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Jung hilft Alt in der Nordstad
Lokales 2 Min. 28.03.2020

Jung hilft Alt in der Nordstad

Die Ettelbrücker Guiden a Scouten beliefern ihre Auftraggeber in der Regel binnen einer Stunde. Hamstereinkäufe sind aber mit ihnen nicht zu machen.

Jung hilft Alt in der Nordstad

Die Ettelbrücker Guiden a Scouten beliefern ihre Auftraggeber in der Regel binnen einer Stunde. Hamstereinkäufe sind aber mit ihnen nicht zu machen.
Foto: Jennifer Adami
Lokales 2 Min. 28.03.2020

Jung hilft Alt in der Nordstad

Nico MULLER
Nico MULLER
Zwei Dutzend Mitglieder der Ettelbrücker Guiden a Scouten gehen älteren Mitmenschen beim Einkaufen zur Hand. Das natürlich völlig selbstlos.

Auf dem Papier mögen sie (noch) getrennt sein, aber im Geist sind die Ettelbrücker Guiden (Grupp Ermesinde) und Scouten (Grupp Saint-Sébastien) bereits weitestgehend vereint. Nicht zuletzt eine derzeit durchgeführte gemeinsame Solidaraktion gegenüber älteren Mitbürgern untermauert diese doch enge Seelenverwandtschaft.

Rund zwei Dutzend Mitglieder der beiden Gruppen (alle zwischen 18 und 30 Jahre alt) tätigen nämlich seit dem 17. März Einkäufe für Personen, die älter als 65 Jahre sind und haben dabei auch noch eine ebenso sinnvolle wie große Genugtuung verschaffende Beschäftigung in diesen Zeiten, wo das öffentliche Leben völlig brach liegt, gefunden.

1.600 Briefe verschickt

Die Initiative zu dieser hierzulande zwar keineswegs einzigartigen, aber dennoch alles andere als selbstverständlichen Aktion hatte Vincent Koks, der sich denn auch nicht lange anstrengen musste, um die Begeisterung bei den lokalen Guiden und Scouten zu entfachen, wie er dem „Luxemburger Wort“ erklärt.

Ganz oben auf der Einkaufsliste der älteren Mitbewohner stehen Gemüse und Obst.
Ganz oben auf der Einkaufsliste der älteren Mitbewohner stehen Gemüse und Obst.

„Wir haben eine WhatsApp-Gruppe erstellt, damit wir uns untereinander bestmöglich verständigen können und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde rund 1.600 Briefe an Zielkunden in der ganzen Nordstad verschickt“, erzählt Koks.

Die ersten Kunden ließen nicht lange auf sich warten. An den ersten zehn Werktagen meldeten sich bereits 127 Männer und Frauen, um ihre Bestellungen aufzugeben. Bisher am meisten Bestellungen gab es am vorgestrigen Donnerstag mit 19 Anrufen. Ganz oben auf den Einkaufslisten stehen Medikamente, gefolgt von Obst, Gemüse, Brot- und Teigwaren. Die allermeisten Kunden wohnen in Ettelbrück , Warken und Schieren.

Rund zwei Dutzend Mitglieder der Guiden a Scouten sind bei der Hilfsaktion jeden Tag im Einsatz.
Rund zwei Dutzend Mitglieder der Guiden a Scouten sind bei der Hilfsaktion jeden Tag im Einsatz.

Vincent Koks erklärt die Vorgehensweise: Geht der Wunsch für eine Bestellung ein, wird dieser zusammen mit Name, Adresse und Telefonnummer des Kunden in eine Liste, in die alle WhatsApp-Mitglieder Einsicht haben, eingetragen. Derjenige, der den Auftrag übernimmt, fährt unvermittelt zum Auftraggeber, der seinerseits einen Umschlag mit dem Detail der Bestellung und dem notwendigen Kleingeld vor die Tür legt.

Viele Senioren sind auch froh, wenn man ihnen das Tragen von schweren Wasserflaschen abnimmt.
Viele Senioren sind auch froh, wenn man ihnen das Tragen von schweren Wasserflaschen abnimmt.

In den meisten Fällen liegen die Einkaufstüten mit dem Rückgeld dann innerhalb einer Stunde vor der Tür des Auftraggebers, der unmittelbar zuvor natürlich darüber per Telefon informiert wurde. „Das funktioniert perfekt. Die Leute haben viel Vertrauen in uns, aber keine Bedenken, sich uns mitzuteilen“, freut sich Vincent Koks.

Hamstereinkäufe sind derweil nicht zu machen mit den Ettelbrücker Guiden a Scouten. Man mache den Kunden von vornherein klar, dass vernünftige Mengen einzelner Waren auf die Einkaufsliste geschrieben werden sollten, auch wenn man das gesamte Einkaufsvolumen nicht einschränke.

Dankbare Kunden

Niemand schreibe den Guiden und Scouten denn auch vor, in welchem Supermarkt die Einkäufe zu tätigen sind. Alle Auftraggeber seien vielmehr sehr froh, dass jemand diesen für so manchen von ihnen beschwerlichen Gang übernimmt.


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Scouten, Privatleute, Gemeinden: Sie alle wollen älteren Menschen und solchen mit Vorerkrankungen helfen, damit diese in ihrem eigenen Zuhause bleiben können und dennoch versorgt werden.

„Die Leute machen daraus uns gegenüber keinen Hehl und lassen uns teilweise auch sehr großzügiges Trinkgeld zukommen. Dieses wiederum wollen wir nicht für uns behalten, sondern einer Wohltätigkeitsorganisation, die wir allerdings noch nicht bestimmt haben, spenden“, sagt Vincent Koks.

Niemand weiß zum aktuellen Zeitpunkt, wie lange die Aktion noch laufen wird, aber sicher ist bereits jetzt, dass in der Nordstad in den vergangenen Tagen so manch neue freundschaftliche Bande zwischen Jung und Alt zustande kam, die auch die Corona-Krise überdauern wird.

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