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Kampagne gegen Depressionen: Offen über ein Tabuthema sprechen
Lokales 2 Min. 28.11.2017

Kampagne gegen Depressionen: Offen über ein Tabuthema sprechen

Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass in Luxemburg etwa 26 000 Menschen betroffen sind.

Kampagne gegen Depressionen: Offen über ein Tabuthema sprechen

Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass in Luxemburg etwa 26 000 Menschen betroffen sind.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 28.11.2017

Kampagne gegen Depressionen: Offen über ein Tabuthema sprechen

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Oft werden sie als Spinnereien abgetan. Dabei stellen Depressionen ein ernsthaftes Problem dar, das sich zu einer Volkskrankheit zu entwickeln droht. Geht es dem Gesundheitsministerium nach, dann soll offen über das Thema gesprochen werden.

(rsd) - Meist werden sie als Einbildung abgetan, dabei stellen Depressionen eine ernstzunehmende psychische Krankheit dar, die im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass der Betroffene sich nicht nur von seiner Umwelt abkapselt, sondern seinem Leben ein Ende setzen möchte.

Die Symptome können recht unterschiedlich sind. Oft werden sie unterschätzt, weil Depressionen nicht als Krankheit angesehen werden, wie Gesundheitsministerin Lydia Mutsch bei der Vorstellung der Kampagne unterstrich.

4,4 Prozent betroffen

Dabei sprechen die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation eine deutliche Sprache. Die WHO schätzt, dass weltweit 372 Millionen Menschen an Depressionen leiden. Das sind 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Betroffenen um 18 Prozent zugenommen. Depressionen gelten heute als zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass in Luxemburg etwa 26 000 Menschen betroffen sind. Eine von fünf Personen leidet wenigstens einmal in ihrem Leben an Depressionen. Sie werden als Ursache angesehen für 24 Prozent der Krankschreibungen.

Die Bekämpfung der psychischen Erkrankungen bezeichnet Lydia Mutsch als große gesundheitspolitische Herausforderung. Und gleichzeitig unterstreicht sie, dass man in Luxemburg bereit sei, sie anzunehmen. Das soll mit gezielten Aktionen im Rahmen des Suizidvorbeugungsplans geschehen. Das Ziel ist es, in der Öffentlichkeit verstärkt auf das Problem aufmerksam. Das Motto der Weltgesundheitsorganisation dazu lautet „Depression, let’s talk“.

Vielfältige Ursachen

Man geht heute davon aus, dass 50 Prozent der gravierenden Fälle nicht behandelt werden. Die Ursachen, die zu Depressionen führen, können vielfältiger Natur sein. Sie können hervorgerufen werden, weil Menschen dem Leben nichts Positives abgewinnen können, durch Wetterlaunen, persönliche Probleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder psychischen Leistungsdruck.

Oft finden die Betroffenen aus eigenen Kräften keinen Weg aus der Sackgasse und bleiben sich allein überlassen. Dabei gibt es durchaus Mittel, um Depressionen psychotherapeutisch oder medikamentös zu behandeln.

Betroffen sein können alle Menschen. Als besonders anfällig gelten Jugendliche, Frauen vor und nach einer Geburt und Leute im Alter zwischen 55 und 74 Jahren. Aus Statistiken geht hervor, dass Frauen eher zu Depressionen neigen als Männer. Die Begleitsymptome können ein reduzierter oder gesteigerter Appetit, Schlafstörungen, Schuldgefühle, Konzentrationsunfähigkeit, Nachdenken über den Tod oder sogar Selbstmordgedanken sein.

Aus Statistiken geht hervor, dass nur 35 von 100 betroffenen Frauen professionelle Hilfe aufsuchen. In der Regel dauert es elf Monate, bis Menschen sich zu diesem Schritt entscheiden. In der Altersgruppe 15 bis 35 Jahre ist der Suizid heute sogar die zweitgrößte Todesursache.

Geht es dem Wunsch des Gesundheitsministeriums nach, dann soll in der Öffentlichkeit auf breiter Basis über das Thema diskutiert werden, und das u.a. in Schulen, am Arbeitsplatz und in der Familie. Schützenhilfe erhält man dabei von der „European Alliance against Depression“.

Informiert werden soll die Bevölkerung durch mehrsprachige Plakate und Faltblättern. Die Kampagne läuft u.a. in öffentlichen Einrichtungen, in den Praxen von Allgemeinmedizinern, in öffentlichen Transportmitteln oder bei Einkaufszentren. Durch die Initiative wollen die Verantwortlichen erreichen, dass offener diskutiert wird über eine Krankheit, die in Luxemburg laut Schätzungen für 70 Prozent der Selbstmorde verantwortlich ist.

www.prevention-depression.lu


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