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Kein Paradies für Drogenhändler
Brennpunkt Rue de Strasbourg: Der Platz vor der Schule soll in den kommenden Wochen komplett umgestaltet werden.

Kein Paradies für Drogenhändler

Foto: Anouk Antony
Brennpunkt Rue de Strasbourg: Der Platz vor der Schule soll in den kommenden Wochen komplett umgestaltet werden.
Lokales 2 Min. 13.09.2013

Kein Paradies für Drogenhändler

„Wir lieben unser Stadtviertel, wollen aber die Unsicherheit nicht mehr hinnehmen“, das war der Grundtenor einer Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der hauptstädtischen Rue de Strasbourg, bei der sich Verantwortliche aus der Lokalpolitik und der Polizei den Anwohnern stellten.

(str) - „Wir lieben unser Stadtviertel, wollen aber die Unsicherheit nicht mehr hinnehmen“, das war der Grundtenor einer Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der hauptstädtischen Rue de Strasbourg, bei der sich Verantwortliche aus der Lokalpolitik und der Polizei den Anwohnern stellten.

Mehr als 200 Menschen waren zur Versammlung im „Centre sociétaire“ gekommen und die nahmen kein Blatt vor den Mund. Ob die Stadt das Viertel bereits aufgegeben habe, wollte etwa ein aufgebrachter Anwohner wissen. Man werde täglich Zeuge von Straftaten, die nicht geahndet würden. Von der Polizei fühle man sich im Stich gelassen, hieß es weiter. Es sei ein brutales Spektakel, das den Schulkindern tagtäglich zugemutet werde.

Die Rue de Strasbourg sei zu einem Paradies für Drogendealer geworden, Gruppen von Alkoholikern hätten den öffentlichen Raum eingenommen und Spritzen und Blutspuren gebe es allenthalben. Trotz allem sei das Viertel ein Musterbeispiel für eine multikulturelles Zusammenleben. Und auch in der Schule würde eine vorbildliche Arbeit geleistet, indem man Kinder schon früh auf die sozialem Umstände in ihrem Umfeld aufkläre.

Gefordert wurden eine permanente Polizeipräsenz in der Rue de Strasbourg, direkte Sanktionen für Drogendealer und für Prostituierte, die sich nicht an die Vorschriften halten, sowie eine Kameraüberwachung, wie es sie bereits auf dem Bahnhofsvorplatz gibt.

Der Regionaldirektor der Polizei René Lindenlaub hatte Mühe den aufgebrachten Anwohnern die materiellen, personellen und gesetzlichen Grenzen, denen die Polizei unterliegt, nahezubringen. So können Polizisten in Luxemburg beispielsweise keinen Platzverweis erteilen.

Über Nacht sind auf dem gesamten Stadtgebiet und in den Gemeinden Walferdingen und Hesperingen nur 30 Beamte im Einsatz – das bei Vollbesetzung. Im Bahnhofsviertel sind nachts sechs Beamte im Dienst. Eine Reserve wie im Ausland gebe es in Luxemburg nicht, bedauerte René Lindenlaub. Gleich am Tag nach der Versammlung werde er sich aber mit dem Polizeigeneraldirektor zusammensetzen, um an einer Lösung der Probleme im Bahnhofsviertel zu arbeiten, versprach er abschließend.

Er werde beim Innenminister mehr Mittel für die Polizei einfordern, betonte Bürgermeister Xavier Bettel nach der Versammlung gegenüber wort.lu. „Als Hauptstadt haben wir andere Bedürfnisse als andere Gemeinden“, erklärte er. Drogenabhängige und Dealer hätten in den vergangenen Monaten die Überhand gewonnen. Hier müssten sofortige Maßnahmen getroffen werden. Eine davon sei es, Bürgerkomitees zu schaffen, mit denen man sich monatlich treffe und die es erlauben würden, schnell auf konkrete Probleme zu reagieren.

Sozialschöffin Viviane Loschetter kündigte mehrere weitere Sofortmaßnahmen an: So soll beispielsweise bereits in den kommenden Tagen der Platz vor der Schule in der Rue de Strasbourg neu gestaltet werden. Zudem soll auch der Einsatz eines privaten Wachdienstes ausgebaut werden und der städtische Hygienedienst soll mehrfach am Tag das direkte Umfeld der Schule von von Drogenkonsumenten und Prostituierten rücksichtslos weggeworfenen, gebrauchten Spritzen und Kondomen befreien.


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