Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Keine unerschöpfliche Quelle
Lokales 4 Min. 24.08.2019

Keine unerschöpfliche Quelle

Sauberes Trinkwasser wird immer öfter zur seltenen Ressource

Keine unerschöpfliche Quelle

Sauberes Trinkwasser wird immer öfter zur seltenen Ressource
Getty Images
Lokales 4 Min. 24.08.2019

Keine unerschöpfliche Quelle

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Umweltministerium kündigt Studien zur künftigen Trinkwassergewinnung an.

Auch wenn in den vergangenen Tagen wieder mehr Regen vom Himmel fiel, so sind die Grundwasserspiegel weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau. In seinem Ende Juli veröffentlichten Dreimonatsbericht stellt das Wasserwirtschaftsamt fest, dass von den ersten sieben Monaten des Jahres nur der März und der April überdurchschnittlichen Niederschlag aufzeigten.

Weil aber bereits der vergangene Winter nach dem Trockensommer 2018 ein Defizit brachte, konnten sich die Grundwasserspeicher bisher nicht erholen. Dies zeigt sich auch in den vergleichsweise niedrigen Fördermengen der Referenzquellen.

Kumulierte Defizite

Da sich die negativen Effekte von Hitzesommer und trockenem Winter addieren, benötigt es jetzt mehrere Jahre mit überdurchschnittlichen Niederschlägen, um die Pegel wieder auf Durchschnittswerte ansteigen zu lassen. Wichtig sind dabei vor allem die Niederschläge während der Wintermonate, die sogenannten effizienten Niederschläge. Während die Sommerniederschläge fast komplett von der Vegetation aufgesaugt werden, können einzig die Winterniederschläge bis zum Grundwasser durchsickern. Das Wasserwirtschaftsamt wird die Situation jedenfalls weiterhin im Auge behalten und wenn nötig zum sparsamen Umgang aufrufen.

„Grundsätzlich ruht unsere Zukunftsstrategie auf drei Pfeilern“, so der Direktor des Wasserwirtschaftsamtes Jean-Paul Lickes. „Wir müssen unser Grundwasser gezielt schützen, dies durch das Ausweisen von Schutzzonen, zweitens müssen wir sparsamer mit der seltenen Ressource umgehen und den Pro-Kopf-Verbrauch senken. Dies geschieht unter anderem durch Kampagnen, in denen die Gemeinden und Syndikate dazu aufgerufen wurden, ihre Verteilernetze auf eventuelle Verlustpunkte und Lecks hin zu untersuchen. Der dritte Ansatz besteht im Erschließen neuer Gewinnungsmöglichkeiten. Ich denke da an erster Stelle an das Moselwasser und dessen Aufbereitung“, so Lickes.

„Wir müssen auf jeden Fall für die Zukunft gerüstet sein, denn das wirtschaftliche und demografische Wachstum sowie die steigende Zahl von Grenzgängern wird die Nachfrage weiter steigern. Auch Grenzgänger verbrauchen während ihrer Arbeitszeit in Luxemburg Wasser.“ Laut Lickes ist der Pro-Kopf-Verbrauch denn auch seit 2014 wieder gestiegen. „Sehen Sie sich nur die vielen mehrstöckigen Verwaltungsgebäude auf Kirchberg an und die Tendenz, vermehrt mit Wasser zu kühlen. Dies gilt insbesondere für die Computerserver. Eigentlich kühlen wir jetzt bereits ein Datenzenter von Google-Format, bloß fällt es keinem auf, weil es sich um Tausende von Kleinanlagen handelt.“


Ein sorgsamer Umgang mit dem kühlen Nass wird empfohlen.
Grundwasserspiegel: Jeder Tropfen zählt
Nach der Dürre des vergangenen Jahres hat sich der Grundwasserpegel noch nicht erholt.

Studien für weitere Bohrungen

Auch das Umweltministerium denkt über weitere Tiefenbohrungen nach, um für die wachsende Nachfrage gerüstet zu sein. Ab Ende des Jahres sollen demnach eine Reihe von Studien durchgeführt werden, um die Machbarkeit und die Umweltimpakte solcher Bohrungen zu überprüfen. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage des Abgeordneten Gusty Graas (DP) stellt Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) zugleich klar, dass bei Bohrungen in einer Tiefe von mehr als 150 Metern Auswirkungen auf die Qualität des Grundwassers nicht ausgeschlossen werden können. Zudem sind die Reserven in dieser Tiefe nicht ausreichend, um die nationale Trinkwasserversorgung zu sichern.

Viele ungenutzte Quellen

Die Umweltministerin liefert zugleich zahlreiche Angaben, was die bestehende Trinkwasserversorgung betrifft: So wurden 2018 insgesamt 44,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für das öffentliche Versorgungsnetz aus 270 Quellen und 69 Brunnenbohrungen gewonnen. Rund fünf Prozent des Trinkwassers aus Quellen und Bohrungen wurde hingegen von Unternehmen genutzt, sei es für die Lebensmittelherstellung, landwirtschaftliche Aktivitäten oder für Reinigungszwecke. Insgesamt machte dieses Volumen 2,3 Millionen Kubikmeter aus.

Bedenklich bleibt zudem der Umstand, dass zwölf Prozent des jährlich gewonnenen Trinkwassers nicht genutzt werden können. So gehen rund 5,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verloren, weil die Quellen durch landwirtschaftliche Produkte wie Nitrat oder Pestizidabbaustoffe wie Metazachlor belastet sind.

Um die Qualität des belasteten Trinkwassers zu verbessern, will man laut Umweltministerin vor allem auf Vorbeugung und nicht auf Schadensbehebung, sprich Aufbereitung, setzen. So würde eine aufwendige Aufbereitung des belasteten Wassers hohe Kosten nach sich ziehen. Die weitere Konsequenz wäre eine Verteuerung des Trinkwassers. Das Umweltministerium setzt deshalb auf Vorbeugung durch Schutz der Quellgebiete. So wurden vor rund fünf Jahren die ersten Trinkwasserschutzzonen beschlossen. Sie legen sich ringförmig um die Quelle und sind je nach Abstand zur Quellfassung mit Auflagen verbunden. Das Ausbringen von Dünger und Pestiziden ist innerhalb dieser Zonen stark reglementiert.

Zudem werden zusammen mit landwirtschaftlichen Kooperativen Wege erkundet, um die Böden in der Nähe von Quellen so zu nutzen, dass der Einsatz von Düngern und Pestiziden vermieden werden kann. Solche Programme werden laut Dieschbourg finanziell bezuschusst, dies über den Fonds pour la gestion de l'eau. Da das Wasser aber im Schnitt fünf bis 15 Jahre braucht, um von der Oberfläche bis zur Quelle durchzusickern, kann man laut Dieschbourg den Impakt dieser Maßnahme noch nicht nachweisen.

In der Tat haben Analysen gezeigt, dass sich die Qualität der betroffenen Quellen noch nicht verbessert hat. Nachhaltig könne man die Trinkwasserqualität aber nur garantieren, wenn solche Schutzmaßnahmen akzeptiert und durchgesetzt werden, erklärt die Umweltministerin.

Keine Nutzung als Kühlwasser

Eine Nutzung der belasteten Quellen als Kühlwasser oder für andere Zwecke wird vom Wasserwirtschaftsamt abgelehnt. Einerseits sind diese Quellen an das nationale Trinkwassernetz angeschlossen, sodass eine anderweitige Nutzung wiederum neue Anschlüsse erforderlich machen würde. Zudem tragen saubere Quellen auch allgemein zu einer guten Gewässerqualität und damit zu gesunden Ökosystemen bei. Verbesserung der Wasserqualität durch technische Mittel, Reduzierung der Belastung und sparsamer Verbrauch sind dabei laut Dieschbourg die allgemeinen Leitlinien, die sich die Regierung als Vorgabe gesetzt hat.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lokale Engpässe möglich
Die sehr hohe Nachfrage an Trinkwasser während Hitzewellen führt verschiedene Gemeinden an ihre Liefergrenzen
Die Trinkwasserversorgung kann in verschiedenen Gemeinden zeitweise an ihre Grenzen stossen.
Google im Anflug
Der Gemeinderat Bissen stimmt am Donnerstag über die definitive Umklassierung des künftigen Google-Geländes ab.
Auf insgesamt 33,7 Hektar will der Internetgigant Google sein Datencenter bei Bissen errichten.
Eine Kühlung für Google
Es bleiben noch viele offene Fragen, was den Bau eines Datenzentrums in Bissen betrifft. Derzeit wird an der Umklassierung des 33,7 Hektar großen Geländes gearbeitet.
Das geplante Google-Gelände in Bissen
Kostbares Nass besser schützen
Wegen steigender Einwohnerzahlen braucht Luxemburg immer mehr Trinkwasser. Umweltministerin Dieschbourg erinnert an die Bedeutung der Wasserschutzgebiete.