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Klasse statt Masse
Lokales 2 Min. 12.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Getreideerntebilanz

Klasse statt Masse

Durchschnittliche Produktionskosten von 1 100 Euro pro Hektar stehen bei der Getreideernte Einnahmen von rund 700 Euro gegenüber.
Getreideerntebilanz

Klasse statt Masse

Durchschnittliche Produktionskosten von 1 100 Euro pro Hektar stehen bei der Getreideernte Einnahmen von rund 700 Euro gegenüber.
Foto: Carolin Martin
Lokales 2 Min. 12.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Getreideerntebilanz

Klasse statt Masse

Das trockene Wetter der vergangenen Monate hat einen negativen Einfluss auf die Erträge der Getreideernte. Dennoch konnte bei der Winterernte eine durchgehend gute Qualität festgestellt werden.

(m.r.) - Wenn eine Ladung Getreide in ein Auffangbecken geschüttet wird, ist das eigentlich kein aufregendes Ereignis. Dennoch versammelten sich gestern wie jedes Jahr mehrere Dutzend Personen um den Landwirtschafts- und Weinbauminister, der diesen Vorgang bei seinem Besuch im Agrocenter in Mersch beobachte und einige der Körner kostete. Gemeinsam mit Vertretern der „Luxemburger Saatbaugenossenschaft“ (LSG) und der „VERSIS“ – einer Tochtergesellschaft des „De Verband“ – zog der Minister Fernand Etgen gestern eine Bilanz der Getreideernte 2017.

„Die Ernte zeichnet sich durch hohe Ertragsunterschiede aus“, sagte Etgen. Im Winter 2016/2017 hätte es nur wenig geregnet und auch das Frühjahr und der Sommer seien sehr trocken gewesen. Erst im August hätte es ausreichend Niederschlag gegeben.

Regionale Unterschiede

Steve Turmes, Direktor der LSG betonte, dass der Niederschlag 2017 unter der Hälfte des Mittelwerts der Jahre 1981-2010 liege. Dabei hätten auch große regionale Unterschiede bestanden, die sich bei den Ernteerträgen widerspiegeln. „Es gibt ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Die ertragreichen Böden im Norden haben von mehr Niederschlag profitiert, allerdings litten die Ackerbauflächen im Süden und Osten des Landes besonders unter den Trockenperioden“, so Steve Turmes. In Betrieben im Norden seien mehr als 90 Ballen gedrescht worden, im Süden hingegen weniger als 50.

Um der Trockenheit entgegenzuwirken, wurde die Getreideernte in diesem Jahr nach vorne verlegt. Bei der Wintergerste startete sie bereits am 5. Juli – rund eine Woche früher als üblich.

Frappant sei allerdings, dass die Wintergerstenernte bereits zehn bis 14 Tage früher abgeschlossen wurde als in den Vorjahren, so Steve Turmes. Die Weizen- und Triticaleernte begann ebenfalls bis zu 14 Tage früher als üblich. Die Wintergerste konnte einen besseren Ertrag erzielen als der Weizen. Die Rapsernte bezeichneten die Ackerbauvertreter als durchschnittlich.

Bei der Wintergetreideernte konnte aber trotz Regenmangels eine durchgehend gute Qualität erzielt werden. So weise der Winterweizen einen hohen Proteingehalt auf, so Serge Turmes, Direktor der „VERSIS“. Es hätte allerdings einige Auswuchsprobleme zum Ende der Ernte im Ösling gegeben.

Das Sommergetreide lagere noch zu großen Teil bei den Betrieben, betonte der Direktor der LSG. Allerdings könne man nun schon davon ausgehen, dass die Qualität dieses Jahr unterdurchschnittlich schlecht ausfalle.

Die Getreidepreise stünden hierzulande weiterhin durch die ausländischen Märkte unter Druck, so Serge Turmes. EU-weit hätte es sehr hohe Erntebeträge gegeben. Somit stehen durchschnittliche Produktionskosten von 1 100 Euro pro Hektar Einnahmen von rund 700 Euro gegenüber. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem die Getreidebauern Verluste einfahren.

Unterstützung bei Versicherung

„Den Entwicklungen auf dem internationalen Markt muss Rechnung getragen werden“, sagte Minister Etgen. Die Regierung unterstütze die Bauern dabei, Ertragsausfällen bei der Vieh- und Agrarwirtschaft vorzubeugen. 65 Prozent der Kosten für sogenannte Ernteversicherungen übernimmt der Staat. Dabei handelt es sich um die von der EU vorgeschriebenen Obergrenze. So könnten bestimmte Risiken in der Landwirtschaft abgefedert werden. Eine pauschale Ernteentschädigung bezeichnete Etgen als nicht effektiv. „Bauern, die einen hohen Ernteausfall erleiden, werden dadurch nicht genug entschädigt – andere Betriebe erhalten zu viel“.

An der Mosel ist die Weinlese momentan im vollen Gange und auch die Maisernte hat bereits begonnen. „Zumindest die Maisernte wird dieses Jahr nicht schlecht ausfallen“, so Fernand Etgen.


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