Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kaffeepause beim Geheimdienst
Lokales 5 Min. 13.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Kaffeepause beim Geheimdienst

Ex-Geheimdienstler im Zeugenstand: Paul Mehlen, Jos Meier und Carlo Kremer

Kaffeepause beim Geheimdienst

Ex-Geheimdienstler im Zeugenstand: Paul Mehlen, Jos Meier und Carlo Kremer
Foto: Romain Schanck
Lokales 5 Min. 13.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Kaffeepause beim Geheimdienst

Beim Geheimdienst wurde sich offenbar ausschließlich während der Kaffeepause mit dem Bommeleeër befasst. Das ist zumindest der Eindruck, der am Donnerstag bei der Anhörung von vier ehemaligen Srel-Mitarbeitern entstand oder entstehen sollte.

(str) - Beim Geheimdienst wurde sich offenbar ausschließlich während der Kaffeepause mit dem Bommeleeër befasst. Das ist zumindest der Eindruck, der am Donnerstag bei der Anhörung von vier ehemaligen Srel-Mitarbeitern entstand oder entstehen sollte.

In Geheimdienstkreisen wurde viel geredet, darüber waren sich die vier Zeugen einig. Offenbar ging das sogar so weit, dass Srel-Chef Charles Hoffmann die gemeinsame Kaffeepause abschaffte. Kaffeetrinken war freilich noch erlaubt, aber jeder sollte das künftig in seinem eigenen Büro tun.

Im Zeugenstand schienen die vier ehemaligen Srel-Mitarbeiter bei ihrer Aussage am Donnerstag eher zurückhaltend, fast so wie man es sich von ehemaligen „Schlapphüten“ eigentlich erwartet. Zwei von ihnen waren gegenüber der Kriminalpolizei und der Untersuchungsrichterin vor einigen Jahren jedoch um vieles auskunftsfreudiger. Von dem, was sie damals aussagten, wollten sie  am Donnerstag vor der Kriminalkammer nicht mehr viel wissen.

So etwa Jos Meier, der von 1973 bis 1999 als Ermittler beim Srel tätig war. Sein Aufgabengebiet: Gegenspionage, Terrorismus und Sekten. Im Mai 2004 sagte er den Bommeleeër-Ermittlern, Geiben sei mehrmals vom Srel observiert worden. Später sagte er, Geiben sei „x-mal“ observiert worden und an mehreren Tagen an denen Geiben in Luxemburg gewesen sei, habe es Attentate gegeben. In der  Sitzung  am Donnerstag klang das anders: „Ech weess just vun enger Observatioun sécher, déi aner weess ech net sécher“, betonte er. Als der beigeordnete Staatsanwalt Oswald nachhakte, bekannte Meier: „Dat war Héieresoen.“

Nicht zur Sprache kam in der Sitzung allerdings eine weitere, mehr als interessante Aussage von Meier gegenüber den Ermittlern Marx und Stieber: „Ich weiß, dass der Srel in der Bommeleeër-Akte eigene Ermittlungen tätigte. Diese wurden auf Anregung unseres Chefs Hoffmann vorgenommen. Wir hatten keinen Auftrag seitens der Regierung.“

Noch einmal Hörensagen

Auch Carlo Kremer, der zwischen 1984 und 2003 beim Srel als Archivar arbeitete, hatte 2006 gegenüber der Kriminalpolizei betont, dass der Srel zu den Attentaten ermittelt habe: „Obwohl es nicht direkt in unserem Aufgabenbereich lag, haben einige Beamte versucht, den oder die Täter zu ermitteln.“ Kremer berief sich, als Oswald nachhakte, ebenfalls auf Hörensagen. Das sei so im Haus geredet worden. Jeder habe sich halt so seine Gedanken gemacht. Zudem sagte er, die meisten Srel-Mitarbeiter hätten ihr persönliches Archiv geführt. Es sei nicht alles im Gesamtarchiv gelandet und wenn ein Mitarbeiter in Rente ging, dann sei auch schon mal geschreddert worden.

Ein Verbatim von Carlo Kremers Aussage beantragte Georges Oswald, nachdem der Ex-Archivar  am Donnerstag von einem Gespräch mit Armand Kaudé berichtete. Kaudé habe ihm damals – also im Oktober 1985 – erzählt, dass Reuland bei der GOR-Versammlung anwesend gewesen sei, in der die Geiben-Observierung vorbereitet wurde. Das sei dann eine weitere Aussage, aus der hervorgehe, dass Reuland bei der Observierung eine wichtigere Rolle gespielt habe, als er zugebe, meinte Oswald. „Dat hunn ech nach an Erënnerung“, sagte Kremer. „Ech hoffen, datt ech mech net ieren.“

Von 1964 bis 1997 war Jean Weydert Zivilangestellter beim Srel. Als Analyst war er ab 1978 verantwortlich für Terrorismus-Fragen. Im Bommeleeër-Dossier sei der Geheimdienst außen vor gelassen worden, sagte er. In den Zuständigkeitsbereich des Srel wäre die Attentatsserie ohnehin nur dann gefallen, wenn es sich dabei um politischen Terrorismus gehandelt hätte. „Déi Leit, déi dat appréciéiert hunn, hunn d'Décisioun geholl, datt dat näischt sou wier“, so Weydert. Wenn es anders gewesen wäre, hätte man das sicher erfahren. „Bäi äis am Métier geet et nom Prinzip ,Need to know‘“, erklärte Weydert weiter. „Wat een net brauch ze wëssen, soll een net wëssen a gëtt een och net gewuer.“ Er habe auf Eigeninitiative Zeitungsartikel zu den Anschlägen gesammelt – für den Fall, dass einmal eine Anfrage aus dem Ausland kommen würde. Das sei aber nie geschehen.

Die Gendarmerie mauerte

Weydert erzählte zudem vom „Groupe des adjoints“, einem Gremium, in dem Verantwortliche der Gendarmerie, der Polizei, des Srel und der Armee gemeinsam Überlegungen zum Bommeleeër anstellen sollten. Doch wie aus einem Schreiben hervorgeht, war dies von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil die Gendarmerie keinerlei Informationen zu den Ermittlungen preisgeben wollte. Weydert erinnerte sich zwar noch gut an das rüpelhafte Benehmen von Colonel Bourg, allerdings nicht mehr daran, das Schreiben mitunterzeichnet zu haben. Das habe er dann wohl unterzeichnet, ohne es gelesen zu haben, meinte Weydert.

Der vierte Zeuge, Paul Mehlen war von 1985 bis 2002 beim Srel. Er betonte, dass es seines Wissens nach kein Treffen gegeben habe, bei dem die Gendarmerie den Geheimdienst um Unterstützung gebeten habe. „Ech ka nëmme staunen, wat bis elo hei am Prozess op d'Tapéit koum“, meinte Mehlen. „Ech hu mech gefrot, wars de vläit ze naiv oder hues de net genuch nogefrot.“ Warum sich der Srel nicht mehr in die Ermittlungen eingebracht hat? „Dir musst Iech an déi Zäit versetzen, do hutt der just gemaach, wat der gesot krut.“

  • Kein „Témoignage assisté“

Wenn die Verbatims den Zeugen in den kommenden Wochen in einem Nebenraum vorgelegt werden, dürfen diese sich nicht von einem Anwalt assistieren lassen und auch nicht mit der Außenwelt kommunizieren. Das betonte Sylvie Conter  am Donnerstag, nachdem Colonel Bourg einen dementsprechenden Antrag gestellt hatte. Wenn die Niederschriften in einer öffentlichen Sitzung verlesen werden, ist die Anwesenheit eines Anwalts gestattet. Die Richterin betonte zudem, dass alle Konfrontationen in öffentlicher Sitzung vorgetragen werden sollen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Das Bommeleeër-Dossier
Kaum ein Kriminalfall hat Luxemburg derart in Atem gehalten wie die Anschlagsserie, die das Großherzogtum von 1984 bis 1986 erschütterte.
20 Sprengstoffanschläge werden den beiden Beschuldigten angelastet.