„Kollateralschaden“ nach dem Bommeleeër-Prozess

Vogel auf der Anklagebank

Verleumdungsklage des ehemaligen Srel-Direktors Charles Hoffmann gegen Gaston Vogel

Gaston Vogel (links), der Hoffmann der Lüge bezichtigte, riskiert nun eine empfindliche Geldstrafe wegen Verleumdung.

(Fotos: Serge Waldbillig)
Gaston Vogel (links), der Hoffmann der Lüge bezichtigte, riskiert nun eine empfindliche Geldstrafe wegen Verleumdung. (Fotos: Serge Waldbillig)
Michel Thiel

(mth) - Auslöser der Klage waren Äußerungen über Charles Hoffmann in einem Artikel durch Me Vogel, der bekanntlich im mittlerweile ausgesetzten „Bommeleeër“-Prozess als Verteidiger des angeklagten Gendarmen Marc Scheer fungierte. Vogel hatte dem „Luxemburger Wort“ am 9. August 2013 gesagt, er bezweifele den Wahrheitsgehalt der Aussagen, die Charles Hoffmann als Zeuge über die Aktivitäten des Srel während des Kalten Kriegs und im Kontext der Attentate getätigt hatte.

Vogel hatte die Aussagen Hoffmanns unter Eid mit den Worten kommentiert: „do gesäit een et erëm, mir gi belunn vu vir bis hannen“ und „den Hoffmann huet 
gelunn“. Eine Bemerkung, die der frühere Geheimdienstchef als Angriff auf seine Ehre sah und dazu veranlasste, eine Verleumdungsklage gegen Vogel anzustrengen. Letzterer wollte seine Aussage nicht als Verleumdung, sondern lediglich als „Bewertung“ einer Zeugenaussage sehen, welche ihm als Anwalt der Verteidigung zustehe. Eine Position, die Me Vogel am 24. September 2013 erneut dem „Luxemburger Wort“ bestätigte, mit den Worten, Hoffmanns Klage sei ihm „esou schäissegal, wi dat mir nëmme schäissegal ka sinn“. Im Übrigen sehe er der Vorladung „mit viel Heiterkeit“ entgegen.

Die Verteidigung glänzt
 durch Abwesenheit

Aussagen von Me Vogel, die im Nachhinein gewollt oder ungewollt Sinn ergeben, denn eine erste Sitzung Ende Februar 2014 ließ der Verteidiger des Staranwalts, Me Urbany, platzen, da er nicht verfügbar war. Und auch beim gestrigen Termin waren weder der Beschuldigte selbst noch sein Anwalt, sondern lediglich eine Vertreterin der Verteidigung anwesend, welche eine Verfahrensaussetzung forderte – mit dem Argument, es gebe eine laufende Ermittlung gegen den Kläger wegen Falschaussage unter Eid.

Eine Behauptung, die allen 
anderen Anwesenden derart neu erschien, dass das Gericht die Sitzung kurz unterbrach, um sich bei der Staatsanwaltschaft zu informieren. Wie sich jedoch herausstellte, ermittelt derzeit niemand gegen Charles Hoffmann und das Gericht entschied, aufgrund des ungerechtfertigten Fernbleibens der beklagten Partei, ein sogenanntes „Versäumnisurteil“ (prononcé par défaut) anzustreben – eine gerichtliche Entscheidung also, die gegen eine Partei ergeht, die in der mündlichen Verhandlung trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht erschienen ist oder die trotz Erscheinens nicht zur Sache verhandelt.

Charles Hoffmann, der gestern ebenfalls nicht zum Prozess erschien, fordert 25 000 Euro Schadensersatz sowie die Übernahme der Verfahrenskosten von Vogel. Das Gericht gibt sein Urteil am 22. Dezember bekannt.