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Jung, weiblich, spitze!

Jung, weiblich, spitze!

Marc Wilwert
Lokales 2 Min. 16.03.2012

Jung, weiblich, spitze!

Sie sind jung, weiblich und gehen ihren eigenen Weg. Vier junge Frauen aus Luxemburg beweisen, dass es auch außerhalb der traditionellen Berufe Wege zur Selbstverwirklichung gibt. Ob Mannequin, Bierbrauerin, Frontfrau einer Band, oder Milchbäuerin – diese vier Frauen heben sich vom Durchschnitt ab. Wort.lu und das Luxemburger Wort stellen sie vor.

Von Christian Mohr

Weiß wie Porzellan ist ihr Teint. Und dass das so bleibt, dafür meidet Sonia Gleis bewusst direkte Sonnenstrahlung: „Kunden und Agenten mögen keine starken Abweichungen vom Originalton der Haut. Hautrötungen sind auf Laufstegen und am Set von Foto-Shootings nicht in“. Und davon kann die zierliche Kunststudentin mit dem kindlichen Gesicht – sie wird des Öfteren bei Zugreisen um eine elterliche Reise-Erlaubnis gebeten – ein Liedchen singen. Schließlich war Sonia bereits für Labels wie Lanvin, Christophe Guillarmé und Daniel Hechter auf dem Catwalk. Ihre Passion sind jedoch zweifelsohne ihre Kunstgemälde in Acryl, die sie seit ihrem 16. Lebensjahr regelmäßig ausstellt.

Sonia Gleis ist mit 170 Zentimetern die kleinste Laufstegschönheit mit der begehrten Pariser „Fashion Week Card“ und ihre Körpermaße gibt sie auf ihrer bestens zur Vermarktung dienenden Internet-Seite mit 90 – 60 – 89 an. Erst vor einigen Wochen hat sie einen äußerst lukrativen Vertrag

mit dem Schuhfabrikanten Palladium abgeschlossen. Mindestlaufzeit: sechs Monate. Außerdem staubte sie einen in Modelkreisen so beliebten „Major“ beim Promimagazine „Closer“ ab. Trotz knallharter Konkurrenz.

In Kürze strahlen ihr Gesicht und ihre Füße von hunderten Werbeträgern in Paris und in Südfrankreich. Seit Anfang des Jahres ist das Luxemburger Mannequin übrigens auch an der Seite von Schauspieler, Regisseur und Produzent Vincent Cassel im Werbespot für das Parfum „La nuit de l’homme“ (Yves Saint Laurent) zu sehen. 2008 schenkte das Mädchen aus Strassen mit Erstwohnsitz in Paris ihr Unschuldsgesicht einer weltweiten Kampagne für den Hersteller von Videospielen Nintendo. Wie es zu dieser fulminanten Karriere kam?

Casting in Paris

Schicksal: „In Paris sprach mich ein Modelscout auf der Straße an. Ich kam zum Casting, daraufhin ging alles sehr schnell.“ In Luxemburg hatten ihr Pseudo-Modekenner jahrelang weiß gemacht, dass sie nicht das Zeug zum Modeln habe: „Du bist ja eh zu klein“. All die herabschmetternden Kommentare aus der sogenannten Luxemburger Model-Szene hatten ihre Träume in der Branche begraben. „Doch Gott sei dank wurde ich eines Besseren belehrt!“, sagt die heute 23-jährige Tochter des Strassener Schöffen Francis Gleis mit Stolz geschwellter Brust. Je nach Auftrag sahnen ihre beiden Modelagenturen 30 bis 70 Prozent von ihren Gagen ab. Dafür sind Flugreisen und der persönliche Fitnesstrainer umsonst. Manchmal springt sogar ein Kleid aus einer neuen Haute Couture-Kollektion heraus.

Ihre Modelkarriere versucht Sonia so gut wie möglich mit ihrem Kunststudium zu vereinen: „Wegen den anhaltenden Streiks an der Uni Sorbonne wurde der Examen in den September verlegt“. Ein Umstand, den sie nicht begeistert. Denn im Sommer sollte sie für Nachschub ihrer Gemälde-Kollektion sorgen. Von habsüchtigen Galerien, die besonders jungen Künstlern die Mehrheit der Verkaufspreise abluchsen, hält Sonia nicht viel: „Ich verkaufe kein Bild mehr in einer solchen Ausstellung, wo Künstler nicht einmal einen Laib Brot an ihrer Arbeit verdienen.“

Parallel schreibt Sonia an ihrer Diplomarbeit, in der sie die Farbe weiß im Raum als nichts und gleichzeitig als sehr viel ergründet. „Die kulturellen Unterschiede von Land zu Land sind bemerkenswert“, schwärmt das Multitalent. Farben, die sich meist in ihren Kunstwerken wiederfinden sind weiß – wie könnte es auch anders sein – ocker und blau. Ihr heimliches Berufsziel ist es denn auch eines Tages als selbstständiger Künstler zu leben. Einen Teil ihres Einkommens durch die Kunst spendet Sonia Gleis an die Raoul-Follereau-Stiftung.