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Kino in Kahler vor Eröffnung
Lokales 4 Min. 22.11.2018

Kino in Kahler vor Eröffnung

Wie es sich in Kahler gehört, wurde auch das neue Dorfzentrum mit einem Kunstwerk von Alain Welter verschönert.

Kino in Kahler vor Eröffnung

Wie es sich in Kahler gehört, wurde auch das neue Dorfzentrum mit einem Kunstwerk von Alain Welter verschönert.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 4 Min. 22.11.2018

Kino in Kahler vor Eröffnung

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Kahler hat sein Kino, genannt Kinoler. In einer Woche findet die erste Filmvorführung statt. Um den Betrieb kümmern sich Ehrenamtliche.

In einer Woche fällt im Kinoler in Kahler der Vorhang. Vom 1. Dezember an, kann sich das 300-Einwohner-Dorf stolz in die Liste der Ortschaften eintragen, die Kinovorstellungen anzubieten haben. Angefangen hatte das Unternehmen 2012, wie der Garnicher Bürgermeister Georges Fohl am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz erklärte.

Damals wurden Versammlungen mit den Einwohnern organisiert, damit die Bürger über die Entwicklung ihrer Dörfer debattieren konnten. „In Kahler stellten wir fest, dass es so manchen Nachholbedarf gab“, so Fohl.

Der neu Kinoler zählt 46 Sitze und 36 Lautsprecher.
Der neu Kinoler zählt 46 Sitze und 36 Lautsprecher.
Foto: Pierre Matgé

Zwei Filmvereine in Kahler

Festgestellt wurde aber auch, dass die kleine Ortschaft über zwei Vereine verfügt, die im Filmwesen tätig sind. „Das ist erstaunlich in so einem kleinen Dorf“, bemerkte Fohl. Als es dann darum ging, das geplante Vereinszentrum in der früheren Schule attraktiver zu gestalten, kam die Idee, dort einen Kinosaal zu errichten.

Ehrenamtliche Kinobetreiber

Sechs Jahre später ist die Idee umgesetzt. Um den Kinosaal kümmert sich die gemeinnützige Vereinigung Koler Bierger ehrenamtlich. „Wir haben die Vereinigung nach diesen Gesprächen gegründet, denn es brauchte ja Leute, um den Saal zu betreiben“, erklärte deren Präsident Henri Knuppertz.

Rein theoretisch könne eine Vorführung, vom Ticketverkauf bis zum Abspielen des Filmes, von einer Person durchgeführt werden. Doch Ziel der Vereinigung ist es, dass, wenigstens in einer Anfangsphase, zwei Personen anwesend sind.

Der Projektor des Kinoler stammt aus dem Ciné Scala aus Diekirch, erklärt Yves Di Bartolomeo. Das 
Objektiv wurde so erneuert, dass der Projektor auch Filme in 3D ausstrahlen kann.
Der Projektor des Kinoler stammt aus dem Ciné Scala aus Diekirch, erklärt Yves Di Bartolomeo. Das 
Objektiv wurde so erneuert, dass der Projektor auch Filme in 3D ausstrahlen kann.
Foto: Pierre Matgé

Sechs Filmvorstellungen pro Woche

Diese werden sechs Mal pro Woche in den Einsatz müssen, die Vorstellungen sind von mittwochs bis sonntags jeweils um 20 Uhr vorgesehen. Am Sonntagnachmittag wird um 15 Uhr zusätzlich ein Kinderspielfilm gezeigt. Derzeit zählt die Vereinigung elf Mitglieder.

Henri Knuppertz ist es aber nicht bange, dass noch welche dazukommen. „Vor Jahren waren die Leute noch skeptisch, sagten, aus dem Kinoprojekt werde eh nichts. Jetzt, wo der Saal steht, ist das aber anders.“

Künstler Alain Welter, bekannt durch sein Projekt „Make Koler kooler“, hat das neue Dorfzentrum auf seine Art verschönert.
Künstler Alain Welter, bekannt durch sein Projekt „Make Koler kooler“, hat das neue Dorfzentrum auf seine Art verschönert.
Foto: Pierre Matgé

Der Plan B

Einen Plan B hat die Gemeinde aber dennoch. Sollte der Kinosaal in Zukunft, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr betrieben werden, bestehe die Möglichkeit, die Sitze wieder zu entfernen und an der Außenmauer Fenster einzubauen. „Dann haben wir einen Festsaal mehr“, so Georges Fohl.

Denn das Kino ist nicht das einzig Neue, das es in Kahler gibt. Er wurde anstelle des früheren Feuerwehrbaus errichtet und an die frühere Schule angebaut. Letztere wurde renoviert und bietet nun einen Festsaal mit Platz für bis zu 100 Personen.

Noch sind die Arbeiten im Festsaal nicht abgeschlossen.
Noch sind die Arbeiten im Festsaal nicht abgeschlossen.
Foto: Pierre Matgé

Im Zwischenbau entsteht derzeit eine Küche. Im ersten Stockwerk ist ein Raum für den Club des jeunes bestimmt. Das Ganze bildet das neue „Duerfzenter Koler“. Sodass in Kahler auch damit gerechnet wird, dass Privatpersonen oder Firmen Kino-, Festsaal und Küche mieten könnten.

Neun Zuschauer, damit es aufgeht


Er hat Koler Kooler gemacht: Alain Welter
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In Kahler stellt der junge Urban Art-Künstler Alain Welter seine Werke, größtenteils auf Häuserfassaden, aus.

Ziel sei aber, mit dem Ensemble nicht großes Geld zu verdienen, stellte Georges Fohl klar. Erhofft wird sich, dass die Kinoeintrittspreise (acht Euro für Erwachsene, sechs Euro für Studenten und Kinder) die Betriebskosten decken werden.

Laut einem Businessplan müssten neun Zuschauer pro Filmvorführung gezählt werden, damit dies aufgeht, erklärte Georges Fohl. Er verstecke nicht, dass ein gewisses Risiko bestehe. Aber er zweifle nicht daran, dass es eine Nachfrage gebe. Denn das Kinoler ist das einzige Kino im Westen des Landes. „Als kleinste Gemeinde der Region Süden, profitieren unsere Bürger vom Angebot in den Nachbargemeinden. Hiermit geben wir der Region auch etwas zurück“.

Aktuelle Filme

Wie Yves Di Bartolomeo, Sekretär der Koler Bierger, erklärte, ist der Kinoler auch Mitglied im Centre de diffusion et d'animation cinématografique. Dies sei die Gruppierung der kleineren Kinos in Luxemburg. Dies würde es erlauben, die aktuellsten Filme zu zeigen.

Kosten ließ sich die Gemeinde das Projekt 3,63 Millionen Euro, wovon ein Drittel für den Kinosaal investiert wurde. Während in der früheren Schule noch die letzten Arbeiten fertiggestellt werden, steht auch im Außenbereich noch Arbeit bevor.

Die Fassade der früheren Schule in der Rue Principale wurde erhalten. Der Kinoler befindet sich in einem Neubau dahinter.
Die Fassade der früheren Schule in der Rue Principale wurde erhalten. Der Kinoler befindet sich in einem Neubau dahinter.
Foto: Pierre Matgé

In der Nähe soll ein nichtversiegelter Parkplatz mit etwa 20 Stellplätzen entstehen. Zurzeit gebe es bereits zehn Plätze beim Gebäude sowie 14 hinter der Kirche. Im Kinosaal fehlen dagegen nur mehr die Zuschauer. Nach einer offiziellen Einweihung am 30. November steht der ersten Filmvorführung am 1. Dezember nichts mehr im Weg. Dann soll übrigens auch ein luxemburgischer Superheld mit von der Partie sein. Denn der erste Film, der im Kinoler ausgestrahlt wird, heißt "Superjhemp Retörns".


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