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Junger Dschihadist aus Luxemburg in Syrien: Vom Rapper zum IS-Terroristen
Lokales 2 Min. 24.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Junger Dschihadist aus Luxemburg in Syrien: Vom Rapper zum IS-Terroristen

Steve Douarte im Jahr 2011, als er unter dem Künstlernamen „Pollo“ ein Rap-Album mit dem Titel „En attendant“ aufnahm.

Junger Dschihadist aus Luxemburg in Syrien: Vom Rapper zum IS-Terroristen

Steve Douarte im Jahr 2011, als er unter dem Künstlernamen „Pollo“ ein Rap-Album mit dem Titel „En attendant“ aufnahm.
Screenshot Myspace
Lokales 2 Min. 24.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Junger Dschihadist aus Luxemburg in Syrien: Vom Rapper zum IS-Terroristen

Er ist offiziell der mittlerweile sechste radikale Islamist, der sich der Terrororganisation IS in Syrien angeschlossen hat: Steve Duarte, ein 25-jähriger Portugiese, der in Luxemburg aufgewachsen ist, befindet sich derzeit in Syrien. Ein ganz normaler junger Mann, der sich für Rapmusik begeisterte, bevor er nach und nach in das dschihadistische Umfeld abglitt.

Von Michel Thiel

Es war das portugiesische Nachrichtenmagazin „Sabado“, das am vergangenen Donnerstag, dem 13. Oktober, die Information über „den Rapper, der zum Dschihadisten wurde“ als erstes veröffentlichte. Gestern schlug die Nachricht in Luxemburg ein wie eine Bombe, nachdem sie von „Contacto“ übernommen wurde. Unter den ehemaligen Bekannten des jungen Mannes, der als „harmlos“ und „eher schüchtern“ galt, und der 2008 noch eine Karriere als Rapmusiker angestrebt hatte, herrscht Unverständnis und blankes Entsetzen. Wie konnte es so weit kommen?

Knapp zwei Wochen zuvor waren die Journalisten im Rahmen ihrer Recherchen über portugiesische IS-Kämpfer via Facebook auf einen portugiesischsprachigen jungen Mann gestoßen, der sich „Abu Al Muhadjir Purtughali“ nannte, aber zugleich angab, ursprünglich aus Luxemburg, zu stammen, genauer aus Meispelt. Eine Information, die bald darauf von dem Journalisten David Thomson bestätigt wurde, der als Autor des im vergangenen März erschienenen Buchs „Les Français Jihadistes“ umfangreiche Recherchen in der Szene gemacht hat. Bei dem jungen Mann, der sich auch „Abdul Halim“ nenne, handele es sich tatsächlich um Steve Duarte, einem in Luxemburg wohnhaften Portugiesen, der 2010 in Algerien zum Islam konvertierte.

Auf Twitter habe er sich als französischsprachiger Portugiese ausgegeben und im September einen Text auf einer pro-salafistischen Seite gepostet, in dem er Gleichgesinnte davor warnt, via Internet zu viele Informationen preiszugeben, die der Organisation schaden könnten – beispielsweise Digitalbilder, die mit geografischen Positionsdaten versehen sind. Thomson mutmaßte, dass Duarte nicht als Kämpfer an der Front aktiv sei, sondern dem IS im Bereich der Logistik oder Verwaltung diene.

Eine Einschätzung, die dem „Luxemburger Wort“ gestern aus Sicherheitskreisen bestätigt wurde. Demnach halte sich Duarte derzeit tatsächlich in Syrien auf, wo er für „Al Furqan Media“, die Propagandaabteilung des IS, die unter anderem verantwortlich ist für das Anwerben neuer Rekruten in sozialen Netzwerken, sowie für die Verbreitung von Videos zuständig ist. Professionelle Produktionen, in denen die Terrororganisation glorifiziert und Hass gegen die „Kuffar“, die Ungläubigen also, gesät wird – auch mit kaum erträglichen Bildern von Enthauptungen und Kreuzigungen.

Radikalisierung im Umfeld der „AMCO“ in Esch/Alzette

Die Aktivitäten von Steve Duarte im djihadistischen Umfeld in Luxemburg waren in Sicherheitskreisen demnach seit längerem bekannt. Radikalisiert wurde er wie die überwiegende Mehrheit der pro-dschihadistischen Islamisten hierzulande im Umfeld der „Association multiculturelle de l’Ouest“ (AMCO), einer Vereinigung, die einer strikt literalistischen, also wörtlichen Lesart des Koran folgt.

Wie das „Luxemburger Wort“ im vergangenen Juli berichtete, gilt ein harter Kern aus dieser Gemeinschaft, die einen Gebetsraum in der Rue du Brill Esch/Alzette unterhält, als gefährlich und steht unter Beobachtung durch die Sicherheitskräfte. Aus dem selben Umfeld stammen auch die fünf anderen Männer aus Luxemburg, von denen bekannt ist, dass sie nach Syrien aufgebrochen waren. Zwei davon wurden dort getötet, drei kehrten zurück.

Das Schicksal von Steve Duarte zeigt nun erneut, wie ernst die Gefahren zu nehmen sind, die auch hierzulande von diesem radikalislamistischen Umfeld ausgehen.


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