Katastrophale Zustände nach sintflutartigem Regen
(mth/vb/TJ) - Im gesamten Großherzogtum öffnete der Himmel in den frühen Morgenstunden seine Schleusen und wolkenbruchartige Niederschläge gingen über dem Zentrum des Landes nieder.
Nicht weniger als 150 Mitarbeiter der Verwaltung der Rettungsdienste und 30 Feuerwehren waren den ganzen Freitag über im Einsatz. In iner ersten Bilanz erwähntt das Haut-commissariat à la protection nationale zudem die Taucher und den Groue de support psychologique. 100 Einsätze wurden geleistet.
Neben den 18 Menschen, die in der Nacht gerettet werden mussten, war am Nachmittag eine Person in Greiveldingen von den Fluten mitgerissen worden. Sie konnte geborgen und in Sicherheit gebracht werden.
Wenn auch keine Menschen zu Schaden kamen, so ist der materielle Schaden immens. In Müllerthal wurde ein Hotel verwüstet, in Grundhof verlor ein Autohändler nahezu seine komplette Existenz, ein Campingplatz ist bis auf weiteres unbewohnbar und zahlreiche Straßen sind unpassierbar.
Laut dem agrarmeteorologischen Messnetz Agrimeteo fielen zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens in Bollendorf 63 Liter pro Quadratmeter, in Echternach 52 Liter und in Waldbillig 67 Liter.
In Wasserbillig fielen sogar 72 Liter pro Quadratmeter.
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Rückblick
Um 3 Uhr in der Nacht hat die Regierung auch die nationale Krisenzelle aktiviert, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Die Armee ist ebenfalls mobilisiert worden, um in den am stärksten betroffenen Gebieten Hilfe zu leisten. Zwei Pelotons wurden in die betroffenen Ortschaften entsandt.
Das Wirtschaftsministerium hat eine Hotline für Unternehmen eingerichtet, die Schäden erlitten haben. Wer Hilfe benötigt, kann sich bei Laurent Solazzi vom Wirtschaftministerium unter der Telefonnummer 247-84168 / 621 203 021 oder via Mail unter laurent.solazzi@eco.etat.lu melden.
Staatsminister Xavier Bettel und Innenminister Dan Kersch sind persönlich in die betroffenen Gebiete gefahren, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.
Schwer betroffen ist vor allem der Osten des Landes mit dem Müllerthal, Waldbillig und Consdorf, wo manche Straßen überschwemmt wurden und Äste oder Bäume auf der Fahrbahn lagen.
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Die Rettungskräfte haben in der Nacht im Müllerthal zehn Menschen von einem Campingplatz evakuiert. "Sie saßen in ihren Zelten fest und mussten von Froschmännern gerettet werden", sagt Einsatzleiter Paul Wirtz. Die Camper verbrachten die Nacht im Haus der Campingverwaltung.
Ein Video vom Campingplatz von Patricia Mueller:
Auch der Campingplatz an der Herringer Mühle wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Der Betreiber beschrieb die Lage als katastrophal: "Die Saison ist für uns jedenfalls gelaufen". Fünf Touristen aus Aachen (D), die in Zelten auf dem Campingplatz übernachteten, berichteten, wie sich mitten in der Nacht vom Wasser überrascht wurden: "Wir mussten zwei Stunden mit durchnässten Kleidern unter einem Unterstand verbringen. Es war eiskalt," so Christian Dechêne. Die Camper wurden um 5 Uhr in der Nacht von Rettungskräften evakuiert und konnten sich anschließend in einem provisorischen Aufnahmezentrum wärmen. Wie schnell das Wasser in die Zelte überschwappte, schildert Gerhard Kerres im Video:
Auch Lutz Müller erzählt wie ihn die extremen Wassermengen in seinem Campingwagen überraschten und er Zuflucht im Aufnahmezentrum fand.
"Mein Zelt schwimmt weg!" Böses Aufwachen um 2 Uhr morgens von Wanderer Christian Dechene, der mit seiner Familie unterwegs war.
Auch aus dem nahe gelegenen Hotel Le Cigalon im Müllerthal, das äußerst schwere Schäden davontrug, wurden drei Angestellte des Hotels evakuiert. Die Besitzer berichteten davon, wie in der Nacht die Kaaselbaach in kürzester Zeit angeschwollen sei. Die Wassermassen hätten eine Fensterfront an der Veranda eingedrückt und das Erdgeschoss des Hotels vollständig überflutet: "Der Speisesaal stand einen Meter hoch unter Wasser und ist vollkommen verwüstet," so der Besitzer. Als das Wasser sich zurückgezogen hatte, hinterließ es eine dicke Sandschicht. Das Hotel wird wohl für mehrere Monate außer Betrieb sein.
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Über 1,50Meter stieg das Wasser im Hotel "Le Cigalon" im Müllerthal. Die Besitzerin Rita Stoque erzählt wie Rettungskräfte das im Keller schlafende Personal erst einmal befreien musste.
In Grundhof wurde eine Autowerkstatt überflutet, auch hier entstand hoher Sachschaden:
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Die Schwarze Ernz war zwischen 1.15 Uhr von 48 Zentimetern auf 179 Zentimeter um 4 Uhr angeschwollen. Die Sauer in Rosport stieg im selben Zeitraum von 92 Zentimetern auf 348 Zentimeter an. Die Sauer in Bollendorf stieg in der Nacht von 80 Zentimetern auf 246 Zentimeter an.
Bilder vom Rettungseinsatz in Müllerthal:
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Ein Video aus dem Müllerthal:
In Grundhof waren die Bewohner eines Hauses vom Wasser eingeschlossen, auch hier mussten die Rettungskräfte eingreifen. Die Straße zwischen Grundhof und Berdorf im Müllerthal ist komplett gesperrt. In Waldillig, Bech, Berdorf und Befort ist das Trinkwasser ungenießbar und muss vor der Benutzung abgekocht werden, nachdem Pumpen überschwemmt wurden. Auch in Dillingen soll die Trinkwassernutzung auf ein Minimum reduziert werden, in Closberg ist die Wasserversorgung ganz zusammengebrochen. Die Trinkwasserversorgung soll in den betroffenen Ortschaften von den Hilfskräften wiederhergestellt werden.
In Grundhof war zudem ein Heizöltank ausgelaufen, an der Sauer musste daher eine Ölsperre errichtet werden:
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An mehreren Orten gab es auch Erdrutsche, so etwa zwischen Bettel und Heisdorf und zwischen Wasserbillig und Echternach.
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Auch im Pfaffenthal hatte das Wasser sich einen Weg in die Rue Mohrfels gebahnt, Keller mussten ausgepumpt werden:
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Die Sauerpromenade in Bollendorf ist derzeit wegen Überflutung gesperrt, die Straße Bollendorf-Nusbaum nur bedingt befahrbar. In Richtung Camping Altschmiede gab es mehrere Hangrutsche, auch dort ist die Zufahrt nur bedingt befahrbar. Die N 10 an der Sauer ist ebenfalls zur Zeit nur bedingt befahrbar, aufgrund eines Erdrutschs und der Überschwemmungen.
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Im Tagesverlauf sollen die Regenfälle zwar in ihrer Intensität nachlassen, aber dennoch anhalten, sodass nicht sofort mit einem Rückgang des Wasserspiegels zu rechnen ist. Mit außergewöhnlich starken Niederschlägen wie in der Nacht sei nicht mehr zu rechnen, heißt es bei Meteolux, trotzdem gilt weiterhin die Warnstufe Gelb. Für den Rest des Tages gibt es Gewitterwarnungen, sodass örtlich weiterhin mit ergiebigen Niederschlägen und Überschwemmungen zu rechnen ist.
Schadenserhebung im Gang
Das Wasserwirtschaftamt hat bereits am Freitagmorgen mit der Schadenserhebung an den Bach- und Flussläufen begonnen. Dabei wurde unter anderem der Polizeihubschrauber und eine Drone eingesetzt, um Luftaufnahmen zu erstellen - damit soll geklärt werden, wie und wo genau das Wasser sich seinen Weg bahnte. Die Ergebnisse werden später analysiert und in Form eines Berichts auf inondations.lu veröffentlicht.
Auch in den benachbarten Gebieten Deutschlands schlugen die Unwetter zu: Im Saarland und in Rheinland-Pfalz setzte ein heftiges Gewitter Straßen und Keller unter Wasser. „Die Lage ist dramatisch“, sagte eine Polizeisprecherin in Saarbrücken. Vor allem die Ortschaften St. Ingbert, Blieskastel, Kleinblittersdorf sowie ein Ortsteil von Saarbrücken seien überflutet. „Wir haben wegschwimmende Autos und unterspülte Straßen.“ In den Landkreisen Birkenfeld und Saarburg in Rheinland-Pfalz sowie im Raum Ludwigshafen gab es ebenfalls überflutete Straßen und vollgelaufene Keller, wie ein Polizeisprecher sagte. In Morbach schlug ein Blitz in eine Kapelle ein. Die Turmspitze hatte Feuer gefangen. Das Gebäude selbst brannte aber nicht ab.
In Grevenmacher stand unter anderem eine Tiefgarage unter Wasser, die ausgepumpt werden musste:
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Ein Video zeigt eine überflutete Straße in Rosport:
Auch die Petruss hatte sich am Morgen in einen reißenden Bach verwandelt:
Ein Video aus dem Birelergrund zwischen Neuhäuschen und Sandweiler:
Ein Video aus Irrel bei Echternach: