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Kontroverse Diskussion in Steinfort
Lokales 2 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüchtlingscontainerdorf

Kontroverse Diskussion in Steinfort

In Steinfort ist das Flüchtlingscontainerdorf in der Verlängerung des Park&Ride geplant.
Flüchtlingscontainerdorf

Kontroverse Diskussion in Steinfort

In Steinfort ist das Flüchtlingscontainerdorf in der Verlängerung des Park&Ride geplant.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüchtlingscontainerdorf

Kontroverse Diskussion in Steinfort

Den vier Ministern, die am Dienstagabend in Steinfort das Projekt des Flüchtlingscontainerdorf vorstellten, wehte zum Teil heftiger Wind entgegen. Doch es fanden sich auch viele, die sich für das Projekt aussprachen.

(na) - Kaum hatte Familienministerin Corinne Cahen am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung das Wort an das Publikum abgegeben, ergriff es Joë Lemmer, Präsident der Bürgerinitiative, die sich gegen die Pläne eines Flüchtlingscontainerdorfes in Steinfort wehrt. Ohne lange abzuwarten griff er das Ministerquartett (Cahen, Bausch, Meisch, Kersch) an.

Die Bürgerinitiative habe bereits über 500 Unterschriften gesammelt und sogar eine Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen das Projekt eingereicht, erklärte er.

"Unsere verdammte moralische Pflicht"

Doch eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Prompt meldeten sich zwei andere Bürger, die ausdrücklich unterstrichen, dass sie nicht zu diesen 500 zählten. Ein Bürger meinte, dass die Gegner "privates und öffentliches Interesse" vermischten. Eine Frau aus dem Publikum unterstrich, dass es "unsere verdammte moralische Pflicht" sei, den Flüchtlingen zu helfen. 

Am Applaus war zu erkennen, dass auch viele andere im vollen Saal des Kulturzentrums Roudemer so dachten. So ging es einen Teil des Abends hin und her, zwischen Projektgegnern und Befürwortern, wobei letztere oft mehr Applaus erhielten.

Schaflose Nächte

Nachdem ein Anrainer erklärt hatte, dass seine Frau und er abends nicht mehr schlafen könnten, wurde er von Corinne Cahen eingeladen, die Flüchtlinge einfach zu besuchen, wenn sie da seien, um diese Ängste abzubauen.

Auch unterstrich sie, dass bereits seit Jahren eine ähnliche Einrichtung in Limpertsberg in Betrieb ist und dass es dort bisher zu keinen Problemen gekommen sei.

Angst vor der "Megastruktur"

Schließlich erklärte Joë Lemmer, dass man keine Angst vor den Flüchtlingen, wohl aber vor der "Megastruktur" habe. Es sei besser, Asylbewerber in einzelnen Häusern unterzubringen.

Zuvor hatte Corinne Cahen aber erklärt, dass man angesichts der Anzahl an Flüchtlingen auf provisorische Erstaufnahme-Einrichtungen zurückgreifen müsse wie die Luxexpo-Halle Nummer 6 oder die frühere Maternité. Andernfalls müsse man bereits jetzt Flüchtlinge in Kulturzentren oder Sporthallen unterbringen.

Zum Containerdorfprojekt

Wie Nachhaltigkeitsminister François Bausch erklärte, ist das Containerdorf in der Verlängerung des P&R vorgesehen. Es wird 60 Meter vom ersten Haus und 25 Meter von der ersten Halle entfernt sein. Drei Gebäude zu je zwei Etagen sind geplant, sowie eine mobile Kläranlage und ein Heizsystem.

Das "Containerdorf" besteht aus drei Gebäuden (graue Dächer): außen befinden sich die eigentlichen Unterkünfte, in der Mitte die Verwaltung. Rechts oben im Bild ist der P&R-Parkplatz zu sehen.
Das "Containerdorf" besteht aus drei Gebäuden (graue Dächer): außen befinden sich die eigentlichen Unterkünfte, in der Mitte die Verwaltung. Rechts oben im Bild ist der P&R-Parkplatz zu sehen.
Foto: MDDI

Rund um das "Dorf" sind ein Zaun und ein Grüngürtel vorgesehen. Eine Kapazität von 300 Personen wird angepeilt. Caritas-Mitarbeiter werden die Betreuung übernehmen.

Um die Integration der Flüchtlingskinder zu favorisieren, soll ein Schulcontainer im Schulhof installiert werden. Während des ersten Jahres werden die Flüchtlingskinder noch getrennt unterrichtet, sollen jedoch bereits auf dem Schulhof mit den Kindern aus dem Ort in Kontakt kommen, so Bildungsminister Claude Meisch. Er erklärte, dass dies unter anderem auf Initiative der Gemeinde zurückzuführen sei.

Noch haben Bürge bis zum 6. Januar Zeit um schriftliche Einwände einzureichen. Geplant ist die Struktur für etwa Mitte 2016.

Hier finden Sie die Powerpoint-Präsentation mit Grafiken und Plänen des zukünftigen Containerdorfes (Quelle: Nachhaltigkeitsministerium):



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