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„Kaufkraft nicht ins Ausland tragen“
Lokales 2 Min. 15.03.2012

„Kaufkraft nicht ins Ausland tragen“

Präsidentenpaar: Roland Kuhn (l.) und Norbert Geisen, Vorsitzende der Handwerkskammer bzw. des Handwerkerverbandes.

„Kaufkraft nicht ins Ausland tragen“

Präsidentenpaar: Roland Kuhn (l.) und Norbert Geisen, Vorsitzende der Handwerkskammer bzw. des Handwerkerverbandes.
Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 15.03.2012

„Kaufkraft nicht ins Ausland tragen“

Die Wirtschaftskrise mit ihren Folgen für den Mittelstand sowie die Dauerbrenner Bürokratieabbau, Einheitsstatut und Index waren zentrale Themen beim „Pot des Présidents“ von Handwerkerverband und von Handwerkskammer.

Von Marc Schlammes

Die Wirtschaftskrise mit ihren Folgen für den Mittelstand sowie die Dauerbrenner Bürokratieabbau, Einheitsstatut und Index waren zentrale Themen beim „Pot des Présidents“ von Handwerkerverband und von Handwerkskammer.

Vor zahlreichen Anwesenden, darunter die CSV-Minister François Biltgen, Fernand Boden und Claude Wiseler, sprach Norbert Geisen von einer „handfesten Wirtschaftskrise“. Die Reaktionen der Regierung bewertete der Präsident der Fédération des artisans als richtig – schließlich werde die Kaufkraft gestärkt, ohne dass es zu weiteren Belastungen für die Betriebe komme.

Sorgen bereitet dem Mittelstand weiterhin das Einheitsstatut bzw. seine Umsetzung. Norbert Geisen erinnerte die Regierung gestern an ihr Versprechen, verstärkt Kontrollen durchzuführen. „Wir erwarten Nägel mit Köpfen“, sieht Geisen Schwarz-Rot in der Bringschuld. Die Handwerker hatten der Einführung des Einheitsstatuts nicht zuletzt aufgrund der Zusage des Premierministers, dass sich die Regierung missbräuchlicher Krankschreibungen annehme, zugestimmt.

Der richtige Weg

Natürlich ging es am Dienstag auch um die im Juni stattfindenden Landeswahlen. Chambre des métiers und Fédération des artisans wollen, dass die Politik nicht den einfachen Weg einschlägt, sondern sich für den richtigen Weg entscheidet. Der richtige Weg bedeute, so Geisen, dass die Wirtschaft in den Mittelpunkt allen Denkens und Lenkens gestellt werde. „Wir müssen die Lokomotive unter Dampf halten“, so der Vorsitzende des Handwerkerverbandes. „Ehe wir uns Gedanken um die Umverteilung machen, muss unsere Sorge der Wirtschaftskraft und der Sicherung des Wirtschaftsstandortes Luxemburg gelten.“

Dabei zählen die Verantwortlichen aus dem Handwerk auf die Unterstützung durch die Verbraucher. Geisen appellierte an die Solidarität der Konsumenten, die sie dadurch zum Ausdruck bringen könnten, dass sie auf luxemburgische Betriebe, Dienstleistungen und Produkte zurückgreifen würden. Es nütze Luxemburg nichts, wenn sie ihre Kaufkraft ins Ausland tragen würden.

Gerade im Energiebereich sieht Präsident Geisen seine Betriebe gut aufgestellt. „Wir verfügen über qualifiziertes Personal, um die Chancen in puncto Energieeffizienz und -sparen zu nutzen.“ Gleichsam warnte Geisen, das Klimadossier mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Er warb um Rücksicht gegenüber den Autohäusern, die, gepaart mit der Wirtschaftskrise, die CO2-relevanten Zusatzbelastungen zu spüren bekämen.

Weniger rücksichtsvoll ging Geisen mit den Gewerkschaften um. Unabhängig von der wirtschaftlichen Großwetterlage würden sie geradezu gebetsmühlenartig immer die gleichen Forderungen stellen: direkte und komplette Wiedereinführung des Index, stattliche Tarifverträge, Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung. Eine Forderung, die seit Jahren schon zum Repertoire des Mittelstandes gehört, handelt vom administrativen Abbau. Rechtssicherheit dürfe nicht zur Entwicklungsbremse werden, sprach sich Norbert Geisen für ein überschaubares Maß an Prozeduren und Regulierungen aus. Der Entfesselungsplan habe auch nur dann Erfolgsaussichten, wenn er unter direkter Verantwortung eines Ministers aufgestellt und ausgeführt werde.

Apropos Plan. „Der sektorielle Leitplan für Gewerbegebiete ist längst überfällig“, gab Geisen zu bedenken, dass die Branche nun schon seit zehn Jahren auf dessen Ausarbeitung warten würde. Von den vier sektoriellen Plänen, die dem IVL eine gesetzliche Grundlage geben, liegen bis dato nur Entwürfe des Transport- und Landschaftsplanes vor. Mit 5 000 Euro unterstützen die Handwerkskammer und der Handwerkerverband den „Päerdsatelier“ in Merscheid, wo verhaltensauffällige Jugendliche betreut werden.