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Kleinbettingen: „Gegen die Schließung der Attertlinie“
Lokales 9 2 Min. 25.10.2017

Kleinbettingen: „Gegen die Schließung der Attertlinie“

Luc EWEN
Luc EWEN
Landesverband und „Aktioun Öffentlechen Transport“ wollen Pendler direkt hinter der Grenze auf die Schiene lotsen.

(L.E.) - Der kalte Oktoberwind bläst über den Bahnsteig von Kleinbettingen. Eben hat ein Zug angehalten, die Türen öffnen sich. Eine rote Gewerkschaftsfahne ist zu sehen, dann erscheint auch ihr Träger. Es ist ein in Signalfarben gekleidetes Mitglied der Gewerkschaft Landesverband. Er ist nicht allein. Ein knappes Dutzend Protestler begleitet ihn.

Es beginnt ein Marsch bis zu einem Gleisstumpf samt Prellbock nahe Hagen. Den Gewerkschaftlern geht es um die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf dem Teilstück der ehemaligen Attertlinie zwischen Kleinbettingen und Steinfort. Die Stimmung ist gut, das Anliegen den Teilnehmern durchaus ernst gemeint.

Entsprechend gering ist das Verständnis für die Aussagen von Infrastruktur- und Nachhaltigkeitsminister François Bausch am Dienstag im „Luxemburger Wort“.

Dabei hallen jedoch weniger die Argumente zur Linie selbst nach, als vielmehr Bauschs Antwort auf die Frage, ob es seiner Meinung nach bei dieser Forderung einen Zusammenhang mit der Debatte für eine Auffangstruktur zugunsten von Flüchtlingen am ehemaligen Bahnhof in Steinfort gibt. Bausch sieht keinen Zusammenhang, meint aber, die neue Führung des Landesverbands sehe sich derzeit offenbar gezwungen, von sich reden zu machen. Da dränge sich die augenscheinlich sympathische Idee, die Bahnlinie wieder zum Leben zu erwecken, auf. Nur gebe die Idee nichts her, was verkehrsplanerisch Sinn mache.

Das will vor allem der Landesverband-Sektorspräsident Alphonse Classen nicht so im Raum stehen lassen. „Wir sind hier auf Einladung von Herr Bausch“ skandiert er. Die Einladung ergebe sich daraus, dass nur ein Tag, nachdem der Minister Investitionen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro in das Schienennetz angekündigt hatte, die Ankündigung der CFL publik gemacht wurde, den Teil der Attertlinie zwischen Kleinbettingen und Steinfort am 24. Oktober um 10 Uhr offiziell außer Betrieb zu nehmen.

Außer Betrieb zu nehmen? Den bei der Protestaktion anwesenden Vertretern des Landesverbandes und der „Aktioun Öffentlechen Transport“ dürfte beim Anblick der alten Gleise und der maroden Schwellen durchaus bewusst sein, dass dies eher symbolisch zu verstehen ist. Schon seit Jahren ist hier kein Zug mehr gefahren und es erscheint fraglich, ob der Grundbau einem regelmäßigen Bahnverkehr an dieser Stelle überhaupt noch standhalten würde.

Roland Schreiner spricht von einem „falschen Signal“

Das weiß auch der Präsident der „Aktioun Öffentlechen Transport“, Roland Schreiner. Er betont denn auch im Gespräch mit dem LW, dass viel in die Strecke investiert werden müsste. So müsste der Anschluss an die nationale Linie in Richtung Hauptstadt gebaut werden. Dennoch sei dies der richtige Weg. Und solche Aktionen wie der Protest in Kleinbettingen seien wichtig. Denn das Schließen einer Zugstrecke sei einfach das falsche Signal an die Öffentlichkeit.

Dem Argument von Minister Bausch, dass es besser wäre, Auffangparkplätze entlang der Hauptlinien zu schaffen, statt an Gleisstümpfen Pendler zum Parken in die Ortschaften zu locken, entgegnet Schreiner, man solle Pendler so früh wie möglich hinter der Grenze auf die Schiene locken. In Steinfort biete sich diese Möglichkeit an.

Nachdem die Strecke nun offiziell stillgelegt ist, könnte demnächst mit dem Abbau der noch vorhandenen Gleise begonnen werden. Dann wird hier ein neuer Radweg entstehen.


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