Kanadier seit 17 Jahren per Rad in der Welt unterwegs

Mit sich im Reinen und per Fahrrad unterwegs in der Welt, um für saubere Luft zu werben: Omar Ruiz-Diaz aus Kanada. Hier vor dem Gebäude des „Luxemburger Wort“.
Gerry Huberty

(bip) - Er hat eine Mission: Weniger Umweltverschmutzung und Lärm, mehr frische und reine Luft in den Städten dieser Welt. Die Menschen sollen laufen, den Bus oder den Zug nehmen und natürlich Rad fahren, statt mit dem Auto die Atmosphäre zu vernebeln. Das hat sich Omar Ruiz-Diaz auf die Fahnen geschrieben. Der 45-jährige gebürtige Südamerikaner mit kanadischem Pass ist seit 17 Jahren mit dem Rad rund um den Globus unterwegs. Vergangene Woche machte er Station in Luxemburg, kam zum Empfang unserer Zeitung und stellte sich und sein Projekt vor.

Lange habe er selbst als Journalist gearbeitet, erzählt der Kanadier, der in Paraguay geboren wurde und aus Gründen der Liebe vor Jahren nach Kanada zog. Ruhelos scheint er, für das Foto rast er auf der Straße hin und her. Sein solides Fahrrad zieht zwei Anhänger mit gelben Planen hinterher. Darin Kleider, Verpflegung, und Blanko-Bücher sowie Laptop und Kamera natürlich.

Ruiz-Diaz schreibt alles auf, macht Fotos, stellt seine Erlebnisse online. „Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um in Balance zu bleiben, muss man sich bewegen.“ Dieser Ausspruch Albert Einsteins prangt auf der Internetseite und ist sein Lebensmotto geworden. Auf seiner Homepage: unzählige Artikel über Omar Ruiz-Diaz aus Zeitungen rund um den Globus. Immer wieder das strahlende und zufriedene Lachen dieses Mannes, der von sich selbst sagt, er besitze nichts mehr außer das, was er mit dem Fahrrad dabei habe. Das Fahrrad, das sei ihm Transportmittel, aber auch Stütze. „Ich radle nicht immer, ich laufe auch viel und schiebe das Rad“, erklärt er.

„Um in Balance zu bleiben, muss man sich bewegen“

Wie hält er sich über Wasser? Er hat Sponsoren, diese aber vor allem für die Umwelt-Projekte, die er unterstützt. Und er selbst? Essen, Trinken, Schlafen? „Die Menschen sind meist sehr lieb“, beteuert Ruiz-Diaz. Ein Bett zum Schlafen, Verpflegung, Unterstützung bei Fahrrad-Reparaturen - diese Dinge bekomme er fast immer. „Zu 98 Prozent sehr gute Erfahrungen“ habe er auf seinen zahlreichen Reisen gemacht. Beinahe zärtlich schlägt er ein weiteres kleines Buch auf. Darin haben sich Menschen verewigt, die ihm Glück wünschen, mit Sprüchen fast wie in einem Poesie-Album. Zahlreiche Stempel, beispielsweise von Botschaften und Unternehmen, prangen darin, dazu Fotoausschnitte und Postkarten.

Umgekehrt bekommen die, die er trifft, einen kleinen Flyer mit seinen Anliegen. In den Begegnungen mit anderen Menschen auf seinen Stationen merke er oft: Viele haben eigentlich das Bedürfnis, aus dem Alltagstrott auszubrechen, selbst aufzubrechen. „Jeder trägt das Abenteuer in sich“, hat Omar beobachtet. Und so manch einer habe ihm gesagt: „Ich selbst kann nicht einfach fahren. Doch nimm du mein Abenteuer für mich mit auf deinen Weg.“