Kongress des Jägerverbandes

„Das Kriegsbeil ist begraben“

Fuchs vorerst aus der Schusslinie

Foto: John Lamberty

(rsd) - Eigentlich hätte man sich erwarten können, dass der Fuchs nach den zum Teil emotional geführten Diskussionen über ein Jagdverbot auf dem Kongress der „Fédération Saint-Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg“, der in Bous abgehalten wurde, eine Hauptrolle spielen würde. Es wurde aber nicht scharf geschossen, denn Meister Reineke musste sich mit einer Nebenrolle begnügen und wurde nur am Rande erwähnt. Die Wogen haben sich geglättet. Generalsekretär Pedro Reis erklärte es so: „Das Kriegsbeil ist begraben.“

Bürokratie und Waffengesetze

Sorgen bereitet der Jägerschaft jedoch unter anderem die Bürokratie. Dafür, dass bei Treibjagden Warnschilder an den Straßen aufgestellt werden müssen, dafür zeigt man Verständnis. Dass die Straßenbauverwaltung jedoch im Vorfeld das Beantragen einer Genehmigung für das Aufstellen dieser Schilder an Hauptstraßen verlangt, wird doch als ziemlich pingelig empfunden.

Auch die geplante Verschärfung der Waffengesetze in der EU gefällt der Jägerschaft nicht unbedingt. Terroristen sei das ohnehin egal, hieß es auf dem Kongress, auf legale Besitzer von Schusswaffen, wie beispielsweise Jägern, könnten aber weitere Schikanen zukommen. Wildschäden waren ein weiteres Thema. Die finanziellen Entschädigungen, so erklärte Präsident Georges Jacobs, seien nach Auffassung des Verbandes nicht ausschließlich eine Angelegenheit der Jägerschaft, sondern der Allgemeinheit.

Frischer Wind zwischen Jägern und Politik

Zwischen Politik und Jägerschaft weht im großen Ganzen jedoch ein neuer Wind. Dies ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass am 2. Februar eine Konvention zwischen dem Verband und dem Umweltministerium unterzeichnet wurde. Die darin zurückbehaltenen zehn Punkte bezeichnete Präsident Georges Jacobs als „echt revolutionär“.

So wird den Jägern erstmals eine Beteiligung an der Verbesserung von natürlichen Lebensräumen und damit am praktischen Naturschutz eingeräumt. Zweitens sollen die Produkte aus der Jagdausübung besser vermarktet werden. Dass die Jäger, die in der Vergangenheit oft als schießwütig verschrien waren, jetzt gefühlt in den Olymp der anerkannten Naturschützer aufgestiegen sind, dürfte Balsam für die Seele der Jäger sein. So erneuerte Georges Jacobs in Richtung Naturschutzverbände das Angebot, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.

Lupus ante portas

Dass der Fuchs beim Kongress in eine Nebenrolle geschlüpft ist, mag auch daran liegen, dass sein größerer Verwandter, der Wolf, in das Großherzogtum zurückzukehren scheint. Bestätigte Nachweise gibt es noch nicht, aber gesichtet wurde der Beutegreifer, der zu Unrecht als blutrünstig beschrieben wird, schon am Lac de Madine in Frankreich. Dies ist nur 65 Kilometer Luftlinie von Luxemburg entfernt.

Um auf die Rückkehr vorbereitet zu sein, wurde schon einmal eine Arbeitsgruppe gebildet. Zwar ist der Wolf in der EU streng geschützt, allerdings stellt man sich in Jägerkreisen, für die der behaarte Konkurrent durchaus kein Schreckgespenst ist, die Frage, wie es sich mit verhaltungsauffälligen oder verletzen Tieren verhält. Antworten auf diese Frage soll ein „Wolfmanagementplan“ liefern, ein Arbeitspapier, das man sich durchaus auch für den Fuchs vorstellen könnte.

"Keinen Grund für Fuchsjagd"

Staatssekretär Camille Gira unterstrich auf dem Kongress, dass es zurzeit keinen triftigen Grund für die Bejagung des Fuchses gebe. Das Verbot reihe sich ein in die Anerkennung des Tieres als sensibles Lebewesen, was auch im neuen Tierschutzgesetz verankert werden soll. Außerdem verteidigte er die Einführung einer Ruheperiode im Wald während der Brutzeit der Vögel im Interesse der Artenvielfalt.

Dass der Ton zwischen Jagd und Politik offensichtlich weniger rau geworden ist, unterstreicht wohl auch die Tatsache, dass Camille Gira mit seinen grünen Parteifreunden im Herbst zu einer Treibjagd eingeladen wurde. Ob er die Einladung annehmen wird, darüber schwieg der Staatssekretär.