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Klimawandel bedroht den Eiswein
Dick vermummte Lesehelfer in einem verschneiten Weinberg: Die Eisweinlese wird zum aussterbenden Phänomen.

Klimawandel bedroht den Eiswein

Archivfoto: Serge Daleiden
Dick vermummte Lesehelfer in einem verschneiten Weinberg: Die Eisweinlese wird zum aussterbenden Phänomen.
Lokales 12.12.2018

Klimawandel bedroht den Eiswein

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Wegen klimatischer Veränderungen wird an der Luxemburger Mosel die Tradition des Eisweins über kurz oder lang verschwinden. „Für Eiswein braucht man mehrere Tage strengen Frost, am besten im Dezember. Diese Voraussetzungen werden kaum noch erreicht", sagt Vinsmoselle-Weinbauberater Harald Beck.

Wegen klimatischer Veränderungen wird an der Luxemburger Mosel die Tradition des Eisweins über kurz oder lang verschwinden. „Unsere Genossenschaftswinzer haben keine Trauben für Eiswein mehr hängen gelassen. Meines Wissens hat das in diesem Jahr auch kein Privatwinzer getan“, erklärt Harald Beck, Weinbauberater bei der Genossenschaft Vinsmoselle. „Für Eiswein braucht man mehrere Tage strengen Frost, am besten noch im November oder Dezember. Angesichts des Klimawandels ist das Risiko sehr hoch, dass diese Voraussetzungen nicht erreicht werden.“

Der dickflüssige, aromatische und likörartige Eiswein wird aus gefrorenen Trauben gekeltert. Dazu müssen sie in der Erntezeit im September und Oktober an den Stöcken belassen werden. In den tief gefrorenen Beeren ist ein Teil des Wassers in Form von Eiskristallen gebunden und bleibt in den Trauben zurück. Die Folge ist ein konzentrierter Most mit geringer Erntemenge, aber hohem Zuckergehalt.

Bei einem milden Winter kann der die Eisweinernte ganz ausfallen, die für die Spezialität vorgesehene Erntemenge ist in dem betreffenden Jahr dann verloren.

Der Klimawandel wirkt sich doppelt ungünstig aus, erklärt Harald Beck. Zum einen werden gerade in der wichtigen ersten Hälfte des Winters häufig keine anhaltend tiefen Temperaturen erreicht. Zum anderen sorgt der warme Sommer für eine frühe Reife. Die Trauben benötigen dann aufgrund des Zuckergehalts noch mehr Frost, um zu gefrieren.

„Gerade in diesem Jahr hatten wir wunderbare Oechslegrade. Da reichen die vom Gesetz vorgeschriebenen – 7 Grad nicht aus, um das Lesegut gefrieren zu lassen“, sagt Harald Beck.

Seiner Beobachtung nach kommt der strenge Frost in den letzten Jahren erst gegen Ende des Winters, dann ist es für den Eiswein aber oft schon zu spät. „Je länger es dauert, desto schwieriger ist es, noch gesunde und unversehrte Trauben zu ernten“, meint er. Zum Schutz vor Vögeln packen die Winzer die für Eiswein vorgesehenen Zeilen in Netze oder Folien ein, doch Fäulnis und der natürliche Schwund durch das Austrocknen schmälern die Ernte.

Wird das geschätzte und teure Nischenprodukt Eiswein ganz aus dem Angebot der Winzer an der Luxemburger Mosel verschwinden? Harald Beck schwenkt den Kopf. Als „Auslaufmodell“ will er den Eiswein nicht bezeichnen, gleichwohl sieht er in den kommenden Jahren kaum Chancen, dass Winzer das mit dem Eiswein verbundene Risiko eingehen.


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