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Keine Jugend ohne Smartphone
Lokales 4 Min. 08.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Bericht von Bee Secure

Keine Jugend ohne Smartphone

Der aus China stammende Dienst TikTok gehört mittlerweile zu den beliebtesten Apps, die Jugendliche nutzen.
Bericht von Bee Secure

Keine Jugend ohne Smartphone

Der aus China stammende Dienst TikTok gehört mittlerweile zu den beliebtesten Apps, die Jugendliche nutzen.
Foto: dpa
Lokales 4 Min. 08.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Bericht von Bee Secure

Keine Jugend ohne Smartphone

Glenn SCHWALLER
Glenn SCHWALLER
Der Bee Secure Radar liefert Einblicke in die Nutzungsdaten der digitalen Welt für Kinder und Jugendliche und klärt über Gefahren auf.

Sie sind nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken: elektronische Kommunikations- und Informationsgeräte wie Smartphones und Tablets. Vor allem Kindern und Jugendlichen wird nachgesagt, ihre Blicke kaum noch von den unterschiedlichen Bildschirmen lösen zu können. Darüber, welche Geräte sie tatsächlich in welchem Ausmaß nutzen und welche Risiken dabei lauern, liefert der Bericht „Bee Secure Radar“ nun erstmals Auskunft. 

Am Dienstag wurde dieser von Bee Secure vorgestellt, einer Initiative der Regierung, die sich die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Internet auf die Fahnen geschrieben hat und vom Service National de la Jeunesse (SNJ) koordiniert wird. 

Einblick in die Nutzung digitaler Medien

Der Bericht erhebe zwar nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Studie, wie Georges Metz, Direktor des SNJ erklärte, soll dennoch einen Einblick in die Nutzung digitaler Medien durch Kinder und junge Erwachsene ermöglichen.


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Zurückgegriffen wurde bei dessen Erstellung primär auf die Daten zweier Studien, an denen zum einen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 17 bis 30 Jahren teilgenommen haben, zum anderen Eltern von Kindern im Alter von drei bis 16 Jahren befragt wurden.

Erstes Smartphone bereits im Alter von sechs Jahren

Ein erstes Ergebnis des Berichtes, das jedoch kaum verwunderlich erscheint: Das Smartphone übertrumpft bei den Nutzungszahlen alle anderen elektronischen Geräte deutlich. Lediglich bei den Kindern unter elf Jahren rangiert das Handy hinter dem Fernseher und dem Tablet erst an dritter Stelle. 

Bei den Befragten im Alter von 17 bis 30 Jahren gibt hingegen jeder an, ein eigenes Smartphone zu besitzen. Auffallend ist zudem, dass über 40 Prozent der Kinder ihr erstes Smartphone bereits vor ihrem zwölften Lebensjahr erhalten. Auch gibt es Einzelfälle, in denen Kinder schon im Alter von sechs Jahren über ein eigenes Mobiltelefon verfügen. 

Neben dem Besitz und Zugang zu elektronischen Geräten wurde auch gefragt, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche täglich vor den jeweiligen Bildschirmen verbringen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Alterskategorie. 

Oft mehr als drei Stunden täglich am Smartphone

Während bei den Kindern, die jünger als elf Jahre sind, nur sehr wenige mehr als drei Stunden pro Tag am Smartphone verbringen, nutzen an Wochentagen hingegen knapp die Hälfte der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 16 Jahren ihre Mobiltelefone mehr als drei Stunden täglich. Am Wochenende sind es gar rund 60 Prozent. 


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Bei den 17- bis 30-Jährigen fallen diese Werte noch höher aus. In dieser Alterskategorie geben demnach rund 70 Prozent an, an den beiden Wochenendtagen jeweils mehr als drei Stunden täglich ihr Handy zu nutzen.

Doch auch die Intention der Nutzung des Smartphones ändert mit zunehmendem Alter. Während Kinder die mobilen Telefone primär zum Spielen, um sich Videos anzuschauen und Musik zu hören nutzen, kommt für Jugendliche und junge Erwachsene das Kommunizieren an erster Stelle, gefolgt von Musikhören, der Nutzung sozialer Medien und, etwas überraschend, dem Telefonieren.

Zu den beliebtesten Apps, die Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren nutzen, gehören aktuell Snapchat, TikTok und YouTube. Bei den etwas älteren Nutzern zwischen 17 und 30 Jahren führen neben YouTube Facebook und Instagram die Rangliste an.

Zahlreiche Risiken und Gefahren

Dass das Internet sowie die unterschiedlichen Kommunikationsgeräte durchaus eine Bereicherung des alltäglichen Lebens darstellen, kann nicht angezweifelt werden. Dennoch lauern in der digitalen Welt auch zahlreiche Gefahren und Risiken. Diese wurden ebenfalls bei den Befragungen aufgegriffen.

Hierbei zeigt sich, dass Eltern in erster Linie befürchten, dass ihr Nachwuchs allgemein zu viel Zeit online verbringt. Auch wegen nicht altersgerechter Inhalte haben viele Eltern Bedenken, ebenso wie aufgrund des Abgreifens von persönlichen Daten im Zuge der Nutzung von Online-Diensten.

Gefährlicher Einfluss durch Influencer

Eine weitere Befürchtung vieler Eltern: ein zu großer Einfluss von Influencern auf ihre Kinder. In diesem Zusammenhang sei vor allem das auf Perfektion ausgerichtete Bild, das viele Influencer über die sozialen Medien vermitteln wollen, problematisch, da sich Kinder und Jugendliche zu sehr an diesem orientieren würden, wie Dora Pereira Fernandes und Christine Konsbrück, welche beim SNJ für die Ausarbeitung der Studie verantwortlich sind, erklärten. 


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Mit zunehmendem Alter gewinnt darüber hinaus die Gefahr durch sogenannte Fake News für die Befragten an Bedeutung. Das Risiko, das von bewusst gestreuten Falschmeldungen, die vor allem in den sozialen Medien zirkulieren, ausgeht, liegt bei den Befragten in der Alterskategorie der 17- bis 30-Jährigen sogar an erster Stelle. 

Zudem gehören auch Hass und Gewalt durch alle Altersschichten der Umfrageteilnehmer hindurch zu den zentralen Gefahren, die genannt wurden. Hierzu zählt neben Videos, die Gewalt zeigen, in erster Linie auch das Cybermobbing.

Eltern fühlen sich gut informiert

Trotz aller Gefahren glauben die meisten Eltern jedoch, gut über die Aktivitäten ihres Nachwuchses in der digitalen Welt informiert zu sein. Nur ein geringer Anteil der Befragten gibt an, nicht oder nur unzureichend Kenntnis der Handlungen ihrer Kinder zu haben, auch wenn sich dieser Anteil mit steigendem Alter der Kinder erhöht.

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