein Bürgermeister das tut, die Polizisten das auch zu akzeptieren hätten. Ich habe dem Kommissar [...] erklärt, dass ich nicht denke, dass es an ihm sei, zu entscheiden, ob meine Entscheidung gültig ist. Das müssten dann höhere Instanzen wie etwa die Staatsanwaltschaft klären.“

Die Polizisten beendeten die Feier. Adam betont, die Diskussionen seien in einem diplomatischen Tonfall vonstatten gegangen.

Gleiche Nacht, gleiche Polizisten, gleicher Bürgermeister

In Bridel führten die beiden Beamten wenig später eine Geschwindigkeitskontrolle durch. Zu einem gewissen Zeitpunkt näherte sich dem Bericht an die Staatsanwaltschaft zufolge ein Paar den Sicherheitskräften zu Fuß. Der Mann war offensichtlich betrunken. Es war der Bürgermeister und seine Ehefrau. „Wer hat euch gesagt, dass ihr hier kontrollieren sollt“, soll das Gemeindeoberhaupt die Polizisten lauthals angeschrien haben. „Verschwindet sofort!“.

Dann habe er den Beamten mit Konsequenzen gedroht. Er habe sehr gute Kontakte zum Generalstaatsanwalt und auch zum Polizeidirektor und er werde nicht zögern, diese auch zu nutzen , soll er gesagt haben. Als dann weiteres lautes Geschrei und Beleidigungen auf offener Straße folgten, reichte es den Polizisten. Sie leiteten ein Strafverfahren wegen Beamtenbeleidigung ein.

Der Pressesprecher der Justiz, Henri Eippers, bestätigte am Mittwoch gegenüber wort.lu, dass der Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit diesem Sachverhalt ein Protokoll vorliegt. Über das weitere Vorgehen in der Angelegenheit sei aber noch nicht entschieden. Der Vorfall liege nur wenige Tage zurück und müsse erst bearbeitet werden.