Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kehlen: Félix Eischen ärgert sich über Immobilienagentur
Auf 27 Hektar Land nahe Olm entstehen in den kommenden Jahren rund 750 Wohnungen. Dies in drei Siedlungen, die gemeinsam die neue Ortschaft Elmen bilden werden.

Kehlen: Félix Eischen ärgert sich über Immobilienagentur

Foto: Pierre Matgé
Auf 27 Hektar Land nahe Olm entstehen in den kommenden Jahren rund 750 Wohnungen. Dies in drei Siedlungen, die gemeinsam die neue Ortschaft Elmen bilden werden.
Lokales 4 Min. 18.01.2019

Kehlen: Félix Eischen ärgert sich über Immobilienagentur

Luc EWEN
Die Gemeinde Kehlen prüft juristische Schritte gegen eine Immobilienagentur, die dieser Tage ein Flugblatt verteilte, um ihre Dienste beim Verkauf von Immobilien rund um das Großbauprojekt Elmen anzubieten. Bürgermeister Félix Eischen gibt klar zu verstehen, dass er vor Wut schäumt.

„Dat ass een décken Hummer", erbost sich der Kehlener Bürgermeister, Félix Eischen, über eine Werbung, die derzeit in seiner Gemeinde verteilt wird. Worum geht es?

Es ist das Flugblatt einer privaten Immobilienagentur aus Merl, die unter dem Namen einer bekannten Franchisemarke operiert, die für Aufregung im Kehlener Rathaus sorgt. 

Auf der ersten Seite des Flugblattes, das offenbar an viele Haushalte in der Umgebung verteilt wurde, sind mehrere Grafiken, die offenbar von der Société Nationale des Habitations à Bon Marché (SNHBM) stammen, zu sehen. Sie zeigen Pläne für das soziale Wohnungsbauprojekt Elmen. Darüber prangen in den Farben der Immobilienkette die Sätze: „D'importants changements dans votre quartier!“ verbunden mit der Frage, ob jetzt der Moment gekommen sei, das eigene Gut zu verkaufen.

Frage nach Wertverlust wird gestellt

Auf der nächsten Seite dann werden augenscheinlich gute Gründe geliefert, um diese Frage mit „Ja“ zu beantworten. So heißt es dort – ohne das auf den Grafiken gezeigte Wohnungsbauprojekt Elmen beim Namen zu nennen: „Le chantier et ses conséquences à long terme!“. Dann folgt eine Aufzählung: Eine Baustelle sei gleichzusetzen mit Lärmbelästigung über mehrere Jahre hinweg. Mehr Einwohner bedeute mehr Verkehr.

Mehr Verkehr bedeute negative Folgen für die täglichen Bewegungen, sowohl beruflicher wie privater Arte und, so wird auf dem Flugblatt geschlussfolgert: Man müsse sich die Frage stellen, ob das eigene Immobiliengut nicht an Wert verlieren wird.

Daneben sind die Bilder von zwei Häusern zu sehen, welche die Immobilienagentur aus Merl angeblich bereits in der Umgebung verkauft hat, beziehungsweise derzeit im Angebot hat. Mit dem freundlichen Hinweis, zwei Mitarbeiter der Firma, deren Foto samt Telefonnummer abgedruckt ist, stünden zur Beratung zur Verfügung.

Wut im Rathaus

„Es kann doch nicht sein, dass ein politisches Projekt aus rein kommerziellen Interessen derart schlecht geredet wird“, erbost sich Bürgermeister Félix Eischen in einer ersten Reaktion im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“. „Heute lassen diese Menschen die Einwohner aus unserer Gemeinde glauben, wegen Elmen würde der Wert ihrer Immobilie abnehmen und morgen erzählen sie Interessenten die zuziehen wollen, wegen den Vorzügen von Elmen sei ein Objekt in dieser Lage nun unglaublich viel wert.“

Die wohl durchdachte Bautenpolitik der Gemeinde werde aus purer Geschäftemacherei öffentlich als schädigend dargestellt. „Dat ass een décken Hummer“, so ein erregter Félix Eischen, dem die Wut sichtlich und hörbar anzumerken ist. Man habe bereits Rücksprache mit der SNHBM genommen, deren Grafiken auf dem Flugblatt abgedruckt sind und werde nun auch den Rechtsberatern der Gemeinde eventuelle juristische Schritte prüfen.

Update: Auch SNHBM reagiert

Später am Freitag äußert sich auch SNHBM-Direktor Guy Entringer. Er zählt die Gründe auf, wieso Elmen den Wert der umliegenden Immobilien wird steigen lassen. „Wir schaffen eine Maison pour tous, ein Supermarkt wird sich ansiedeln, es wird mehr Busverbindungen geben, ein Kinderhort wird entstehen und Ärztepraxen kommen nach Elmen“, listet er auf. „Hier wird die Intelligenz der Leute infrage gestellt“, meint er. „Oder glauben Sie etwa, dass der Makler den gleichen Flyer verwendet, wenn er nach Käufern sucht?“

Zwar sei es richtig, dass Baumaterialien mit Lastwagen herangeschafft werden müssen, gesteht Entringer ein. Aber: „Wir unterkellern nur vier Prozent der Gesamtfläche.“ Es werde also fast gar kein Bauschutt abgeführt, weshalb die Belästigung durch Lastwagen während der Bauarbeiten minimal sei. Zudem sei beschlossen worden, die Kreuzung am Eingang von Elmen neu zu gestalten, um auch künftig das Fließen des Verkehrs zu gewährleisten.

„Nicht persönlich gemeint“

Von dieser ganzen Aufregung überrascht zeigt sich im Gespräch mit dem LW der Eigentümer der Immobilienagentur Remax Forum, Romain Butgenbach. Zwar habe er im Vorfeld den Flyer gesehen, der stamme aber von einem unabhängigen Agenten, der selbst aus der Nachbargemeinde Koerich komme und daher die Nachbarn des Projektes Elmen gut kenne. So habe der Agent von den bereits bestehenden Sorgen der Anwohner, was den Wert ihrer Immobilien angeht, erfahren.

Man habe mit dem Flyer lediglich darauf aufmerksam machen wollen, dass man diese Sorgen verstehe und sich als Vermittler anbiete. Dass nicht jeder froh über die Aktion sei, könne er verstehen, so Romain Butgenbach. Aber nicht, dass dies nun vom Bürgermeister oder vom SNHBM-Direktor persönlich genommen werde. Das Projekt Elmen an sich sei ein gutes Projekt, aber es sei nicht richtig, so zu tun, als ob es keine negativen Auswirkungen auf den Wert der Immobilien oder auf die Lebensqualität der Nachbarn hätte.

Die Anwohner der umliegenden Landgemeinden seien solchen Verkehr und Baustellenlärm nicht gewohnt, so der Makler. Man verfüge als Agentur aber über ausländische Kunden, die aus Großstädten kämen und denen dies nichts ausmache.

Dies sehen Félix Eischen und Guy Entringer freilich anders. Letzterer nennt die Werbeaktion „populistisch“ und „armselig“. Die Gemeinde Kehlen prüft nun rechtliche Schritte gegen die Immobilienagentur. Die SNHBM will davon absehen, unterstreicht aber, dass die Makler nicht das Einverständnis hatten, um die Grafiken der SNHBM auf dem Flyer abzudrucken.

Das Projekt Elmen

Auf 27 Hektar Land nahe Olm entstehen derzeit und in den kommenden Jahren rund 750 Wohnungen. Dies in drei Siedlungen, die gemeinsam die neue Ortschaft Elmen bilden werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Eine neue Ortschaft entsteht
Mit dem neuen Großbauprojekt Elmen soll der Wohnungsnot entgegengetreten werden. Der erste Spatenstich war am Donnerstag.
Erster Spatenstich Wohnprojekt “Elmen“ - Photo : Pierre Matgé
SNHBM lässt neue Dörfer entstehen
Die Société nationale des habitations à bon marché hat sowohl ihr Personal als auch ihr Angebot 2017 weiter aufgestockt. Mit der Erschaffung eines neuen Dorfes im Dorf startet in Olm bald ein Großprojekt.
In Kirchberg befinden sich die Mehrfamilienhäuser in der Abschlussphase. 450 Wohnungen wurden im Domaine du Kiem von der Société nationale des habitations à bon marché gebaut.
Wohnungsbau: Koerich blockiert Wohnungsbauprojekt
Zwischen den Nachbargemeinden Koerich und Kehlen ist nichts mehr, wie es einmal war: Schuld daran ist ein Immobilienprojekt der nationalen Wohnungsbaugesellschaft SNHBM. In Koerich befürchtet man zusätzlichen Verkehr.
In Olm sollen 800 neue Wohnungen entstehen. Das sorgt für Ärger mit der Nachbargemeinde Kehlen.