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Knappes Gut Trinkwasser
Lokales 2 Min. 05.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Knappes Gut Trinkwasser

Der Stausee, die größte Trinkwasserreserve des Landes, soll demnächst noch besser geschützt werden.

Knappes Gut Trinkwasser

Der Stausee, die größte Trinkwasserreserve des Landes, soll demnächst noch besser geschützt werden.
Foto:Guy Jallay
Lokales 2 Min. 05.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Knappes Gut Trinkwasser

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Trinkwasserversorgung stand zuletzt wegen des gescheiterten Projekts Fage im Fokus. Doch wer verbraucht eigentlich wieviel davon in Luxemburg?

Rund 132.000 Kubikmeter Trinkwasser werden in Luxemburg mit Stand 2018 täglich produziert. 121.000 Kubikmeter davon werden über das Netz der Trinkwassersyndikate an die Haushalte verteilt, 11.000 Kubikmeter werden aus privaten Quellen geschöpft. Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) liefert in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage des Abgeordneten Yves Cruchten (LSAP) zudem Details, was die einzelnen Verbrauchergruppen betrifft. 

So werden insgesamt 60 Prozent der Gesamtmenge an die Haushalte geliefert, der Dienstleistunsgbereich und die Industrie verbrauchen insgesamt 23 Prozent und die Landwirtschaft neun Prozent. Von den 23 Prozent der industriellen Verbraucher gelten rund neun Prozent als Großkunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 8.000 Kubikmeter und in sieben Prozent der Fälle um kleinere Verbraucher. Weitere sieben Prozent schließlich verfügen über eigene Quellen und Brunnen. Laut Dieschbourg machen die Trinkwasserverluste z.B wegen defekter Leitungen immerhin zehn Prozent der Gesamtliefermenge aus.


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Laut Umweltministerin sei es schwierig, die historische Entwicklung des Trinkwasserverbrauchs im Industriebereich nachzuzeichnen. Einerseits sei eine reelle Aufteilung in Sektoren erst mit dem Einführen des Prinzips Pollueur-payeur im Jahre 2008 erfolgt. Zum anderen verfügen oder verfügten viele Unternehmen über eine Quellen. Das Trinkwassersyndikat SES verfügt aber zum Beispiel über historische Angaben was den Industrieverbrauch und im besonderen die Stahlindustrie betrifft. So wurde in den 80er Jahren ein Spitzenverbrauch festgestellt, der mit der Umstellung der Produktionsweise aber dann deutlich sank und sich mittlerweile stabilisiert hat.

Herausforderung Versorgungssicherheit 

Was die Versorgungssicherheit betrifft, so kam es laut Umweltministerin in den vergangenen Jahren immer wieder zu Engpässen bei einzelnen Zulieferern. Meistens waren diese Engpässe auf längere Trockenphasen verbunden mit sehr hohen Temperaturen zurückzuführen. Ursache waren meist kurzfristige, sehr hohe Nachfragen oder aber auch Trinkwasserbehälter die ganz einfach an ihr Limit stießen. In einigen Fällen war die hohe Nachfrage von Campingplätzen oder Golfplätzen die Ursache. Festzustellen sei aber auch, dass der Verbrauch im Sommer dieses Jahres insgesamt unter dem Schnitt der vergangenen Jahre lag. Eine mögliche Ursache könnte hier die verminderte industrielle Aktivität gewesen sein.

Um die Trinkwasserversorgung auch künftig absichern zu können, hat das Wasserwirtschaftsamt eine ganze Reihe von Szenarios durchgespielt. Bis 2035 muss Luxemburg demnach insbesondere während Trockenphasen immer wieder mit Engpässen rechnen. Diese Berechnungen haben dabei bereits die Inbetriebnahme der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage in Eschdorf berücksichtigt. 

Dort können ab 2022 insgesamt 110.000 Kubikmeter Trinkwasser täglich aufbereitet werden, das sind 40.000 Kubikmeter mehr als die aktuelle Station liefern kann. Laut Wasserwirtschaftsamt habe man bei den Berechnungen allerdings Qualitätsverschlechterungen oder Quellen, die wegen Belastungen durch Pestizide geschlossen werden müssen, nicht mit eingerechnet.

Wasser aus der Mosel

Laut Umweltministerin gibt es aber auch alternative Pläne zur künftigen  Trinkwasserversorgung. Immerhin sind momentan wegen akuter Nitrat- oder Pestizidbelastung eine ganze Reihe von Quellen geschlossen. Diese könnten insgesamt 75.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgen. Vorrangig will man im Wasserwirtschaftsamt die aktuellen Wasserreserven schützen, zum Beispiel durch das Ausweisen von Quellenschutzzonen oder der Schutzzone rund um den Stausee. Der entsprechende Entwurf wird momentan vom Staatsrat begutachtet. 

Als zweiter Pfeiler steht für das Wasserwirtschaftsamt das Verringern des Verbrauches. Demnach bestehen es noch zahlreiche Einsparmöglichkeiten. Schließlich will man nach untersuchen, inwiefern eine Nutzung des Moselwassers als Trinkwasser möglich ist.   

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