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Keine Oktave ohne „O Mamm, léif Mamm“
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Keine Oktave ohne „O Mamm, léif Mamm“

... sowie aus den Pfarrverbänden Hostert-Niederanven-Schüttringen, Sandweiler-Syrdall und Junglinster.

Keine Oktave ohne „O Mamm, léif Mamm“

... sowie aus den Pfarrverbänden Hostert-Niederanven-Schüttringen, Sandweiler-Syrdall und Junglinster.
Guy Jallay
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Keine Oktave ohne „O Mamm, léif Mamm“

Die Muttergottesoktave ist kaum vorstellbar ohne den Gesang der Chöre und der Gläubigen. Lieder wie „O Mamm, léif Mamm do uewen“ und „Léif Mamm, ech weess et net ze soen“, untermalt vom ergreifenden Klang der Orgel, gehören für viele Pilger zu den Highlights der Oktave.

(raz) - Die Muttergottesoktave ist kaum vorstellbar ohne den Gesang der Chöre und der Gläubigen. Lieder wie „O Mamm, léif Mamm do uewen“ und „Léif Mamm, ech weess et net ze soen“, untermalt vom ergreifenden Klang der Orgel, gehören für viele Pilger zu den Highlights der Oktave. Der Inhalt mancher Lieder wurde während des Zweiten Weltkriegs vom Besatzer als gefährlich empfunden, weil sich darin das Nationalgefühl der Luxemburger widerspiegelte – und dies tut es bis heute.

Vor allem die älteren Lieder handeln oft von der Not, neuere stellen die Verehrung Mariens in den Vordergrund. Mit den Jugendgottesdiensten hielten derweil in jüngerer Zeit auch neue Rhythmen Einzug in die Kathedrale.

Die Rolle der Chöre im Gottesdienst hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Vor einigen Jahrzehnten wurde noch öfter als heute mehrstimmig gesungen – waren acht Stimmen früher gang und gäbe, sind heute vier Stimmen schon eine Besonderheit. Denn heute leiden die Chöre – wie viele andere Vereine – unter Nachwuchsmangel. Die Konsequenz: So mancher Gottesdienst wird durch einen zeitweiligen Zusammenschluss mehrerer Chöre verschönert. Bei einer systematischen Erhebung 1997 war festgestellt worden, dass bei 118 Gottesdiensten 56 Mal ein Gesangverein dabei war. Schwierige Messen großer Komponisten bilden heute eher die Ausnahme.

Oktavlieder werden von den Gläubigen erwartet

Wie Zeremoniar Claude Bache erklärt, trifft das allerdings den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils: Die kirchlichen Würdenträger hatten bei ihrer Tagung von 1962 bis 1965 festgehalten, dass die Gläubigen verstärkt in den Gottesdienst einbezogen werden sollen – auch beim Gesang, was einen Aufschwung für volksnahe Lieder bedeutete. Diese sind es dann auch, die von den Gläubigen erwartet werden: „Ich hörte schon mehrfach von Leuten, dass sie enttäuscht waren, wenn bekannte Muttergotteslieder nicht gesungen wurden – manche sagten sogar, dass sie nicht mehr an der Oktave teilnehmen würden, wenn dies auch im folgenden Jahr so bliebe“, so Claude Bache.

„Luxemburger sind im Allgemeinen nicht sehr sangesfreudig – doch bei Oktavliedern singen viele mit.“ Eine Reaktion, die deutlich zeigt, dass die Marienlieder untrennbar mit der Oktave verbunden sind. Lieder vom Beginn der Oktave im 17. Jahrhundert werden heute nicht mehr gesungen – sie waren damals auch nicht in der Volkssprache, sondern auf Latein verfasst. Viele Lieder, vor allem deutschsprachige, stammen jedoch aus Zeiten, in denen die Menschen unter Krieg oder Pest litten. Ihr zentrales Thema, die Not, spricht aber auch heute noch viele Gläubige an, die zur „Trösterin der Betrübten“ pilgern – das Leid hat in der heutigen Zeit lediglich andere Ausdrucksformen angenommen. Bei den französischsprachigen Liedern, die oft aus jüngerer Zeit stammen, steht meist weniger die Not als vielmehr die Verehrung Mariens im Vordergrund.

Der patriotische Charakter mancher Lieder, die zum Teil kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden und während der Besatzung verboten waren, kommt bei Passagen wie „a seen onst Lëtzebuerger Land“ deutlich zum Ausdruck (siehe nebenstehenden Kasten). Am ergreifendsten für Claude Bache persönlich war eine Andacht 1993, kurz nachdem seine Mutter verstorben war. Wie üblich wurde versucht, das Thema der Oktavpredigt – damals der Tod – bei der musikalischen Umrahmung aufzugreifen. „Preist den Todesüberwinder“, hieß es im Lied „und Carlo Hommel begleitete dies so wunderbar an der Orgel, griff die traurige Moll-Stimmung der Predigt auf und ging in eine feierliche Dur-Stimmung über – das war für mich in dieser Situation ein ganz besonderes Erlebnis“, so Claude Bache. Die Botschaft lautete: „Der Tod ist nicht das Ende.“

Musikalische Höhepunkte der Muttergottesoktave

Zu den musikalischen Höhepunkten der Oktave zählen die Auftritte der „Maîtrise“ der Kathedrale – vor allem die Eröffnungsandacht, das Marienlob am zweiten und dritten Sonntag jeweils um 10.15 Uhr sowie die Schlussprozession und die Schlussandacht –, das Hochamt des Piusverbands (am 1. Mai um 18.30 Uhr), aber auch die Kleinkindersegnung am ersten Donnerstag der Oktave, wenn die Marienlieder von einem Chor aus 50 bis 70 Kindern vorgetragen werden.

Ganz auf das jugendliche Publikum zugeschnitten ist derweil das musikalische Programm des „Pélé des jeunes“ und der Gottesdienste für die Lyzeen. Mit dabei ist meist Titularorganist Paul Breisch, zuweilen spielen aber auch die Organisten aus den Pfarreien auf der Orgel.