Kinder mit dem Gürtel bestraft: Haftstrafe für Prügeleltern gefordert
Die Eltern riskieren zwischen zwölf und 18 Monate Haft.

Kinder mit dem Gürtel bestraft: Haftstrafe für Prügeleltern gefordert

Foto: Pierre Matgé
Die Eltern riskieren zwischen zwölf und 18 Monate Haft.
Lokales 2 Min.27.01.2018

Kinder mit dem Gürtel bestraft: Haftstrafe für Prügeleltern gefordert

Steve Remesch
Steve Remesch

Mehrmals in der Woche wurden zwei neun- und 17-jährige Jungen aus dem Süden des Landes von Mutter und Vater mit Gürtelschlägen gezüchtigt. Nun droht den Eltern eine Gefängnisstrafe.

(str) - In der Maison relais war man darauf aufmerksam geworden, dass bei einem der Kinder zu Hause wohl etwas nicht stimmte. Erst zögerlich und gegenüber der Polizei gab ein neunjähriger Junge zu, dass er, genau wie sein inzwischen siebzehnjähriger Bruder, von seinen Eltern mit Prügel bestraft werde: mit dem Gürtel auf Rücken, Gesäß und Oberschenkel und das alle zwei bis drei Tage – beispielsweise wenn die Brüder sich wegen der Playstation zanken würden.

Das letzte Mal sei es kurz vor Weihnachten dazu gekommen, sagt der Junge einem Kriminalermittler im Januar 2017. Seitdem habe es keine Prügel mehr gegeben, aber auch nur weil Familienbesuch im Haus sei und in Anwesenheit von Fremden gebe es nunmal keine Schläge.

Er wolle nicht, dass seine Eltern gestraft würden, sagte der Junge dem Polizisten unter Tränen, doch er wünsche sich sehr, dass die Schläge aufhören würden.

Geduldiger Richter

Der vorsitzende Richter der 19. Strafkammer nahm sich am Freitag redlich Zeit, um den Eltern den Sachverhalt zu erklären. Beide seien wegen Gewalt gegenüber Kindern angeklagt, sagte er.

Aber Schläge dürften niemals eine Erziehungsmaßnahme sein. Sie seien sich dessen vielleicht nicht bewusst, aber physische und psychische Gewalt habe schlimme Konsequenzen für die Entwicklung der Heranwachsenden.

Bereits jetzt, zeige sich, dass die Kinder Gewalt als etwas normales ansehen würden, doch das dürfe sie niemals sein. Gewalt traumatisiere die Kinder und führe dazu, dass sie irgendwann das gleiche Verhalten gegenüber anderen Menschen an den Tag legen würden.

„Wenn Sie weiter Ihre Kinder aufziehen wollen, dann müssen Sie andere Wege finden“, ermahnte der Richter die Eltern unmissverständlich. Schläge dürfe es nie wider geben.

Besonders schwerwiegend durch Regelmäßigkeit

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hob indes hervor, es sei nicht die Brutalität der Schläge, die diesen Fall so schwerwiegend mache. Vielmehr sei die Regelmäßigkeit der Prügel, alle zwei bis drei Tage, gravierend.

Zudem hätten die Eltern sich bemüht, ihre Taten herunterzuspielen. So hatte der Vater gemeint, das seien keine wirklichen Schläge gewesen und wirklich regelmäßig habe man die Kinder auch nicht bestraft.

„Sie müssen aber lernen, zu erkennen, was Sie ihren Kindern tatsächlich antun“, hob die Anklägerin hervor.

Deshalb forderte sie eine Haftstrafe von zwölf Monaten für den Vater und von 18 Monaten für die Mutter, sowie eine Geldstrafe für beide.

Das Urteil ergeht am 16. Februar.