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Klibberen in Corona-Zeiten: Den Menschen eine Freude machen
Lokales 4 Min. 10.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Klibberen in Corona-Zeiten: Den Menschen eine Freude machen

In diesem Jahr können die Kinder nicht in Gruppen durch die Straßen ziehen – deshalb klibberen sie von zu Hause aus.

Klibberen in Corona-Zeiten: Den Menschen eine Freude machen

In diesem Jahr können die Kinder nicht in Gruppen durch die Straßen ziehen – deshalb klibberen sie von zu Hause aus.
Foto: Lex Kleren
Lokales 4 Min. 10.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Klibberen in Corona-Zeiten: Den Menschen eine Freude machen

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Das traditionelle Klibberen, bei dem die Kinder in Gruppen durch die Straßen zeihen wurde in diesem Jahr abgesagt – doch ganz ausfallen muss die Aktion deshalb nicht.

"Exzellent Iddi! Meng Klibber läit prett." – "Eng flott Propose! A vläicht net just fir d’Kanner". Solche Reaktionen bekamen die Lëtzebuerger Massendénger auf ihren Facebook-Aufruf zum "Klibbere vun doheem aus". Da auch die Traditionen rund um Ostern von der Corona-Pandemie nicht verschont bleiben, wurde das Klibberen – in der Form, dass die Kinder in Gruppen durch die Straßen ziehen – abgesagt. 

Suche nach Alternativen 

"Dann bekamen wir mehrere Anfragen von engagierten Leuten aus den Pfarreien, ob man keine Alternative anbieten könnte. Wir haben uns im Team beratschlagt und es kam die Idee auf, einfach von der Haustür aus zu klibberen", erzählt Tanja Konsbrück, Leiterin der Lëtzebuerger Massendénger. Es sei natürlich nur ein Vorschlag, keiner sei gezwungen, daran teilzunehmen. Alle aber, die mitmachen wollen, sind dazu aufgerufen, sich an Karfreitag und Karsamstag jeweils um 8, 12 und 18 Uhr vor ihre Haustür zu stellen und eine Minute zu klibberen. 

Auf diesem Archivfoto vom vergangenen Jahr wahren die Messdiener aus Consdorf noch als Gruppe unterwegs. In diesem Jahr klibberen sie vor der Haustür (v.l.n.r.): Gilles, Michel, Martin, Emma, Laury, Amélie, Carole, Franz.
Auf diesem Archivfoto vom vergangenen Jahr wahren die Messdiener aus Consdorf noch als Gruppe unterwegs. In diesem Jahr klibberen sie vor der Haustür (v.l.n.r.): Gilles, Michel, Martin, Emma, Laury, Amélie, Carole, Franz.
Foto: Tanja Konsbrück

Tanja Konsbrück geht sogar davon aus, dass sich in diesem Jahr vielleicht nicht nur Kinder und Jugendliche an der Aktion beteiligen werden. "Eine Dame hat mir schon geschrieben, dass sie ihre alte Klibber wieder ausgekramt hat und in diesem Jahr auch mitmachen möchte", erzählt sie. Und so besteht die Hoffnung, dass es über die Kartage doch ertönt "D’Moiesklack lett – stitt op, dir Lett. D’Mëttesklack lett – gudden Appetit, dir Lett. D’Owesklack lett – gudden Nuecht, dir Lett". So ruft man zumindest in Consdorf. 

Ech maachen dëst Joer meng éischt Kommunioun an dofir ginn ech och fir d’éischt Klibberen. Ech klibberen well d’Klacken net lauden a maachen dat lo mat mengem Brudder zesummen.

Charel (9)

Denn was genau gerufen wird, ist regional unterschiedlich. In Vianden etwa heiße die Klibber "Scharp". "Am Karfreitag singen die Kinder mittags ,Jaudes Jaudes, Spakkelduer, Iwermuer ass Usterdag‘, gefolgt vom lauten Scharpen", hat Tanja Konsbrück von einer Ortsansässigen erfahren. 

Erinnerung an Gebetszeiten 

Allen Sprüchen gemein ist, dass sie an die Gebetszeiten erinnern. Eine wesentliche Aufgabe, wie Romain Richer, Sekretär der Liturgiekommission des Erzbistums, erklärt. "Es wird heute noch den Kindern erzählt, dass nach der Gründonnerstagsliturgie die Glocken nach Rom fahren, um dort zu beichten. Eine Glocke ist etwas Festliches. Und nach Gründonnerstag geht es um die Verhaftung, Kreuzigung und Grabesruhe. Das bedeutet Trauer, da kann man nicht feierlich läuten. Aber damit die Leute sich trotzdem daran erinnern, dass gebetet werden muss, und damit sie wissen, wann der Gottesdienst beginnt, wurden die Glocken ersetzt durch das Klibberen." Die Tradition stamme aus dem Mittelalter. 

Et ass eng schéin Traditioun, fir de Leit am Duerf d’Ouschterzäit anzeleeden.

Carole (18)

Und auch in Luxemburg blickt das Klibberen auf eine lange Geschichte zurück, wie Tanja Konsbrück betont: "Es ist bei uns Tradition, dass die Kinder durchs Dorf gehen. Aktuell wurde schon so vieles abgesagt. So kann man vielleicht wenigstens diesen kleinen Brauch aufrechterhalten. Es ist einfach wichtig für die Leute."

Ziemlich genau so sehen das auch die Kinder und Jugendlichen, die mitmachen. Theo (11) etwa erklärt: "Ech gi klibberen, fir den eelere Leit eng kleng Freed an dëser schwéierer Zäit ze maachen. Sou kënne si sech u fréier Zäiten zréckerënneren." Und Sophie (10) ergänzt: "Fir dass d’Leit wëssen, dass si net alleng sinn."

Am Déngscht vun der Kierch, et mécht immens vill Spaass, et mécht een d’Leit glécklech.

Laury (12)

Auch die Familie spielt eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen das Klibberen. Gilles (10) erklärt, er gehe mit, weil sein Vater in seinem Alter auch schon mitgemacht habe. "Ech fannen et och flott, gutt Laun mat deenen anere Kanner ze verbreeden. A vill Leit ginn eis lecker Séissegkeeten." Die werden in diesem Jahr zwar vielleicht nicht ganz so üppig ausfallen, da die Kinder nicht von Haus zu Haus ziehen, aber dennoch haben bereits viele ihr Interesse am Klibbere vun Doheem bekundet. 

Generell gefällt vielen Teilnehmern, dass man normalerweise in Gruppen unterwegs ist. "Ech, als Massdéiner, dee ganz gären an d’Mass geet, ginn, säit ech Massdéiner sinn, ëmmer mat klibberen. Ganz einfach, well et mir mega Spaass mécht, well fir eis als Massdéiner ass dat eng flott Aktivitéit zesummen. Mir maachen dat aus Traditioun a léieren eis och besser kennen", erklärt etwa Thomas (17). "Ech fannen, et gehéiert zum Massdéiner-Sinn einfach dobäi, an et markéiert e wichtege Moment am Kierchejoer", ergänzt Tiago (23). 

Nicht zuletzt wollen gerade auch ältere Messdiener die Tradition an die jüngeren weitergeben, wie der 20-jährige Patrick bestätigt: "Et ass eng flott Geleeënheet, fir sech ënnerteneen, och ausserhalb vun de Massen, ze gesinn an och eng al Traditioun, déi ech elo als Responsabele bäi den Eechternoacher Massdéiner versichen un déi nei Massdéiner ze vermëttelen." 

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