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Keine Filmstudios in Düdelingen
Lokales 3 Min. 02.10.2019

Keine Filmstudios in Düdelingen

Keine Filmstudios in Düdelingen

Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 02.10.2019

Keine Filmstudios in Düdelingen

Anne Julie HEINTZ
Anne Julie HEINTZ
Abfuhr für Düdelingen: Filmindustrie wird sich nicht auf ehemaligem Industriegelände Neischmelz ansiedeln.

Das Vorhaben, die Filmindustrie auf der Industriebrache Neischmelz in Düdelingen anzusiedeln, ist gescheitert. Im Juli haben die zuständigen Minister den Schöffenrat über diese Entscheidung in Kenntnis gesetzt. Mit einem Kostenpunkt von 22 Millionen Euro sei das Unterfangen „zu teuer“. Dies teilte der Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) dem Gemeinderat in der jüngsten Sitzung mit.

„Ich bin bitter enttäuscht über diese Entscheidung der Regierung. Dass die Cité du film ihre Umsetzung nicht in Düdelingen finden wird, stößt mir sauer auf. Mit großer Zufriedenheit haben wir im Dezember 2018 im Koalitionsabkommen lesen können, dass das Projekt von nationaler Bedeutung in Düdelingen unterstützt werden würde. Acht Monate später dann die Abfuhr“, erklärt der Düdelinger Bürgermeister.

Identitätsbildendes Projekt

Die Niederlassung der Filmindustrie auf dem ehemaligen Industriegelände hätte zur neuen Identität des zukünftigen Ökoviertels Neischmelz beitragen können. Dies neben der Unterbringung von über 1 000 Wohnungen auf dem 40 Hektar großen Areal, der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem umfangreichen Freizeitangebot, das dort geplant ist.


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„Zudem hätte die Filmindustrie noch enger mit dem Centre national de l'audiovisuel (CNA) zusammenarbeiten können, das sich in direkter Nähe befindet. Ein nationaler Knotenpunkt für audiovisuelle Projekte hätte geschaffen werden können“, so Biancalana.

Vielmehr aber noch sei zu bedauern, dass sich seitens der Regierung nicht an die Abmachung gehalten wurde, die 2005 bei der endgültigen Schließung des Kaltwalzwerks in Düdelingen zwischen der damaligen Regierung, der Kommune und den Gewerkschaften getroffen wurde. „Nämlich den Abbau von Arbeitsplätzen zu kompensieren, indem ein Projekt mit nationalem Charakter in Düdelingen verwirklicht wird, das neue Arbeitsplätze mit sich bringt und Menschen anzieht“, sagt der Bürgermeister.

Kostenpunkt verdreifacht

2007 sowie 2008, als man zusammen mit der Union luxembourgeoise de la production audiovisuelle (ULPA) zusammengesessen habe, um deren Bedürfnisse auszuloten, habe sich der Kostenpunkt des Projekts auf 7,2 Millionen Euro belaufen. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Branche hat sich der Kostenpunkt aber verdreifacht. Dies hat 2017 die Analyse eines Studienbüros ergeben.

Auf 19 000 Quadratmetern hätte sich die Filmindustrie auf dem Gelände entfalten können. Die Stahlwerkshalle, ein Teil der Hall Fondouq, das Walzwerk und die Maison rouge waren zur Nutzung vorgesehen. Dan Biancalana versicherte unterdessen, dass seitens der ULPA nach wie vor das Interesse bestehe, sich in Düdelingen anzusiedeln. Auch untermauerte er, dass sich die Stadt Düdelingen dafür einsetzen werde, dass im Gegenzug für das geplatzte Projekt ein gleichwertiges Unterfangen mit nationaler Reichweite in Düdelingen umgesetzt werde. In diesem Zuge erinnerte er ein weiteres Mal an das Engagement der Regierung von 2005.

Mangelnde Transparenz

„In vielen anderen Gemeinden wurde in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von nationalen Projekten realisiert. Wir gönnen diesen Kommunen das. Nur stellen wir fest, dass in Düdelingen nur wenige ihre Umsetzung finden“, unterstreicht der Bürgermeister. Auch die Oppositionsräte bedauerten die Tatsache, dass das Projekt Filmindustrie in Düdelingen gestorben sei. Michèle Kayser-Wengler (CSV) zeigte sich zudem enttäuscht darüber, dass wiederum nicht mit den Oppositionsräten in den vorangegangenen Ratssitzungen über die Weiterentwicklung des Projekts gesprochen worden sei. Das Projekt Neischmelz sei ein Aushängeschild für die Stadt Düdelingen.

„Hier gilt es, schnellstmöglich weiter mit der Regierung zu verhandeln und Druck auszuüben, damit das Gelände – sowohl in Bezug auf die Erhaltung der Gebäulichkeiten als auch in Hinsicht auf die Kulturhauptstadt Esch 2022 – seine Geltung findet“, sagte die Oppositionsrätin und forderte den Schöffenrat dazu auf, Nägel mit Köpfen zu machen und klare Worte bei der Regierung zu finden.

Raum für Interpretation

Robert Garcia (Déi Gréng) deutete darauf hin, dass die Formulierung im Koalitionsabkommen in Bezug auf das Projekt Filmindustrie in Düdelingen mit Vorsicht zu genießen sei. Dort heiße es lediglich, dass das Vorhaben „unterstützt“ werde. Dies lasse Raum für Interpretation, so Garcia. Auch forderte er den Schöffenrat dazu auf, überprüfen zu lassen, welch andere Projekte auf dem Industriegelände umgesetzt werden könnten. Vorhaben, die ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit dem CNA erfolgen könnten und die gleichzeitig interessanter für die Öffentlichkeit seien als geschlossene Filmstudios.

Yves Jadin (Déi Lénk) äußerte seinen Unmut darüber, dass, wenn ein nationales Fußballstadion 18 Millionen teurer als geplant wird, es niemanden ärgert. Dass, wenn ein nationales Projekt in Düdelingen 22 Millionen Euro kosten soll, es aber zu teuer ist.


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