Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

"Wie im Viersternehotel"

Kinder sollen Respekt im Umgang mit Lebensmitteln haben

Im Workshop haben Lou und seine Mitschüler so manches gelernt. Etwa dass man Möhren nicht schälen muss, wenn man sie gut gewaschen hat.
Im Workshop haben Lou und seine Mitschüler so manches gelernt. Etwa dass man Möhren nicht schälen muss, wenn man sie gut gewaschen hat.
Foto: Laurence Bervard

(lb) - Nicht in die Tonne sondern auf den Teller. So lautet das Motto der „Semaine AntiGaspi“, die die Lebensmittelverschwendung eingrenzen will. Dabei setzen die Agrar- und Bildungsminister unter anderem bei Kindern und in den Schulkantinen an.

„Seht ihr, wir produzieren heute so wenig Abfall wie möglich. Ihr schneidet den Lauch und die Zwiebeln, gebt die Eier dazu, dann etwas Sahne und Milch. Den einzigen Abfall, den ihr für diese 'Quiche aux poireaux' produziert, sind die Schalen. Mit den Eierschalen könnt ihr sogar noch die Hühner füttern“, erklärt der Koch von „La Table de Frank“, der am Montag in der Grundschule von Steinfort die „Semaine AntiGaspi“ und die diesbezüglichen Workshops einläutete. Wussten die Kinder anfangs nicht recht was sie erwartete, so waren sie danach recht begeistert.

Lebensmittelverschwendung war für die meisten von ihnen bis jetzt nämlich kein Thema. „Ja, wir schmeißen zu Hause manchmal Essensreste weg, wenn wir zu viel gekocht haben“, erklärt der 12-jährige Lou. „Meine Eltern ermutigen mich zwar, meinen Teller aufzuessen, aber sie sind nicht besonders streng, wenn ich es nicht tue.“

Kreativität ohne Grenzen

Wie ernähre ich mich? Wann soll ich essen? Wie führt ein Müsli-Riegel kurz vor der Mittagspause dazu, dass ich meinen Teller vielleicht nicht leer esse und somit Essensreste produziere? Und was kann ich mit Essensresten eigentlich so anstellen? Im Workshop haben Lou und seine Mitschüler so manches gelernt. Etwa dass man Möhren nicht schälen muss, wenn man sie gut gewaschen hat.

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„La Table de Frank“ ist nur eines der 28 Restaurants, das sich an dieser Antilebensmittelverschwendungswoche beteiligt und neben speziellen Menüs die Grundschulkinder seiner Gemeinde über die Wiederverwertung von Essensresten aufklärt. Unterstützt werden die Restaurateure dabei vom Vatel Club, den Eurotoques an der Horesca. Den Köchen selbst sind in ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

„Weltweit hungert fast eine Milliarde Menschen während ein Drittel der hergestellten Nahrung verschwendet oder weggeworfen wird. Davor kann man die Augen nicht verschließen. Das ist weder von einem ethischen, noch von einem ökologischen oder wirtschaftlichen Standpunkt zu vertreten“, betont in dem Zusammenhang Agrarminister Fernand Etgen (DP). Die „Semaine AntiGaspi“ dauert noch eine Woche. Im Anschluss wird die thematische Woche auch in den von Restopolis belieferten Schulen und an der Uni umgesetzt.

Die Beliebtheit des „Frittenfreideg“

Grundsätzlich müsse sich jeder Gastwirt der Problematik der Lebensmittelverschwendung stellen, erklärte Bildungsminister Claude Meisch (DP). Besonders in den Kantinen versuche man, den Spagat zwischen gesunder und „attraktiver“ Nahrung zu meistern. Doch es ist kaum eine Überraschung: Am besten ist die Kantinenbelegung am „Frittenfreideg“, dem einzigen Tag, an dem Pommes serviert werden. Natürlich wolle man die Schüler in die Kantinen locken „und wenn es schmeckt, dann gibt es weniger Abfall“, so der Minister. Man könne sich bei der Zusammensetzung der Menüs aber nicht ausschließlich an der Belegung orientieren.

Generell würden verschiedene Geschmacksrichtungen abgedeckt. Das Angebot sei sehr vielfältig und "die Auswahl ist teilweise die wie im Viersternehotel", so Meisch. Dennoch gebe es hier keine Überproduktion, versicherte der Bildungsminister. Die Lebensmittelverschwendung in den Kantinen liegt nach Angaben seines Ministeriums derzeit bei rund sechs Prozent. Dabei handelt es sich um Nahrungsmittel, die nicht verkauft oder nicht verarbeitet werden. Der Abfall wird zu Biogas verarbeitet.

Das Bildungsministerium prüft zur Zeit die Möglichkeit, sich in den Schulen sein Menü online vorzubestellen, um so den Konsum noch besser einzuschätzen und die Verschwendung einzugrenzen.

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