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Kokain aus Longwy importiert: Hohe Haftstrafen für nigerianische Dealerbande gefordert
Die Staatswaltschaft forderte eine hohe Haftstrafe für den mutmaßlichen Kopf der Bande.

Kokain aus Longwy importiert: Hohe Haftstrafen für nigerianische Dealerbande gefordert

Foto: Pierre Matgé
Die Staatswaltschaft forderte eine hohe Haftstrafe für den mutmaßlichen Kopf der Bande.
Lokales 2 Min. 15.01.2018

Kokain aus Longwy importiert: Hohe Haftstrafen für nigerianische Dealerbande gefordert

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Für sehr lange Zeit soll der mutmaßliche Anführer der Drogenbande aus Longwy ins Gefängnis. Das forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Montag vor dem Bezirksgericht Luxemburg.

(str) -  Für sehr lange Zeit soll der mutmaßliche Anführer der Drogenbande aus Longwy ins Gefängnis. Das forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Montagnachmittag vor der siebten Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg.

Den Tatvorwürfen entsprechend sei eine Haftstrafe von 15 bis 20 Jahren vorgesehen. Sollten die Richter sich dennoch für ein Strafmaß von unter 15 Jahren entscheiden, dann dürfte die Haftstrafe nicht weniger als zwölf Jahre betragen. Dazu sei auch eine Geldstrafe zu verhängen.

Gleich nach der Abschiebung zurück im Land

Der 37-jährige Mann mit dem Szenennamen „Digital“ hatte bereits eine fünfjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels in Luxemburg verbüßt und war anschließend im Jahr 2012 in seine nigerianische Heimat abgeschoben worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei er dann sofort wieder unter neuem Namen ins Großherzogtum zurückgekehrt, mit dem einzigen Ziel, den Drogenhandel wieder aufzunehmen. Seine tatsächliche Identität sei zudem auch heute noch nicht einwandfrei geklärt.

Unbestritten sei er jedoch der Kopf der Drogenbande gewesen, die aus Longwy Kokaindealer und Konsumenten in Luxemburg-Stadt versorgt habe. Er habe die Logistik, die Wohnung, den Einkauf und den Vertrieb der Drogen organisiert. Aus den Abhörprotokollen gehe deutlich hervor, dass er die Anweisungen erteilt habe.

Für seinen Stellvertreter in der kriminellen Vereinigung, „Emeka“, der ebenfalls unter mehreren Identitäten bekannt sei, und exklusiv nigerianische Drogendealer in Luxemburg versorgt habe, forderte sie eine Haftstrafe von fünf Jahren sowie eine Geldstrafe. Ihm komme sein Geständnis in der Gerichtsverhandlung als mildernder Umstand zugute.

642 Gramm binnen 46 Tagen

Gar zehn Jahre Haft und eine Geldbuße forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auch für „Agbai“, der direkt an Konsumenten in Luxemburg verkaufte. Binnen der 46-tägigen Telefonüberwachung seien Informationen zum Verkauf von 642 Gramm Kokain im Wert mehr als 28 000 Euro gesammelt worden. Er soll allerdings mehr als anderthalb Jahre lang Drogen verkauft haben. Die Tatsache, dass er anderen Bandenmitgliedern Anweisungen erteilt habe, unterstreiche zudem seine wichtige Rolle in der kriminellen Vereinigung, so die Anklägerin.

Sechs Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe forderte sie für „O.C.“ und „Scotch“, die täglich Drogen nach Luxemburg importierten und hier verkauften. Das gleiche Strafmaß beantragte sie auch für „Maduka“, der zwar selbst keine Drogen in Luxemburg verkauft habe, aber trotzdem eine wichtige Rolle gespielt habe, da er in der konspirativen Wohnung die Drogen für den Verkauf im Großherzogtum vorbereitete. Da er erst im Jahr 2016 wegen Drogenhandels verurteilt worden sei, sei für ihn keine Bewährung möglich.

Business Class nach Nigeria

Der siebte Angeklagte, „Chucks“ sei der Einzige, für den der strafverschärfende Umstand der kriminellen Vereinigung nicht zurückbehalten worden sei. Er habe nicht in Longwy gewohnt, nicht mit allen Mitangeklagten zu tun gehabt, wohl seinen eigenen Drogenhandel betrieben.

Die Sicherstellung von 134 Gramm Kokain in Zolver und 126 Gramm in Bereldingen zeuge vom Umfang dieser Drogenverkäufe, ebenso wie die hohe Miete, die er in Bereldingen zu zahlen vermochte, und die Reisen per Business Class nach Nigeria. Zudem sei auch er vorbestraft – auch wenn seine Verurteilung noch nicht rechtskräftig sei, da derzeit noch ein Kassationsantrag im Raum stehe. Daher sei auch er zu einer Haftstrafe von sechs Jahren zu verurteilen.

Das Urteil ergeht am 8. Februar.


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