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Kampf gegen die Sucht
Lokales 3 Min. 13.06.2018

Kampf gegen die Sucht

Kampf gegen die Sucht

Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 13.06.2018

Kampf gegen die Sucht

Drogenkonsum ist kein Randphänomen. Um Gesundheitsschäden durch den Konsum legaler und illegaler Substanzen vorzubeugen, wurde 1994 das Centre de Prévention des Toxicomanies gegründet.

(m.r.) - „Wenn die Gesellschaft sich ändert, muss sich auch die Drogenprävention anpassen“, sagt der Direktor des Centre de Prévention des Toxicomanies (CEPT), Michel Ledoux. Und so habe die Vereinigung auch im vergangenen Jahr wieder neue Herausforderungen bewältigen müssen. Unter anderem habe die Struktur deshalb 2017 eine Facebook-Seite eingerichtet, um einen besseren Draht zu Jugendlichen entwickeln zu können.

Das CEPT wurde 1994 per Gesetz ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Gesundheitsschäden durch den Konsum legaler und illegaler Drogen vorzubeugen. Heute kümmert die Vereinigung sich aber auch um andere Formen der Sucht, die nicht im Zusammenhang mit Substanzen stehen. Denn auch verschiedene Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Medienkonsum oder Glücksspiel, können süchtig machen.

Im vergangenen Jahr haben sich 133 Personen an den Informationsdienst Fro No der Vereinigung gewandt, um Auskünfte über Drogenkonsum zu erhalten. In 40 Prozent der Fälle war es das Umfeld der betroffenen Personen – meist besorgte Mütter – die um Hilfe baten. Aber auch die Betroffenen selbst (31 Prozent) und Professionelle aus dem Bildungs- und Sozialbereich (29 Prozent) wandten sich an das CEPT. Dabei wollten sie sich hauptsächlich über Alkohol- (37 Prozent) und Cannabiskonsum (34 Prozent) informieren. Härtere Drogen wie Kokain oder Heroin wurden jeweils nur in 13 Prozent der Fälle thematisiert.

Aufklärung für ein breites Publikum

Das CEPT ist allerdings keine Betreuungsstelle. „Sobald die Situation sich als komplexer erweist, verweisen wir die Betroffenen an andere Anlaufstellen“, so der Präsident des CEPT, Henri Grün.


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Um die breite Öffentlichkeit zu erreichen, arbeitet die Vereinigung unter anderem mit dem Gesundheitsministerium zusammen. So war das CEPT an der Ausarbeitung der Präventionskampagne „Alcool? Moins c'est mieux“ beteiligt. Zudem sind im vergangenen Jahr mehr als 7 300 Broschüren und Flyer verteilt worden. Ein Drittel weniger als noch im Vorjahr, denn die Vereinigung habe bei der Beschaffung neuer Materialien finanzielle Schwierigkeiten gehabt, so Grün.

„In den letzten 15 Jahren sind unsere Mittel praktisch nicht erhöht worden“. Das Centre wird mit 1,1 Millionen Euro zum Großteil vom Gesundheitsministerium finanziert. Spenden würde die Vereinigung allerdings kaum kriegen. „Für die Arbeit in der Drogenprävention braucht man einen langen Atem, sofortige Resultate sieht man bei uns nicht“, betont Grün.

Unterstützung durch Lehrpersonal

In Sachen Prävention setzt die Vereinigung aber vor allem auf die Fortbildung von Fachleuten, wie Pädagogen und Lehrern. „Mit unseren rund zehn Mitarbeitern können wir ansonsten nicht genügend Menschen erreichen“, sagt Grün. So wurden etwa insgesamt sieben Schulungen vom Institut de formation de l'Education nationale (IFEN) und dem Service Nationale de la Jeunesse (SNJ) in diesem Zusammenhang durchgeführt. 536 Personen, die im Bildungs- oder Erziehungsbereich arbeiten, haben an solchen Seminaren und Fortbildungen teilgenommen.


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Die Vereinigung arbeitet aber auch pädagogisches Material aus, mithilfe dessen die Lehrkräfte oder Erzieher das Thema Drogen thematisieren können. So wurde etwa im vergangenen Jahr der „Cannabiskoffer 2.0“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein interaktives Lehrmittel, das über den Konsum von Marihuana und Haschisch aufklären soll.

Die Suchtpräventionsmaßnahmen richten sich hauptsächlich an Jugendliche. Neben der Fortbildung des Lehrpersonals nimmt die Vereinigung deshalb auch an diversen Schulprojekttagen teil. In diesem Zusammenhang wurden im vergangenen Jahr elf Workshops für Schüler organisiert. Insgesamt haben 995 Personen an Veranstaltungen in- und außerhalb der Schule teilgenommen.

Pilotprojekt in der Grundschule

Dennoch thematisiert die Vereinigung das Thema Sucht auch in den Grundschulen. „Eine entsprechende Prävention ist bereits im Kindesalter sehr wichtig“, sagt CEPT-Direktor Michel Ledoux. So lernen Grundschüler etwa beim Pilotprojekt „Power-voll“, wie sie mit Süßwaren und Medien besser umgehen können. Seit vergangenem September nehmen zwei hauptstädtische Grundschulen an dem Projekt teil.


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