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Kampagne „Rethink your drink”: Den versteckten Zucker im Glas erkennen
Lokales 3 Min. 06.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Kampagne „Rethink your drink”: Den versteckten Zucker im Glas erkennen

Wenn gratis Wasserflaschen verteilt werden – wie gestern im „Forum Geesseknäppchen“ – greifen die Schüler 
beherzt zu. In den Kantinen und Cafeterias der Lyzeen gehen jedoch überwiegend Süßgetränke über die Ladentheken. Das soll sich in Zukunft ändern.

Kampagne „Rethink your drink”: Den versteckten Zucker im Glas erkennen

Wenn gratis Wasserflaschen verteilt werden – wie gestern im „Forum Geesseknäppchen“ – greifen die Schüler 
beherzt zu. In den Kantinen und Cafeterias der Lyzeen gehen jedoch überwiegend Süßgetränke über die Ladentheken. Das soll sich in Zukunft ändern.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 06.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Kampagne „Rethink your drink”: Den versteckten Zucker im Glas erkennen

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Fast jeder vierte Erwachsene in Luxemburg ist stark übergewichtig. Umso wichtiger ist es, schon Kinder und Jugendliche über gesunde Ernährung aufzuklären. Gerade bei Süßgetränken werden diese oft schwach, weiß der Schulkantinen-Betreiber Restopolis.

(DL) - Hätten Sie gewusst, dass in einer 0,5-Liter-Flasche Eistee ganze zehn Würfel Zucker stecken? Und in einer Apfelsaftschorle immerhin sieben? Bei Cola sind es sogar 13 Würfel, bei einem Energydrink 14. Doch zuckerhaltige Getränke sind beliebt – insbesondere bei Jugendlichen. Und genau deshalb sollen die Schüler des Landes nun über die Inhaltsstoffe solcher Süßgetränke aufgeklärt werden. Am Montag lancierte Restopolis, Betreiber von 108 Kantinen und Cafeterias vor allem in den Lyzeen des Landes, die Kampagne „Rethink your drink“. Will heißen: Das mit den Getränken sollte man manchmal besser noch mal überdenken.

Wie viel Zucker steckt in einer Flasche Limonade? Dies sollen die Schüler in den kommenden Tagen an Infoständen erfahren.
Wie viel Zucker steckt in einer Flasche Limonade? Dies sollen die Schüler in den kommenden Tagen an Infoständen erfahren.
Foto: Guy Jallay

Schüler bevorzugen Süßes

„Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, zu kochen, sondern auch mit einer unsichtbaren Hand eine gewisse Erziehung vorzunehmen“, erklärt Monique Ludovicy, Chefin von Restopolis. Jeden Tag verkauft der Schulkantinen-Betreiber 13 000 Menüs und Snacks, Tendenz steigend. Dabei wolle man den Schülern allerdings nichts diktieren oder verbieten – die Vergangenheit habe gezeigt, dass dies nicht funktioniert, so Monique Ludovicy. Vielmehr sollen die Schüler informiert werden – und so zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln animiert.

Wie Monique Ludovicy unterstreicht, wird in den Restopolis-Kantinen großer Wert auf gesunde und ausgewogene Nahrungsmittel gelegt. Lokale Produkte werden bevorzugt, auf Fertigartikel wird komplett verzichtet. Doch nicht nur im Essen, sondern auch im Glas lauert das Ungesunde. Pro Schuljahr gehen bei Restopolis 1,35 Millionen Getränkeflaschen über die Ladentheken – die Automaten, die in den Schulgebäuden herumstehen, nicht inklusive. Das Problem: „Bei 890 000 davon handelt es sich um Süßgetränke und Fruchtsäfte“, erklärt Monique Ludovicy. Dies entspricht rund 65 Prozent der verkauften Getränkeflaschen. Um Mineralwasser handelt es sich somit nur bei den restlichen 35 Prozent. Ziel sei es, diese Prozentsätze umzukehren.

Es drohen Fettleibigkeit, Diabetes und Co.

Bedenklich sind die Süßgetränke wegen ihres hohen Zuckergehalts. Dabei benötigt der Körper diesen Zucker laut Sabrina Dell'aera Monteiro, Diätetikerin bei Restopolis, überhaupt nicht. Wenn man allerdings Zucker zu sich nimmt, so sollte dieser höchstens fünf Prozent der täglich eingenommenen Kalorien ausmachen – was umgerechnet etwa sechs Würfeln Zucker à vier Gramm entspricht. Gerade Energydrinks, Cola, Eistee und Co., aber auch Fruchtsäfte und Smoothies, enthalten jedoch extrem viel Zucker. „Es ist so, als ob man Bonbons trinken würde“, so Sabrina Dell'aera Monteiro.

Dabei sind die Konsequenzen, die zu viel Zucker auf den Körper haben kann, zahlreich, zählt die Nahrungsexpertin auf: Sie reichen von Übergewicht über Diabetes, Karies, Störungen der Darmflora bis hin zu Krebs, Nierenproblemen, Osteoporose und Leberbeschwerden.

Wasser statt Limo. & Co.: Das ist das Ziel der Restopolis-Kampagne. Momentan handelt es sich nur bei 35 Prozent der in den Kantinen und Cafeterias verkauften Getränkeflaschen um Wasser.
Wasser statt Limo. & Co.: Das ist das Ziel der Restopolis-Kampagne. Momentan handelt es sich nur bei 35 Prozent der in den Kantinen und Cafeterias verkauften Getränkeflaschen um Wasser.
Foto: Guy Jallay

Wasser günstiger als Süßgetränke

Eine Tatsache, der sich gerade Jugendliche nicht unbedingt bewusst sind. Um dies zu ändern, zeigen die Mitarbeiter von Restopolis den Schülern in den kommenden Tagen in den einzelnen Schulrestaurants, wie viel Zucker in den unterschiedlichen Softdrinks steckt – und wie der Geschmackssinn durch den Einsatz von Zusatzstoffen ausgetrickst wird. Parallel dazu sollen die Jugendlichen mittels verschiedener Maßnahmen dazu animiert werden, die Flasche Limonade stehen zu lassen – und sich stattdessen für – vorzugsweise stilles – Mineralwasser zu entscheiden.

Eine 0,5-Liter-Flasche Wasser kostet in den Restopolis-Einrichtungen denn auch lediglich 85 Cent und ist damit deutlich günstiger als Süßgetränke, bei denen 1,35 Euro fällig sind. Auch werden die Wasserflaschen in den Regalen sichtbarer aufgestellt als zuckerhaltige Getränke. Zudem steht in allen Kantinen kostenloses Leitungswasser zur Verfügung. In einer Broschüre erfahren die Heranwachsenden zudem Wissenswertes über den Zuckergehalt von Süßgetränken. Ebenfalls lohnenswert ist der Selbsttest mit dem „Online-Zuckerrechner”: Hier erfährt jeder Interessierte – Schüler wie Erwachsener – wie viel Zucker er pro Woche „trinkt“.

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