Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Jugend und Sexting: Bedenklicher Umgang mit Fotos nimmt zu
Lokales 1 3 Min. 07.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Jugend und Sexting: Bedenklicher Umgang mit Fotos nimmt zu

Beim Sexting geht es unter anderem auch darum, vom Empfänger der intimen Nachricht ein positives Feedback zu erhalten.

Jugend und Sexting: Bedenklicher Umgang mit Fotos nimmt zu

Beim Sexting geht es unter anderem auch darum, vom Empfänger der intimen Nachricht ein positives Feedback zu erhalten.
Foto: Shutterstock
Lokales 1 3 Min. 07.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Jugend und Sexting: Bedenklicher Umgang mit Fotos nimmt zu

Luc EWEN
Luc EWEN
Mit der Kampagne "Bass de sécher?!" wollen Bee Secure und SNJ auf Sexting aufmerksam machen. Denn: Zuletzt hat es vermehrt Probleme mit Nacktbildern von Jugendlichen im Netz gegeben.

Ein 14-jähriges Mädchen hat seinem Freund Selfies von sich geschickt, auf denen es nackt zu sehen ist. Sogenannte Nelfies. Nun ist die Beziehung vorbei und der Junge verbreitet die Fotos im Internet. „Ich kann nichts dagegen tun“, klagt das Mädchen im Gespräch mit dem Kinder- und Jugendtelefon. In einem anderen Fall meldet sich eine Mutter. Ihre elfjährige Tochter hat Nacktfotos von sich selbst auf dem sozialen Netzwerk Tik-Tok geteilt und die Mutter will wissen, wie man die wieder „wegmachen“ kann. Weiteres Szenario: Ein Junge hat sich von seiner Freundin nackt fotografieren lassen und die erpresst ihn nun mit den Bildern. 

Der Clou: Die jugendlichen Protagonisten, die sich selbst nun als Opfer sehen, können im schlimmsten Fall juristisch gesehen sogar Täter sein. Denn, der luxemburger Code pénal setzt ausdrücklich in den Artikeln 383 bis 384 das Erstellen und das Versenden von Nacktfotos, die Minderjährige zeigen, unter Strafe. Das gilt sogar dann, wenn es ein Bild von sich selbst ist, wie Barbara Gorges-Wagner vom Kanner- a Jugendtelefon im Rahmen einer Bee Secure-Pressekonferenz am Mittwoch unterstreicht. 


Sexting: Wenn Liebesbeweise plötzlich im Netz landen
In Luxemburg ist das Phänomen Sexting weit verbreitet. Jugendliche achten nur wenig auf dessen Gefahren und riskieren somit Erpressungen und viel Leid.

„Das Bewusstsein dafür, dass man sich selbst strafbar gemacht hat, fehlt den Betroffenen meist gänzlich“, sagt sie. Sofort fügt sie aber hinzu, dass Betroffene dennoch keinesfalls schweigen sollten. „Das wäre fatal und kann schlimmstenfalls zu suizidalen Gedanken führen“, warnt Barbara Gorges-Wagner. „Wir raten jedem, der über solch eine Situation die Kontrolle verloren hat, mit jemandem darüber zu sprechen.“ Auch sollen sich Betroffene entweder an das Kinder- und Jugendtelefon, das Elterntelefon oder an die Bee-Secure-Hotline wenden. Sie verweist auch auf die Bee Secure Webseite

Im Lockdown habe allgemein der Gebrauch neuer Medien einen großen Schritt nach vorn gemacht, erklärt der Direktor des Service national de la jeunesse (SNJ), Georges Metz. „Social Media war in dieser schweren Zeit für Kinder und Jugendliche eine Möglichkeit mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Das ist an sich eine gute Sache“, so Georges Metz. Allerdings habe sich in dieser Zeit auch gezeigt, dass die Probleme, vor denen Bee Secure und SNJ seit Langem in diesem Zusammenhang warnen, ebenfalls intensiviert haben. 

Die gedächtnisstarke Oma vergisst nichts.
Die gedächtnisstarke Oma vergisst nichts.
Poster: Bee Secure / SNJ

„Bass de sécher?!“  

Jedes Jahr starten SNJ und Bee Secure eine Sensibilisierungskampagne. Diesmal befasst sie sich mit diesem Thema, dem sogenannten Sexting. Das Kofferwort, das sich aus Sex und der englischen Bezeichnung texting (das Verschicken von Textnachrichten) zusammensetzt, bezeichnet Kommunikation zu sexuellen Themen via SMS oder Messengerdienste. Die Kampagne 2020 heißt „Bass de sécher?!“ und kommt mit einer Gedächtnis-starken Oma daher. 

Sie ist die Heldin von vier Kurzgeschichten, in denen Jugendliche kurz davor stehen, einen Fehler im Internet zu begehen. So will ein Junge in der ersten Geschichte Nacktbilder einer Jugendlichen weiterverschicken. Die Oma hindert ihn daran mit dem Verweis: „D'Bomi vergësst näischt, den Internet och net.“ 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

„Das eigentliche Thema ist das Bild und dies im doppelten Sinne“, so Georges Metz. Einerseits geht es um die Frage, welches Bild Jugendliche von sich selbst nach außen weitergeben. „Das ist vielen Jugendlichen sehr wichtig“, so der SNJ-Direktor. „Da werden schnell Grenzen überschritten, was eventuell folgenschweren Schaden verursachen kann. Und das Internet vergisst nichts.“ 

Andrerseits gehe es auch um die Frage, wie man mit Bildern, die andere zeigen, umgehen soll. Viele seien sich nicht bewusst, wie schnell man sich auf diese Art strafbar machen könne, so Metz.

Konkrete Zahlen, wie viele Fälle von Sexting es in Luxemburg gibt, darüber könne man keine Auskunft geben, so Deborah Plein vom SNJ. Allerdings sind durchaus nicht nur Kinder und Jugendliche betroffen. Auch Erwachsene können betroffen sein. 


Wenn Minderjährige Kinderpornografie verbreiten
Minderjährige sind bei der Verbreitung von Kinderpornografie nicht nur Opfer, sondern immer öfter auch Täter – meist aus Leichtsinn

Die Kampagne, die aus vier Kurzgeschichten und demnach auch aus vier Phasen besteht, startet am Mittwoch. Jede Phase besteht aus je einem Video, einem Plakat und didaktischem Material. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite von Bee Secure.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Am Dienstag ist Safer Internet Day. Die staatliche Initiative Bee Secure sowie andere Akteure im Bereich der digitalen Welt wollen an diesem Tag Internetnutzer auf die Gefahren im Netz aufmerksam machen.
Lokales,Safer Internet Day,Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort